Als die Sirene am Eingang des Hallenbads lautstark aufheult und minutenlang ohrenbetäubenden Lärm macht, setzen die Kinder im Hallenbad völlig unbeeindruckt ihr Schwimmtraining fort. Nur einzelne schauen neugierig durch die Scheiben, um zu sehen, was draußen vor sich geht Das hat also schon mal geklappt: Alle Anwesenden wissen, dass der Alarm Teil einer Übung und kein Grund zur Besorgnis ist.

Im Hallenbad schrillt der Alarm

Auf Anfrage der Stadtwerke hat die Feuerwehr Stockach, Abteilung Stadt, eine Chlorgasübung geplant. Die Annahme für die Übung lautet: Die Chlorgaswarnanlage löst einen Alarm aus. Zwei Personen werden vermisst. Das Hallenbad muss evakuiert werden.

Die Feuerwehr Stockach, Abteilung Stadt baut bei der Chlorgasübung auch ein Dekontaminationszelt auf. Im Ernstfall würden Verletzte und Einsatzleute dort abgeduscht, um das Chlorgas zu verdünnen und abzuwaschen. Bild: Claudia Ladwig
Die Feuerwehr Stockach, Abteilung Stadt baut bei der Chlorgasübung auch ein Dekontaminationszelt auf. Im Ernstfall würden Verletzte und Einsatzleute dort abgeduscht, um das Chlorgas zu verdünnen und abzuwaschen. Bild: Claudia Ladwig

Saskia Moser-Danhel, Bereichsleiterin Technik bei den Stadtwerken Stockach, beschreibt den Alarmierungsweg: "Der Alarm erreicht automatisch über die Anlagenüberwachung zuerst die Meldestelle der Stadtwerke und parallel über Cityruf deren Bereitschaftsdienst. Die Meldestelle alarmiert über die 112 umgehend die Integrierte Leitstelle der Feuerwehr, die diesen Notruf sofort zur Feuerwehr Stockach koordiniert."

30 Aktive sind im Einsatz

Nach fünf Minuten geht der erste Alarm bei der Feuerwehr Stockach ein, weitere drei Minuten später treffen die ersten Kräfte ein. Zeitgleich ist auch der Mitarbeiter des Bereitschaftsdienstes der Stadtwerke vor Ort. Insgesamt kommen rund 30 Feuerwehrleute zum Hallenbad. Umgehend beginnt Einsatzleiter Roman Brandys mit der Erkundung und leitet die notwendigen Maßnahmen ein.

Die Evakuierung wird nur besprochen, dann aber aus Rücksicht auf den Trainingsbetrieb nicht umgesetzt. Die Kinder wären im Ernstfall auf dem Schulhof des Nellenburg-Gymnasiums durch Feuerwehr und Rettungsdienst betreut worden.

Feuerwehrleute sollen ohne Spezialisten üben

Obwohl der angenommene Einsatz ein Gefahrstoffeinsatz ist, kommt hier bewusst nicht der Gefahrstoffzug zum Einsatz, sondern ganz normale Feuerwehrleute sind in Aktion. Markus Rebholz, Zugführer des Gefahrstoffzuges, erklärt, warum: "Wenn wir mal im Urlaub sind, muss es der Einsatzleiter vor Ort auch hinkriegen." (siehe Infokasten).

Sein Stellvertreter, Sven Oswald, beobachtet wie Rebholz die Abläufe und sagt: "Wir schauen, wo Verbesserungsmöglichkeiten sind. Diese Dinge werden dann in den kommenden Proben geübt."

Strenge Sicherheitsvorkehrungen

Im Bereich der Fahrzeuge auf dem Gelände des Busbahnhofs bauen die Feuerwehrleute ein Dekontaminationszelt auf. Im Ernstfall würden darin Atemschutzgeräte-Träger und Verletzte abgeduscht, um das Chlorgas zu verdünnen und abzuwaschen.

Saskia Moser-Danhel beobachtet die Probe sehr interessiert, beruhigt aber direkt: "Das dargestellte Szenario kann so nicht eintreten. Das Hallenbad ist mit einer Voll-Vakuumanlage ausgestattet. Wenn keiner an der Chlorgasanlage arbeitet, kann theoretisch nichts passieren."

Chlorgasflaschen als Gefahrenquelle

Der sensibelste Punkt sei der Wechsel der Chlorgasflaschen, so Moser-Danhel. Dieser finde in der Regel aber immer außerhalb des Badebetriebs statt. Der Mitarbeiter gehe hierbei äußerst sorgfältig vor und trage eine Atemschutzmaske. Nur unterwiesene Personen dürften mit Gasflaschen für Chlor umgehen. Sollte Chlor austreten, gebe es eine Notfallausrüstung im Chlorgasraum. Eine Gassicherungskappe könne über die Gasflasche gestülpt werden, um unkontrollierten Gasaustritt zu stoppen. Deshalb würde der Mitarbeiter auch nicht ohnmächtig wie in der Probe simuliert.

Wenn doch ein Alarm ausgelöst würde, löse automatisch die Wassersprühanlage aus. Zusätzlich sei ein weiterer Mitarbeiter immer über die Arbeiten im Chlorgasraum informiert und könne im Ernstfall Hilfe holen. Eine weitere Chlorgasübung soll im September im Freibad stattfinden.