Die Hamsterkäufe der jüngsten Zeit haben so starke Spuren hinterlassen, dass es für die Stockacher Tafel immer schwieriger wird. Deshalb stellen sich nun die sechs Bürgermeister der Verwaltungsgemeinschaft Stockach geschlossen hinter die Einrichtung für Bedürftige und rufen zur Hilfe auf: Die Tafel braucht ehrenamtliche Helfer, da Ältere aus dem Team momentan ausfallen, und mehr denn je sind jetzt Lebensmittelspenden notwendig.

Deshalb gebe es nun einen Aufruf an die Öffentlichkeit, sagte Rainer Stolz, Bürgermeister von Stockach, bei einem Pressegespräch mit allen Bürgermeistern unter Corona-Schutzmaßnahmen: „Vielleicht hat jemand Zeit, sich ehrenamtlich einzubringen, so lange das Thema aktuell ist.“ Die Tafel sei eine wichtige Form der Unterstützung. Zur Stockacher Tafel kommen Menschen aus Stockach, Bodman-Ludwigshafen, Orsingen-Nenzingen, Eigeltingen, Mühlingen und Hohenfels, so Stolz. Es sei nun wichtig, den personellen Engpass der Tafel zu überbrücken, die jetzt nur einen Öffnungsnachmittag am Mittwoch anbieten kann.

Weniger als die Hälfte sind noch da

„Von 16 Mitarbeitern sind gerade nur noch sechs da“, erklärte Margot Kammerlander, Leiterin der Stockacher Tafel. Das sei das Ergebnis einer Krisensitzung gewesen. Einige Mitarbeiter seien über 60 Jahre alt und gehören daher zur Risikogruppe.

Das könnte Sie auch interessieren

Trotzdem: Eine 84-jährige Helferin lasse es sich auch in Corona-Zeiten nicht nehmen, jede Woche im Tafel-Laden zu stehen. Das Team, auf das Margot Kammerlander sehr stolz ist, braucht aber zur Überbrückung Ehrenamtliche, die nicht zu den gefährdeten Gruppen gehören. Erst mal zwei bis drei Personen und weitere, wenn diese dann eingearbeitet seien, sagte sie.

Was die Helfer machen müssten

Margot Kammerlander umriss die Anforderungen: Die Helfer müssten bereit sein, alles zu machen. Zu den Aufgaben gehöre Kisten tragen, Obst und Gemüse sortieren sowie putzen, die Kunden betreuen, als Ordner an der Tür fungieren, den Überblick an der Kasse behalten und abends die Räume sauber machen. „Es ist auch wichtig, dass die Helfer zuverlässig kommen und nicht kurz vorher absagen“, betonte sie. Rainer Stolz war sich sicher: „Es gibt hier Menschen, die das können und sehen, dass wir in Not sind.“

Das könnte Sie auch interessieren

Stellvertretend für seine Amtskollegen Matthias Weckbach (Bodman-Ludwigshafen), Bernhard Volk (Orsingen-Nenzingen), Florian Zindeler (Hohenfels), Alois Fritschi (Eigeltingen) und Manfred Jüppner (Mühlingen) fasst er zur Corona-Krise zusammen: „Wir sind in einer Situation, deren Ende wir noch nicht kennen. Aber wenn wir uns nicht gegenseitig helfen, wird es noch viel schlimmer.“

Ein paar Hilfsangebote

Alle Bürgermeister boten direkt vor Ort Hilfe an. Von der Stockacher Stadtverwaltung erhielt die Tafel gleich beim Termin einen Karton mit mehreren Flaschen Desinfektionsmittel. Alois Fritschi, der für das Engagement der Tafel dankte, trug seine Bauhof-Mitarbeiter an, falls handwerklich etwas in den Räumen der Tafel zu machen sei. Die Bürgerstiftung Stockach hat bereits Lebensmittelspenden angekündigt und der Round Table habe laut Stolz mit dem Aach-Center Lieferungen abgesprochen. Derzeit fehlen laut Margot Kammerlander haltbare Lebensmittel, aber es komme auch wenig Obst und Gemüse. Die Tafel dürfe nicht selbst einkaufen, erklärte sie.

Das könnte Sie auch interessieren

Stolz nahm am Freitag noch Kontakt mit den Geschäftsführern des Aach Centers und der Stockacher Rewe-Märkte Kontakt auf. „Beide haben versichert, dass es mit den Lebensmitteln normal läuft, wenn jeder normal einkauft“, sagte er. Es mangle nicht an Waren, aber das Einräumen daure. „Es gibt keinen Anlass für Hamsterkäufe.“

Kontakt zu Margot Kammerlander für freiwillige Helfer oder alle, die Lebensmittel spenden wollen: (0178) 2 92 56 56.

75 Jahre Geschichte. 75 Jahre Erfahrung. 75 Jahre Journalismus. Sichern Sie sich jetzt für kurze Zeit ein ganzes Jahr zum Jubiläumspreis von 75 €.