Faszinierend und wertvoll: Mit diesen Worten lässt sich das Archiv der Bilder und Negative des Fotografen Roland Hübler beschreiben. Denn bei der Übergabe an die Stadt Stockach blieben Bürgermeister Rainer Stolz und Stadtarchivleiter Johannes Waldschütz direkt an zahlreichen Werken hängen. Auf Luftbildern aus den 90ern entdeckten sie Veränderungen zu heute oder schwelgten bei so manchen Bild in Erinnerungen über Gebäude, die es nicht mehr gibt.

Roland Hübler (rechts) zeigt Johannes Waldschütz, Leiter des Stockacher Stadtarchivs- und Stadtmuseums, Negative aus seiner Sammlung.
Roland Hübler (rechts) zeigt Johannes Waldschütz, Leiter des Stockacher Stadtarchivs- und Stadtmuseums, Negative aus seiner Sammlung. | Bild: Löffler, Ramona

Für Johannes Waldschütz und Rainer Stolz sind die Fotos und Negative von Roland Hübler wichtige Dokumente der Zeitgeschichte. Sie freuen sich deshalb sehr darüber, dass dieses Fotografen-Archiv nun das Stadtarchiv ergänzen wird.

„Es ist wichtig, dass wir das dokumentiert haben“, sagt Stolz. Die Stadt wolle sicherstellen, dass später Entwicklungen gesehen und nachvollzogen werden können. Beim heutigen Blick 100 Jahre zurück gebe es wenig Bildmaterial – in 100 Jahren soll das bei der Rückschau anders sein.

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„Schreddern wäre schade gewesen“, sagt der Roland Hübler, der sich ab jetzt auf seine Gesundheit konzentriert, über seine Bildnegative. Der heute 55-Jährige übernahm Anfang des Jahres 1995 das Fotostudio Hotz in der Schillerstraße. Das Hotz-Archiv gehört bereits zum Archiv der Stadt Stockach.

Negative von 1995 bis 2003

Nun kommen von Hübler mehrere Kartons mit Negativen, großformatige Fotos in Passepartouts sowie Wandbilder dazu. Die meisten Sachen stammen aus den Jahren 1995 bis etwa 2003, als Hübler auf die digitale Fotografie umgestellt hat. Aber auch aus der digitalen Zeit ist Bildmaterial auf CDs dabei.

Roland Hübler zeigt den Teil seines Archivs, der teilweise in Passepartouts ist.
Roland Hübler zeigt den Teil seines Archivs, der teilweise in Passepartouts ist. | Bild: Löffler, Ramona

Die Motive sind sehr vielfältig. Zum Beispiel gibt es bei den großen Schwarz-Weiß-Bildern einige, die Impressionen eines inzwischen abgerissenen Gebäudes bei der Alu Stockach zeigen. Auch der Hans-Kuony-Brunnen mit seinem früheren Standort am Marktplatz und verschiedene Gebäude im Stadtgebiet sind dabei. Es handle sich um Baryt-Abzüge. „Das ist eine Qualität, die heute keiner mehr macht“, erklärt Hübler.

Ein Karton ist voll mit Reproduktions-Negativen von Kunstwerken. Hinzu kommen zum Beispiel auch Negative von historischem Bildmaterial, das so für die Nachwelt erhalten wird. Alles ist auf handschriftlichen Listen genau verzeichnet.

Zudem gibt es noch eine ältere, vollautomatische, elektrische Bildschneidemaschine mit Fußpedal. Auch diese nimmt Johannes Waldschütz gerne als Dokument der Fotografiegeschichte in das Stadtarchiv auf. Zu dessen Bestand gehören zum Beispiel bereits historische Fotokameras der Fotografenfamilie Hotz.

Sie unterschreiben den Vertrag für die Übergabe des Archivs von Roland Hübler an das Stadtarchiv (von links): Johannes Waldschütz, Roland Hübler und Rainer Stolz.
Sie unterschreiben den Vertrag für die Übergabe des Archivs von Roland Hübler an das Stadtarchiv (von links): Johannes Waldschütz, Roland Hübler und Rainer Stolz. | Bild: Löffler, Ramona

Die Städtepartnerschaft von Stockach mit La Roche hat auch ihren Platz im Hübler-Archiv. Der Fotograf erzählt davon, wie er 2002 gemeinsam mit einem Fotografen aus der französischen Stadt Motive für eine Postkarte gemacht hat. Hübler fotografierte in La Roche, sein Kollege in Stockach. Beide fingen so jeweils einen Blick auf die Städte ein, die jemand hat, der nicht in ihr wohnt.

Hübler erinnert sich noch, dass es in seinen Anfängen als Gemeinderat um die Übernahme des Hotz-Archivs durch die Stadt gegangen sei. Eine große Verantwortung wegen der Arbeit zur Nutzbarmachung von Stadtaufnahmen und den Persönlichkeitsrechten bei Fotos, die Personen zeigen, so Hübler. Dies spielt nun auch beim Hübler-Archiv eine Rolle, da der Fotograf Porträt-Fotos vieler Leute aus Stockach und der Umgebung hat.

Museums- und Stadtarchivleiter Johannes Waldschütz (links) schaut sich Negative aus dem Archiv von Roland Hübler (rechts) an.
Museums- und Stadtarchivleiter Johannes Waldschütz (links) schaut sich Negative aus dem Archiv von Roland Hübler (rechts) an. | Bild: Löffler, Ramona

Wie es bei Roland Hübler weitergeht

Und was macht Roland Hübler ab jetzt? Sein Fotostudio ist aufgelöst und er hat sein Gewerbe abgemeldet. Kommende Woche begibt er sich erst mal gemeinsam mit Pfarrer Michael Lienhard und 14 anderen Männern auf eine Pilgerwanderung auf dem Jakobsweg zwischen Kempten und Bregenz. Ohne Kamera. Hübler möchte sich auf Bleistiftzeichnungen rückbesinnen. Er habe ursprünglich im Bereich der Stillleben-Fotografie gearbeitet und Skizzen angefertigt, ehe er ein Foto umsetzte.

„Ich möchte das Zeichnen wieder aufgreifen“, erzählt er. Das sei eine ganz neue Herausforderung. Der 55-Jährige will auf der Pilgerreise skizzieren statt fotografieren. Dies möchte er auch später in seinem Winterdomizil auf den Kanaren machen, in dem er wegen der Gesundheit gemeinsam mit seiner Frau Petra Herrmann lebt.