Chlorgasausbruch im Freibad – diese Annahme bildete die Grundlage für eine Übung von Schwimmbadpersonal und Freiwilliger Feuerwehr am Montag. Nachdem im Juni ein angenommener Chlorgasunfall bei Arbeiten im Chlorgasraum des Hallenbades als Übungsgrundlage gedient hatte, ging man diesmal davon aus, dass ohne erkennbare Ursache Chlorgas austritt. Personen sollten bei dieser Probe nicht betroffen sein.

Der Leiter der Stadtwerke, Jürgen Fürst, und Saskia Moser-Danhel, Bereichsleiterin Technik Gas, Wasser, Bäder, waren vor Ort, als der Voralarm ausgelöst wurde. "Der Sensor im Chlorgasraum reagiert schon bei einem minimalen Gasaustritt von 2,5 ppm", erklärte Moser-Danhel. Ppm bedeutet Parts per million, ist also ein Millionstel. Ein Warnsignal ertönte, ein gelbes Licht blinkte.

Badegäste werden in höher gelegene Bereiche geführt

Das gesamte Bäderteam sowie einige Rettungsschwimmer, die gelegentlich im Schwimmbad die Badeaufsicht übernehmen, würden im Ernstfall sofort mit dem Evakuieren des Bades beginnen. Jürgen Fürst betonte: "Auch die Rettungsschwimmer sind zu Beginn der Saison selbstverständlich in allen Maßnahmen unterwiesen worden." Ramona Reutlinger vom Bäderteam erklärte: "Chlor ist schwerer als Luft, sinkt also nach unten. Wir würden die Gäste in den oberen Teil des Freibades führen, dorthin, wo sonst Fußball gespielt wird." Das habe den Vorteil, dass alle möglichst weit weg von der Gefahrenstelle seien und niemand panisch das Bad verlasse, um mit seinem Auto davon zu fahren und dabei vielleicht die Rettungskräfte behindere.

Für den Ernstfall gibt es genaue Handlungsanweisungen

Während Udo Göbel, Meister für Bäderbetriebe, mit aufgesetzter Gasmaske den Chlorgasraum betrat, um nach der Ursache des Alarms zu sehen, löste auch der Hauptalarm aus – der Gasgehalt war in der Annahme auf vier ppm gestiegen. Im Hintergrund funktionierte die Rettungskette einwandfrei. Die Meldestelle in Konstanz, die Feuerwehr und der Bereitschaftsdienst der Stadtwerke Stockach wurden alarmiert, die Polizei informiert. Jürgen Fürst sagte, es sei wichtig, auch diesen sehr unwahrscheinlichen Fall durchzuspielen. "Tatsächlich ist die Gefahr eines Chlorgasaustritts sehr gering. Dennoch haben wir eine rund 40 Seiten starke Anweisung zur Vorgehensweise erstellt, die auch der Feuerwehr vorliegt." Feuerwehr und Polizei hätten auch Pläne des Chlorgasraumes.

Ammoniak macht das Chlorgas sichtbar

Wenige Minuten nach der Alarmierung trafen drei Feuerwehrfahrzeuge ein. Einsatzleiter Markus Rebholz suchte mit Udo Göbel den Chlorgasraum auf. Mit einem Notfallset, das immer vor Ort ist, wurde die undichte Gasflasche verschlossen. Göbel sagte, er könne eine mögliche Undichtigkeit mithilfe von Ammoniak feststellen. "Der Dampf reagiert mit Chlorgas, es entsteht eine weiße Wolke." Die Feuerwehr hat ein Messgerät zur Verfügung.

Fertig, alles in Ordnung, einpacken: Jürgen Fürst, Leiter der Stadtwerke, und Saskia Moser-Danhel, Bereichsleiterin Technik Gas, Wasser, Bäder (von links), waren sehr zufrieden mit dem Ablauf der Probe im Freibad, die bereits nach einer halben Stunde beendet war. Bild: Claudia Ladwig
Fertig, alles in Ordnung, einpacken: Jürgen Fürst, Leiter der Stadtwerke, und Saskia Moser-Danhel, Bereichsleiterin Technik Gas, Wasser, Bäder (von links), waren sehr zufrieden mit dem Ablauf der Probe im Freibad, die bereits nach einer halben Stunde beendet war. Bild: Claudia Ladwig

Einsatzkräfte müssen dekontaminiert werden

Die rund 16 Feuerwehrmänner und -frauen hatten inzwischen auf dem Parkplatz diverse Wasserschläuche verlegt und das Dekontaminations-Zelt aufgebaut. Rebholz machte klar: "Dort werden die Kameraden, die mit Chlor in Kontakt kamen, mit Wasser abgeduscht. Das dient dem Eigenschutz und dazu, kein Chlor über die Einsatzstelle hinaus zu verbreiten." Der Gefahrstoffzug, dem überwiegend junge Menschen angehören, hatte die Lage souverän im Griff und begann schon nach einer guten halben Stunde, das Material zusammenzupacken.