Das dauerte nicht lange: Kurz nachdem die Alternative für Deutschland (AfD) bekannt gab, dass sie einen Wahlkampfauftritt mit Alice Weidel, der Bundestagsfraktionsvorsitzenden der Partei, in Stockach plant, haben die AfD-Gegner mobil gemacht und zu einer Gegendemonstration aufgerufen. Im sozialen Netzwerk Facebook hat mittlerweile eine Gruppe namens "Offenes antifaschistisches Treffen Konstanz" (OAT) unter dem Titel "Stockach stoppt die AfD" eine Protestaktion gegen das Treffen am Samstag, 6. April, im Bürgerhaus Adler Post angekündigt. Diese soll am Tag von Weidels Besuch um 17 Uhr am Bahnhof beginnen und ist für die Zeit bis 21 Uhr angekündigt.

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Wie das Offene antifaschistische Treffen Konstanz auf Nachfrage des SÜDKURIER bekräftigt, gehe es bei der Demonstration darum, der AfD zu zeigen, dass "sie nicht die Mehrheit sei, sondern der rechte Rand". "Wir wollen inhaltliche Kritik auf der Demo und am Veranstaltungsort äußern und uns für eine befreite, solidarische Gesellschaft einsetzen", heißt es in der Stellungnahme des OAT weiter. Trotz Nachfrage zogen es die Sprecher der Gruppierung vor, anonym zu bleiben.

OAT rechnet mit vielen Unterstützern

Die Verantwortlichen der Demonstration rechnen indes mit einer großen Solidarität und Unterstützung von politisch-aktiven Gruppen aus der Region. "Jeder ist eingeladen sich dem gemeinsamen Protest für Vielfalt, Solidarität und Demokratie anzuschließen", teilt das Offene antifaschistische Treffen Konstanz mit. Mit wie vielen Demonstranten die OAT-Verantwortlichen tatsächlich rechnen, dazu konnten sie keine genauen Angaben machen.

Peter Fritschi bestätigt Demo

Fest steht aber: Die Demonstration hat einen Termin. Peter Fritschi, Leiter des Stockacher Ordnungsamtes, bestätigt, dass ein Aufzug angemeldet worden sei. Ebenso, dass der Start um 17 Uhr am Bahnhof erfolgen solle. Als Anmelder sei eine Privatperson aus Konstanz aufgetreten, deren Namen er nicht nennen will. Seine Behörde müsse nun dafür sorgen, dass beides störungsfrei laufen kann: die Wahlkampfveranstaltung der Alternative für Deutschland im Bürgerhaus und die Gegendemonstration der antifaschistischen Gruppe. Die Vorgehensweise werde noch mit der Polizei geklärt, so Peter Fritschi weiter.

AfD befürchtet Übergriffe

Für Diskussionen sorgte indes die grafische Gestaltung des Aufrufes des Offenen antifaschistischen Treffens Konstanz in Sozialen Netzwerken. Walter A. Schwaebsch sorgt sich um die Sicherheit der Veranstaltungsbesucher und Parteimitglieder, wie er auf Nachfrage sagt. Er rechne mit gewaltsamen Übergriffen der Gegendemonstranten. Dabei bezieht er sich auf die optische Darstellung auf der Facebook-Seite des OAT Konstanz. Die Veranstaltung wird in dem sozialen Netzwerk mit dem Bild eines jungen Mannes illustriert, der eine Dachlatte in Richtung eines zerrissenen AfD-Parteilogos schwingt. Von Gewaltaufrufen ist in dem darunter stehenden Text aber nichts zu lesen. Lediglich der Hinweis, dass man „gemeinsam gegen die AfD auf die Straße gehen wolle und ihr den Wahlkampfauftritt gehörig vermiesen" wolle.

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Den Vorwurf zur Gewalt aufzurufen, weist das OAT im Schriftverkehr mit dem SÜDKURIER vehement zurück. Die Frage, ob das Motiv ein direkter Aufruf zur Gewalt gegenüber AfD-Mitgliedern sei, verneinen die Veranstalter der Gegendemonstration strikt. Vielmehr rechne man mit einem friedlichen Protest, bestätigt das OAT. Das Motiv, das für den Aufruf zur Gegendemonstration gewählt worden sei, sei lediglich eine Collage aus einem Graffito des Künstlers Banksy und einem Kantholz, das die typischen AfD-Opfermythen karikiere, teilt das OAT Konstanz mit.

Demo-Idee vor einer Woche gestartet

Wie sie der Alternative für Deutschland den Auftritt "vermiesen" wollen, dazu haben die Mitglieder des Offenen antifaschistischen Treffen Konstanz eine Vorstellung – auch hier ohne Gewalt: "Wir haben die Veranstaltung schon länger im Auge, unsere öffentliche Mobilisierung hat angefangen, als wir die Details dazu erfahren haben. Der genaue Veranstaltungsort wurde auch erst letzte Woche bekannt gegeben", so die Sprecher des OAT. Warum dies so kurzfristig geschehen sei, darüber könne man nur spekulieren. "Falls es aber ein Versuch ist großen Protest zu vermeiden, wird diese Strategie nicht aufgehen. Den Demoaufruf haben wir vor einer Woche gestartet", so die antifaschistische Gruppierung.

AfD-Sprecher Walter A. Schwaebsch wollte keine Angaben machen, mit wie vielen Besuchern seine Fraktion am Veranstaltungsbaend im Bürgerhaus Adler Post rechne. Prognosen seien dazu schwierig abzugeben, sagt Schwaebsch.