Die Präsentation der Projektarbeiten ist an der Freien Waldorfschule stets krönender Abschluss einer konzentrierten Schaffensperiode. Denn die selbst gestellten Aufgaben der Schüler werden im Verlauf der elften Klasse begonnen, müssen sorgfältig geplant und diszipliniert durchgeführt werden. Nur so sind solch anspruchsvolle und teilweise aufwendige Ergebnisse zu erzielen, wie sie von den Zwölftklässlern der Schulgemeinschaft am Wochenende vorgestellt wurden. Die insgesamt 34 vertretenen Schülerinnen und Schüler hatten ihre Arbeiten durch jeweils einen Bericht dokumentiert, der den Prozess der Arbeit beschrieb und die Besonderheiten, Probleme und Ergebnisse kritisch reflektierte. Stets gut frequentiert waren auch die individuell aufbereiteten Stände mit den Präsentationen samt begleitendem Projektbuch.

Karim Flinsbach (18) berichtete über den regionalen Klimawandel. Dabei war zu erfahren, dass viele Zugvögel gar nicht mehr nach Afrika fliegen, sondern ins nahe Spanien oder nach Südfrankreich. Oder sie suchen sich eine gänzlich neue Route, wie beispielsweise die Mönchsgrasmücke, die jetzt im Süden Englands überwintert.

"Alle Vorträge waren gut besucht", berichtete Olga Dercac, die als Schülermutter und Mathematiklehrerin an der Waldorfschule im Team der Aufsichtspersonen anzutreffen war. "Die Geschichte der Raumfahrt" und "Der Beginn des technischen Fortschritts" gehörten zu den Themen, die sie besonders interessant fand. Erstaunlich sei, dass mancher Schüler, der sich im Unterricht eher schüchtern gibt, seinen Vortrag unerwartet souverän halte.

Im Zustrom der Besucher wurde jede einzelne der 34 gut aufbereiteten Jahresarbeiten positiv bewertet. Zu Diskussionen regten die Präsentationen über quälerische Massentierhaltung an. "Wenn Schlachthäuser Wände aus Glas hätten, wäre jeder Vegetarier", wurde da beispielsweise der Ex-Beatle Paul McCartney zitiert. Dass Tiere Menschen helfen können, beweist das Thema "Tiergestützte Therapie" von Lisa Saxer, die für ihre Jahresarbeit unter anderem ein entsprechendes Praktikum auf dem Erlenhof im benachbarten Pestalozzi Kinderdorf absolvierte. Ein paar Thementische weiter setzte sich ein Schüler mit dem Trinkverhalten Jugendlicher auseinander. "Es ist alles interessant hier", äußerte zur Halbzeit Uta Jahn, deren Tochter Klara mit dem Thema Radfahren vertreten war. Wie sich Pfeil und Bogen vom Jagdwerkzeug zum Sportgerät entwickelte, war Thema von Aaron Hintz. Dass sich die 34 Zwölftklässler in zwei langen Pausen zwischen den Vorträgen an ihren Präsentations-Ständen für Fragen und Gespräche zur Verfügung stellten, war eine willkommene Neuerung in der langen Tradition der Projektarbeit-Präsentationen von Waldorfschulen.

Projektarbeiten

Jeder Schüler der 12. Klasse an der Waldorfschule Wahlwies hat sich seit einem Jahr mit einem frei gewählten Thema intensiv befasst und seine Arbeit am Projektwochenende vorgetragen. Der Spannungsbogen der Themen reichte von „Der Bogen – vom Jagdwerkzeug zum Sportgerät“ (Aaron Hintz) über „Veganismus – was steckt hinter dem Trend“ (Lena Bracker und Luisa Kaiser) bis zu „Gamingsucht – Symptom und Ursache“ (Lawrence Steyer). Die Schüler gaben Auskunft über ihre Arbeit. Die Bewirtung übernahmen Schüler der zehnten Klasse.