Am morgigen Sonntag um 14.30 Uhr ist es nun endlich soweit: Das von Berthold Neuburger und seinen Freunden renovierte Feldkreuz am Waldrand bei den Geigeshöfen im Ortsteil Zoznegg wird durch Pfarrer Hartwig-Michael Benz neu geweiht. Einst wurde es durch die Nachbarn des dort durch einen Hornstoß einer Kuh tödlich am Kopf verletzten Josef Schindler erstellt. Berthold Neuburger, auf dessen Grundstück am Waldesrand dieses Kreuz über Jahrzehnte stand, bevor es vor gut einem Jahr umgestürzt war, nahm es mit nach Hause und fasste den Beschluss, es zu renovieren und wieder an seinen Standort zurückzubringen. Für ihn war es ein Herzensanliegen, denn "jede Familie hatte damals umgerechnet einen Monatslohn eines Arbeiters beigesteuert" berichtet er im Gespräch mit dem SÜDKURIER.

So wie in diesem Fall ist es bei vielen der Feldkreuze, welche von vielen unbemerkt unter Bäumen, an Waldrändern, an Einfahrten zu Bauernhöfen oder auch inmitten des freien Feldes an Wegkreuzungen oder Feldrainen stehen. Als Votiv-Kreuz wird es bezeichnet, wenn es aufgrund eines Gelübdes aufgerichtet wurde – aus Dank für eine Errettung aus einer Notlage oder Lebensgefahr oder für die glückliche Heimkehr aus einem Krieg. Nach schweren Unwettern wurden und werden auch heute noch sogenannte Wetter- oder Hagelkreuze aufgestellt – gewissermaßen als Schutz vor einer Wiederholung solch einer Katastrophe. Auch Viehseuchen, welche einen Hof oder ein Dorf verschont hatten, wurden oftmals zum Anlass genommen.

So einzigartig diese Geschichten hinter den Feldkreuzen sind, so unterschiedlich sind auch die Materialien, aus welchen sie gefertigt wurden. Oft verwendet wurde hier in der Region Sandstein oder robuster Basalt. In Bayern und Österreich sind diese Kreuze vorwiegend aus Holz, mit einer ebenfalls aus Holz geschnitzten Christusfigur. An steinernen Feldkreuzen sind die Figuren meist aus Metall. Eines jedoch ist bei allen gleich: Werden sie über Jahrzehnte nicht gepflegt, sind sie dem Verfall durch die Witterungseinflüsse schonungslos ausgesetzt.

Immer wieder finden sich Privatpersonen oder auch Vereine – wie etwa Berthold Neuburger und seine Freunde – welche sich mit ihren jeweiligen Talenten beim Erhalt eines solchen Denkmals einbringen können. In Mühlingen bemühte sich die Dorfgemeinschaft Hecheln um den Erhalt der Feldkreuze im dörflichen Umfeld. Ein Feldkreuz wurde beispielsweise sandbestrahlt. Somit konnte der Stein materialschonend mit minimalen Abtrag restauriert werden. Anschließend wurden die Schriften wieder nachgearbeitet. Ein weiteres Feldkreuz war umgeben von einem kniehohen Metallzaun, welcher stark verbogen und nicht mehr standfest war. Auch hier wurde der Bereich um das Kreuz, nachdem der alte Zaun entfernt worden war, mit Pflastersteinen umfasst; eine nebenan stehende Bank, welche einen schönen Blick auf Mühlingen erlaubt, wurde ebenfalls wieder neu aufgestellt.

So hat der Verein gleich zwei gute Taten erbracht. Auch Bürgermeister Manfred Jüppner sind die Kleindenkmäler ein Anliegen. Einst wurden sie in der Gemeinde Mühlingen katalogisiert – "allerdings gibt es immer weniger Ansprechpartner, wenn es um deren Erhalt geht", stellt er fest. Die nachfolgende Generation hat den Bezug zum Familienkreuz oftmals verloren, Familien sind ausgestorben oder ihre Kinder haben das Dorf verlassen.

Kleindenkmale

Heute werden Flurkreuze von der Denkmalpflege zu den Kleindenkmalen gezählt. Veränderungen der Landschaft, wie Straßenbau, Ausweisung von Baugebieten oder Flurbereinigungen haben schon häufig zum Verlust von Flurkreuzen geführt. Wer von einem Feldkreuz in seiner Umgebung weiß, welches in die Jahre gekommen ist und dringend restauriert werden müsste, sollte dem Zoznegger Vorbild auf den Geigeshöfen folgen und seine Freunde und Bekannten ansprechen, um möglichst ein Gemeinschaftsprojekt daraus zu machen. Die Einweihung des Feldkreuzes bei den Geigeshöfen in Mühlingen findet am Sonntag, 16. Oktober, um 14.30 Uhr statt. Parkgelegenheiten gibt es beim Wanderparkplatz am Bergholz.