Stockach Finale beim Kochkurs der Flüchtlingsfrauen

14 Flüchtlingsfrauen bereiten in Stockach Spezialitäten aus ihrer Heimat zu. Beim gemeinsamen Essen mit Sprachpaten und Familienangehörigen wurde eine teils tiefe Verbundenheit spürbar.

Ungewohnte Düfte dringen durch die Mensa des Schulverbunds. 14 Flüchtlingsfrauen haben Speisen aus ihrer Heimat gekocht und ihre Familien zum gemeinsamen Mahl eingeladen. Einige haben ihre Sprachpaten mitgebracht. Die Flüchtlingsbeauftragte Janell Lia-Breitmayer freut sich darüber. „Bei der Anmeldung haben sie Plätze für sich und ihre deutsche Familie bestellt, das fand ich sehr schön.“

Die Frauen sind stolz auf ihre eigenen Gerichte. Jede Schüssel ist mit dem Herkunftsland und dem Namen sowie der Übersetzung beschriftet. Herzhaftes, sehr Pikantes mit Rind- und Lammfleisch gibt es ebenso wie leckere Süßigkeiten. Küchenchef Dietmar Specht hat an diesem Vormittag viel gelernt. „Lauter perfekte Köchinnen heute“, lobt er. „Sie haben eine tolle Technik und Fingerfertigkeit, wie sie Teigtaschen füllen.“ Wolf-Dieter Karle, Integrationsbeauftragter der Stadt, wiederum ist begeistert, dass sich der vielbeschäftigte Koch Zeit für diese Veranstaltungen nimmt – immerhin ist dies der vierte Termin mit den Flüchtlingsfrauen.

Bassam Nejem aus Syrien ist mit seiner kleinen Tochter hier. Auch seine Frau Dimah hat gekocht. „Ich kenne die syrischen und arabischen Gerichte, die afghanischen habe ich auch probiert. Das war was Neues für mich. Die Frauen haben das sehr gut gemacht.“ Die Sprachpaten der Familie sitzen bei ihm. Günter Römer berichtet, dass er schon einige Umzüge und Möbeltransporte für den Helferkreis gemacht habe. Seine Frau Hildegard erzählt, sie hätten zunächst Bassam und dann Dimah betreut. Das Mädchen kam hier zur Welt. „Inzwischen ist unser Verhältnis eher familiär. Die Kleine macht viel Freude“, schwärmt die Ersatz-Oma, deren eigene Enkel ein Stück weit weg wohnen.

Auch für Anne und Reinhard Homburg aus Wahlwies hat sich vor einem Jahr einiges verändert. Sie hatten sich beim Helferkreis gemeldet und kamen so mit einer Familie aus Afghanistan zusammen. Anfangs holten sie die jungen Eltern und ihre heute sechs- und anderthalbjährigen Kinder in der Gemeinschaftsunterkunft (GU) ab. Inzwischen hat die Familie eine Wohnung in Wahlwies. Der Junge sagt Oma und Opa zu ihnen. „Wir sind echte Großeltern mit allen Pflichten“, erklärt Reinhard Homburg. „Wir übersetzen, helfen aus und haben bei der Wohnungssuche geholfen.“

Sprachpatin Elke Grundmann trifft sich seit fast zwei Jahren einmal pro Woche mit zwei Frauen in der GU Oberstadt. Sie sprechen viel und machen die Hausaufgaben, die beide aus ihrem Deutschkurs haben. „Es ist ein schwieriges Unterfangen. Keine der beiden war je in einer Schule. Die eine hat vom Vater etwas lesen und schreiben gelernt. Jetzt lernen sie beides auf Deutsch.“

Sprachvermittlung ist auch die Aufgabe von Anne Rhiemeier. Sie gibt in der GU einen Frauen-Sprachkurs. Es waren mal zwei, doch es habe größere Ausfälle gegeben. Frauen seien wegen kranker Kinder oder psychischer Belastung ferngeblieben, die Teilnahme war sehr wechselhaft. „Inzwischen sollen auch alle ganz schnell in offizielle Sprachkurse“, ergänzt sie. Vom Helferkreis aus bietet Sigrun Ernst einen Alphabetisierungskurs an, Anne Rhiemeier unterrichtet den gleichen Stoff wie die Volkshochschule. Wenn jemand in einen offiziellen Kurs wechseln müsse, könne er nahtlos weiterlernen, sagt sie und fügt hinzu: „Ich habe drei Babys mit im Kurs und bin gleichzeitig Babysitter.

Das gibt es im offiziellen Kurs nicht.“ Auch fiele vielen Flüchtlingen der Einstieg über den Kurs des Helferkreises leichter, weil sie langsamer als viele Sprachanbieter vorginge. „Überall wird über das zu hohe Tempo geklagt, in allen Gemeinden“, sagt Rhiemeier. Einzelbetreuung sei immer mehr gefragt. Dafür suche der Helferkreis händeringend mehr Sprachpaten, denn Sprechen sei das Wichtigste.

 

Helferkreis Stockach

Die meisten Flüchtlinge sind schon eine Weile da. Sie freuen sich sehr über einen deutschen Kontakt, bei dem sie ihre Sprachkenntnisse ausprobieren können oder der ihnen einmal einen Brief verständlich erklärt. Auch gemeinsame Unternehmungen können das Einleben in die deutsche Gesellschaft erleichtern. Der Helferkreis hilft interessierten Einwohnern, die passende Person zu finden, den Kontakt herzustellen und steht bei Fragen zur Seite. Sprachpaten vermittelt Sonja Steidle, E-Mail: soniasteidle@t-online.de, Telefon: (0151) 17 83 59 78. (wig)

Infos auch zu den Themen Wohnraum und Sachspenden: www.helferkreis-stockach.de

 

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