Jürgen Fürst, Geschäftsführer der Stockacher Stadtwerke, hat eine deutliche Meinung zur Windkraft: "Viele Windräder verlieren ihren Schrecken, wenn sie erst einmal stehen." Dies sagte Fürst bei einem energiepolitischen Gespräch mit Dorothea Wehinger (Grüne, Wahlkreis Singen-Stockach) und Jutta Niemann, der energiepolitischen Sprecherin der Grünen im Landtag. Seine Worte bezogen sich auf den Windpark Verenafohren, den die Stadtwerke als Mitglied der IG Hegauwind mit betreiben. Laut Fürst sollen dort 20 Millionen Kilowattstunden Strom pro Jahr produziert werden. So lauten die prognostizierten Planzahlen. Laut einer Presseinformation der Betreiberin IG Hegauwind zum Windpark Verenafohren lag die gesamte Einspeisemenge im Jahr 2018 bei rund 16,7 Millionen Kilowattstunden. Dies entspreche einem Minus von 18 Prozent, teilt die IG Hegauwind in der Presseinformation weiter mit.

100 Prozent Ökostrom

Auch sonst sprach aus seinen Beiträgen, dass die Stadtwerke Stockach auf den Zug des Klimawandels, der erneuerbaren Energien und der Kohlenstoffdioxid-Einsparung aufgesprungen sind. So werde auch die Übernahme des Stromnetzes in den Stockacher Ortsteilen zum 1. Januar 2020 Folgen für den Stromverbrauch haben. Denn alle Privatkunden, so Fürst, bekommen automatisch 100 Prozent Ökostrom von seinem Unternehmen geliefert. Damit würden laut Fürst 13 000 Tonnen Kohlenstoffdioxid eingespart.

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Die Kraft der Sonne nutzen die Stadtwerke etwa im Solarpark am Mooshof bei Bodman. Dort gehören den Stadtwerken 2,5 Hektar. Zwei weitere Solarstromanlagen sind laut Fürst derzeit geplant. Eine im Gebiet der Autobahnauffahrt West. Die Kosten hierfür belaufen sich auf rund 700 000 Euro. Die Anlage soll Ende 2019 eingeweiht werden. Eine weitere Anlage ist in Hoppetenzell geplant, auf der Fläche des ehemaligen Kieswerkes. "Hier wird die Wirtschaftlichkeit derzeit geprüft", so Fürst weiter. Er zeigte sich davon überzeugt, dass mit vergleichbaren Maßnahmen die Energiewende in Stockach angekommen sei.

Stockach hat eine Vorreiterrolle

Die Experten beim Fachgespräch, allen voran Jörg Dürr-Pucher, der Präsident der Bodensee-Stiftung, zeigten sich über das Engagement der Stadtwerke Stockach beeindruckt, gerade im Bereich von Solarstromanlagen mit einer Leistung von unter 750 Kilowatt. Denn seit Jahresbeginn erhalten Fotovoltaikanlagen grundsätzlich nur noch eine Vergütung nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz, wenn sie erfolgreich an Ausschreibungen teilnehmen. Ausgenommen von dieser Regelung sind Anlagen mit einer installierten Leistung bis 750 Kilowatt. Deren Betreiber erhalten eine feste Vergütung nach bekanntem Muster. "In diesem Bereich machen wir zu wenig. Stockach hat im Landkreis in diesem Bereich so etwas wie eine Vorreiterrolle", so Dürr-Pucher.

Mehr Ausklärungsarbeit gefordert

Doch es ging nicht nur um die Initiativen einzelner Unternehmen: Der Tenor der Runde lautete, um die Energiewende voranzutreiben, müsse es bessere Aufklärungsarbeit bei den Verbrauchern und bessere Vernetzung innerhalb der Branche geben. Laut der Grünen-Landtagsabgeordneten Wehinger könnten Fotovoltaik-Netzwerke hierbei eine Rolle spielen. Zwölf dieser regionalen Netzwerke gibt es in Baden-Württemberg. Deren Mitglieder haben sich auf die Fahne geschrieben, den Solarstromausbau voranzutreiben. Sie unterstützen Bürger und lokale Akteure durch Informationen, Beratungen und regelmäßigen Wissens- und Erfahrungsaustausch. Die Netzwerke sind eine Maßnahme der Solaroffensive des Landes Baden-Württemberg.

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Bei der Diskussionsrunde bei den Stadtwerken Stockach wurde schnell deutlich: Gerade bei der Vernetzung hakt es in der Region. Stephan Einsiedler vom Energieversorger EnBW sprach aus, was viele seiner Kollegen dachten: "Wir müssen mehr Aufklärungsarbeit leisten." Er reagierte in Sachen Wärmegewinnung mit Unverständnis auf die aktuelle Vorgehensweise mancher Städte und Kommunen. Seine Kritik: In den Verwaltungen gehe man nicht mit gutem Beispiel voran. "Wenn eine Gemeinde sagen würde, wir bauen Fotovoltaikanlagen auf alle städtischen Dächer und investieren von dem Geld, das dadurch eingespart wird, wieder in Projekte, die dem Bürger zugute kommen, dann wäre dies ein Vorbildcharakter", sagte er.

Jörg Dürr-Pucher sieht das ähnlich. Auch er sehe noch viel Potenzial auf den Dächern in den Kommunen, sagte er bei der Veranstaltung. Seiner Einschätzung nach bestehe eine der größten Chancen im Bereich der Parkplätze, etwa in der Stadt, von öffentlichen Einrichtungen oder von Wirtschaftsunternehmen. Bei einer Überdachung mit Solarzellen könnten dort viele Sonnenstromanlagen entstehen.