Stockach Frau erhält Schmerzensgeld nach Beziehungsstreit

Bei einem Streit in Zusammenhang mit der Beendigung einer Beziehung soll eine Frau verletzt worden sein. Der beschuldigte Ex-Freund willigte vor dem Amtsgericht in einen Vergleich ein und bezahlt 700 Euro Schmerzensgeld.

In einem Strafprozess vor dem Amtsgericht Stockach über eine Körperverletzung stand Aussage gegen Aussage. Am Ende einigten sich Angeklagter, Staatsanwaltschaft und die Vertreterin der Geschädigten auf eine Schadensersatzzahlung von 700 Euro.

Ruhig schilderte der 49-jährige Angeklagte Richterin Julia Elsner seine Sicht auf den Vorfall. Dieser ereignete sich abends in der Ein-Zimmer-Wohnung des Mannes. Auslöser des Streits sei sein Wunsch gewesen, die dreimonatige Beziehung mit seiner Freundin zu beenden. Als Trennungsgrund gab er unter anderem an, dass sie zu viel trinke.

Ein Beziehungsschluss schien aber leichter gesagt als getan. Der Mann gab an, dass die Frau unwillig gewesen sei, das Apartment auf seinen Wunsch zu verlassen. Da er aber am darauffolgenden Tag zu früher Stunde arbeiten musste und sich um den Zustand seines Apartments sorgte, beharrte er auf seinem Wunsch. Als er die Frau nach langer Diskussion doch zum Gehen überredet habe, habe sie betrunken versucht, ohne Bekleidung auf die Straße zu gehen. Deswegen sei er nach eigenen Angaben vor die Tür getreten, um ihr den Weg zu versperren.

Erst nach einem knapp 15-minütigen Streit sei sie bereit gewesen, sich etwas anzuziehen und zu gehen. Nach eigenen Angaben begleitete er seine Ex-Freundin bis zur Straße, wo er sie aus den Augen verlor.

Die Aussage der Geschädigten hingegen klingt wesentlich weniger harmlos. So sei sie aufgefordert worden zu gehen, nachdem sie einer Aussage ihres Freundes keinen Glauben schenken wollte. Als sie das einer gemeinsamen Freundin schreiben wollte, habe ihr der Angeklagte das Telefon aus der Hand geschlagen. Er wolle seine Freunde da raus halten, so seine Begründung. Ängstlich wollte sie die Wohnung verlassen. Der Beschuldigte sei völlig außer Kontrolle gewesen.

Bei ihrem Versuch, durch das Fenster des im Erdgeschoss befindlichen Zimmers zu flüchten, sei die Geschädigte gepackt und gewürgt worden. Wie lange er sie so gehalten habe, wisse sie nicht. Als sie ihm nach Luft schnappend die Tat vorwarf, habe er erwidert, er habe sie nur gehalten. Die Geschädigte habe dann nach eigenen Angaben gehen können, mit dem Versprechen, nichts wegen des Vorfalls zu unternehmen. Panisch habe sich also schnell ein Kleid übergeworfen und sei geflüchtet.

Aufgrund von Schluckbeschwerden sowie einem Druckgefühl im Hals habe sie mehrere Ärzte aufgesucht. Allerdings hatte nur eine Hals-Nasen-Ohren-Ärztin knappe fünf Tage später eine leicht geschwollene Schleimhaut festgestellt. Die als Zeugin geladene Ärztin sprach von keinen sichtbaren Merkmalen. Dennoch gab die Geschädigte an, immer noch mit Ängsten und Schlafstörungen zu kämpfen.

Da eine weitere Zeugin nicht erschienen war und somit Aussage gegen Aussage stand, sah Richterin Julia Elsner den Tatbestand der gefährlichen Körperverletzung nicht ohne weitere Zeugen oder Beweise erfüllt. Zudem sei der 49-Jährige ohne Vorstrafe und hatte sich noch nie etwas zu schulden kommen lassen. Es handele sich um eine Handlung im Affekt eines Beziehungsstreites.

Auch um steigende Kosten durch einen weiteren Zivilprozess zu vermeiden, stimmte der Beschuldigte auf Antrag der Vertreterin der Geschädigten bereit, einem Vergleich zu. Im Rahmen eines Adhäsionsverfahrens begleicht er die Schadensersatzforderung von 700 Euro in Raten.

Das Adhäsionsverfahren

Dieses Verfahren bietet dem Geschädigten einer Straftat die Möglichkeit, einen gegen den Beschuldigten aus der Straftat entstandenen vermögensrechtlichen Anspruch bereits im Strafverfahren geltend zu machen. Mit diesem Verfahren soll unter anderem doppelter Aufwand der Gerichte verhindert werden. Denn wenn das Strafgericht über den Anspruch positiv entschieden hat, kann dieser nicht mehr vor einem Zivilgericht geltend gemacht werden. Zu den Ansprüchen können unter anderem Schadensersatz oder Schmerzensgeld gehören. (mga) Quelle: Justizportal Nordrhein-Westfalen

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