Stockach-Hoppetenzell Gedächtnis der Region: Ein ganzes Dorf packt mit an

Zur 1200-Jahr-Feier im Jahr 1958 stemmten die Hoppetenzeller das bis heute größte Fest des Ortes.

Als das ganze Dorf auf den Beinen war und drei Tage auf den Straßen und im Festzelt in Hoppetenzell gefeiert wurde, war Ortsvorsteher Paul Engst acht Jahre alt. Dementsprechend kann sich der heute 58-Jährige nicht mehr an alle Details der prachtvollen 1200-Jahr-Feier erinnern. Sicher ist aber, dass die Feier für den Ort ein einmaliges Ereignis war. Josef Scheppe, damals Mitglied des Gemeinderats, erinnert sich noch genau: „Im Festzelt kamen wir gar nicht mehr nach zum Kassieren, da es einfach zu viele Gäste waren.“ Der damals 30-jährige Landwirt schätzt, dass über 1000 Menschen in Hoppetenzell feierten.

Initiator des Festwochenendes war der damalige Pfarrer Alois Sartory, der einige Zeit danach zum Ehrenbürger ernannt wurde. Er war es auch, der durch seine Nachforschungen auf die erste urkundliche Erwähnung von Hoppetenzell stieß. „Wie man heute weiß, war das Jahr aber nicht ganz korrekt“, stellt Paul Engst klar. Der heute 600 Einwohner zählende Ort wurde erstmalig 777 und nicht, wie ursprünglich angenommen, bereits im Jahr 758 nach Christus erwähnt. Doch tut das der Erinnerung an das Fest vom 6. bis 8. September 1958 keinen Abbruch. „Das ganze Dorf, damals zählte es 500 Einwohner, war mit eingebunden. Ob Kirchenchor, Sportverein, den es erst seit drei Jahren gab, Musikverein oder der Feuerwehr. Alle haben mitgeholfen“, erinnert sich Engst. An allen Ausgängen des Ortes waren große Triumphbögen aus Reisig und Rosen aufgebaut. Alle Häuser und Straßen des Ortes waren festlich geschmückt. „An den Dorfbrunnen wurden Miniaturlandschaften aufgebaut, die einzelne Gebäude im Ort nachempfunden waren“, weiß Engst. Nachgebaut wurden beispielsweise die Kirche, ein Sägewerk und eine Mühle.

In der damaligen Einladungsschrift ist zu lesen, dass am Festsonntag ein historischer Umzug durch das Dorf stattfinden soll. „Es waren mindestens sieben oder acht Festwagen,“ schätzt Engst. Die Wagen stellten kleine Szenen der Dorfgeschichte dar. Auf einem war ein Klassenzimmer aufgebaut, das den Unterricht im 18. Jahrhundert zeigte. Auf einem anderen wurde eine alte Bauernstube nachgestellt. Auf diesem Wagen saß auch Josef Maier. Dessen Sohn, Peter Maier, war damals 21 Jahre alt und ebenfalls an der 1200-Jahr-Feier beteiligt. „Dieses Fest kann man so gar nicht beschreiben. Es war schon etwas einmaliges, jeder im Dorf half damals mit“, erinnert sich der heute 79-jährige Maier. Die Vorbereitungen für das Fest gingen schon ein halbes Jahr vorher los.

Als Hoppetenzell seine Geschichte aufführte

Eigens für die 1200-Jahr-Feier schrieb Pfarrer Alois Sartory ein Theaterstück

Der damalige Pfarrer Alois Sartory, der die 1200-Jahr-Feier initiierte, schrieb zu diesem Anlass eigens ein Theaterstück, worin die Geschichte von Hoppetenzell nacherzählt wurde. Das Stück zeigte Szenen der Dorfgeschichte in "drei Bildern mit sechs Akten", wie es in der Festschrift angekündigt steht. Zum Gründungsmythos des Dorfes gehört, dass Hoppetenzell von einem Einsiedler gegründet wurde. Pfarrer Sartory vermutete zudem, dass im nahen Wald eine Burg stand. "Das konnte aber bis heute nicht nachgewiesen werden. Dort wurden auch keine Überreste gefunden", sagt Paul Engst.

Zum genauen Inhalt des Stückes kann sich keiner der Zeitzeugen mehr im Detail erinnern. "Das Stück enthielt viel und zum Teil sehr lange Monologe. Das ist heute kaum mehr vorstellbar. Aber damals war es eine Sensation und kam bei den Zuschauern gut an", erinnert sich Ortsvorsteher Paul Engst, der damals als achtjähriger Junge das Theater sah. Auf der Bühnen standen ausschließlich Laien, größtenteils Bewohner aus dem Dorf.

Mitgewirkt in dem Theaterstück hat damals zudem Zeitzeuge Peter Maier. In einem aufwendigen Ritterkostüm stand er mit auf der Bühne. "Die Kostüme hatten wir vom Stadttheater Konstanz ausgeliehen", erinnert sich Maier noch an die Vorbereitungen. Doch wurde nach dem Fest eines wohl vergessen. "Man hat so gehört, dass damals vergessen wurde die Leihgebühr für die Kostüme zu zahlen", erinnert sich noch der ehemalige Gemeinderat Josef Scheppe mit einem Schmunzeln. (dba)

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