Frauen sind in den Gemeinden des Landkreises Konstanz deutlich schlechter vertreten als Männer. Dies belegen Zahlen des Statistischen Landesamtes. Die Stadt Stockach und die fünf Gemeinden in ihrer Umgebung – Bodman-Ludwigshafen, Hohenfels, Mühlingen, Eigeltingen und Orsingen-Nenzingen – sind keine Ausnahme (siehe Grafik). In Hohenfels und Mühlingen beispielsweise ist jeweils nur eine Frau im Rat vertreten. Auf den Kandidatenlisten in Stockach und Umgebung sieht es nicht viel anders aus. Von 216 Kandidaten, die um einen Sitz in einem der sechs Gemeinderäte konkurrieren, sind nur 59 Frauen – ein Anteil von etwa 27 Prozent.

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Vier Kandidatinnen berichten:

  • Sie sind drin: Ulrike Stengele aus Mühlingen (CDU) und Anita Moser aus Hohenfels-Kalkofen (Bürgerliste Hohenfels / BLH) sind die Einzelkämpferinnen in ihren Gremien. Wobei sie selbst das Wort Einzelkämpferin für sich nicht so gerne hören. Mit den Männern habe sie eine nette Truppe um sich herum, die sie auch respektiere, sagt Stengele. Ähnlich klingt es bei Moser: „Die Männer nehmen meine Standpunkte ernst und respektieren sie.“

Dass sie selbst einen vollkommen anderen Blick auf eine Angelegenheit hat als die Männer im Gremium, sei selten, erzählt Moser. Die Unterschiede kommen, so wie sie es berichtet, eher in den Feinheiten zum Tragen – zum Beispiel, wenn sie genügend Autostellplätze im Neubaugebiet einfordert, damit der Schneepflug gut durch die Straßen kommt. Etwas andere Ansichten als die Männer zu haben, reklamiert hingegen Stengele für sich – zum Beispiel, wenn es um Busverbindungen für Schüler geht. Denn wenn die Kinder den Anschluss verpassen, sind es meistens die Mütter, die zum Abholdienst ausrücken. Die Männer, die den ganzen Tag arbeiten, bekämen diese Alltagsthemen nicht so direkt mit. Allerdings seien auch sie mit der Zeit mitgegangen, sagt Moser. Und warum sind so wenige Frauen im Rat? An Mut oder Stehvermögen der Frauen könne es nicht liegen, meinen beide. Eher an Beruf, Familie und der Vielzahl von Terminen, die damit einhergehen. Denn Gemeinderatsarbeit nehme viel Zeit in Anspruch. Stengele und Moser kandidieren wieder.

Anja Schmidt (links) ist die einzige Frau auf der Liste der Freien Wähler in Stockach. Alexandra Bayer kandidiert für die CDU für den Gemeinderat in Stockach – mit insgesamt sieben Frauen auf derselben Liste.
Anja Schmidt (links) ist die einzige Frau auf der Liste der Freien Wähler in Stockach. Alexandra Bayer kandidiert für die CDU für den Gemeinderat in Stockach – mit insgesamt sieben Frauen auf derselben Liste. | Bild: Freißmann, Stephan
  • Sie wollen rein: Anja Schmidt (Freie Wähler) und Alexandra Bayer (CDU), beide aus Stockach, kandidieren für den Gemeinderat und kämen im Falle einer Wahl neu ins Gremium. Beide haben vor fünf Jahren schon einmal auf denselben Listen kandidiert, sind damals aber nicht gewählt worden. Schmidt ist die einzige Frau auf der Liste der Freien Wähler, steht dafür aber auf Listenplatz eins. Vor fünf Jahren trat sie mit einer weiteren Frau auf dieser Liste an, wie aus Daten der Stadtverwaltung hervorgeht. Bei der CDU kandidieren sieben Frauen, gleich viele wie 2014.

Spezielle Frauenthemen – worin auch immer diese bestehen mögen – sehen beide nicht als ihre Spezialität. Bayer wirbt für sich als Frau für die Wirtschaft – und sieht sich damit bei der Zuschreibung von Frauen zu speziellen Themen doch ein wenig als Exotin. Anja Schmidt, die ein Modegeschäft in der Hauptstraße führt, hat in der Belebung der Oberstadt ihr Herzensanliegen gefunden.

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Worin würde nun ein speziell weiblicher Ansatz in der Kommunalpolitik für sie bestehen? Natürlich sprechen die beiden dabei Themen an, etwa einen neuen Platz für Jugendliche, abgesehen vom Jukuz am Kreisel (Bayer). Und beim Thema Kindergartenbeiträge hätte eine Frau möglicherweise nicht nur zwei Möglichkeiten, sondern auch ein Dazwischen gesehen (Schmidt). Und beide sagen, dass Frauen mehr Ausdauer beim Nachhaken haben: „Das ist wie in der Kindererziehung“, so Schmidt. Nach Revolution hört sich zumindest nicht an, was die beiden wollen: Man brauche als Neumitglied im Gemeinderat auch die erfahrenen Kräfte, so Alexandra Bayer.