Wie geht man mit seinen Daten um? Wie erkennt man Fake News? Wie reagiert man auf Hass und Diskriminierung im Internet? Mit solchen Fragen werden in der digitalen Gesellschaft früher oder später die meisten Menschen konfrontiert. Die Landeszentrale für politische Bildung (LpB) war dafür mit dem Workshop „Selbstbestimmt im Netz – Meine Daten. Meine Rechte. Meine Möglichkeiten“ am Nellenburg-Gymnasium zu Gast.

Zunächst lernten die Schüler etwas zu Daten kennen und darüber, wie man sie schützt. Das Thema hat besonders Annelie Fellhauer interessiert: „Wir haben heute viel gelernt über Datenschutz und das Recht, seine Daten anonym zu halten“, sagt die 13-Jährige. Ihr Mitschüler Dennis Bendel fügt an: „Es war interessant zu sehen, auf was manche Apps alles Zugriff haben“, so der 14-Jährige. Ein weiteres Thema war die Erkennung von Falschinformationen.

Medienbildung komme im Unterricht zu kurz

„Ein wichtiger Aspekt, der im normalen Unterricht zu kurz kommt, ist die Medienbildung“, sagte Lehrerin Barbara Neubrand über den Aktionstag. „Die Schüler sollen lernen, kritisch mit den Medien umzugehen, aber auch gleichzeitig nicht auf Falschmeldungen hereinzufallen“, so Neubrand weiter, die in den Klassen Gemeinschaftskunde unterrichtet. Außerdem lernten die Schüler, wie sie im Internet mit Hass und Diskriminierung (Hatespeech) umgehen sollen. „Uns ist wichtig, dass die Schüler mit unserem Workshop was lernen“, erzählte Jeremy Mano von der LpB. „Sie sollen dadurch selber entscheiden können, wie sie mit den Gefahren im Netz umgehen, wir gaukeln ihnen keine Meinung vor“, betonte Mano.

Der Höhepunkt der Veranstaltung war ein Rollenspiel zum Digitalpakt Schule von Bund und Ländern. Gespielt wurde eine Schulkonferenz an einer fiktiven Schule. Die Schüler spielten dabei die Rollen „Schüler“, „Lehrer“ und „Eltern“, aber auch besondere Rollen wie „Bundesregierung“, „Datenschutzbeauftragte der Schule“, oder „Deutsche Gesellschaft für Demokratiepädagogik“ (DeGeDe). Als Schulleiter fungierte Jeremy Mano, der auch die Diskussionsrunde leitete. Die Schüler konnten dabei lernen, wie politische Entscheidungen konkret getroffen werden – denn zu jeder Rolle gehörten andere Argumente, sodass am Ende ein Kompromiss herauskam.

Die Klasse stimmt im Rollenspiel zum Digitalpakt Schule von Bund und Ländern über WLAN in der Schule und die Finanzierung von Tablet-Rechnern ab.
Die Klasse stimmt im Rollenspiel zum Digitalpakt Schule von Bund und Ländern über WLAN in der Schule und die Finanzierung von Tablet-Rechnern ab. | Bild: Felix Hauser

Zur Debatte standen zum einen WLAN in der Schule, aber auch die Frage, wie Tablet-Rechner finanziert werden sollen. Beim WLAN forderten die Schülervertreter freies WLAN in der ganzen Schule, während die Datenschützer Sorge vor Cybermobbing hatten. Am Ende kam es zur Abstimmung: Freies, immer verfügbares WLAN wurde klar abgelehnt. Bei dem Antrag, dass Lehrer das WLAN aus- und einschalten, wenn es gebraucht wird, kam es zu einem Gleichstand von 14 zu 14. Diese Abstimmung wurde vertagt.

Bislang gibt es hohe Hürden in der Digitalisierung

Bei den Tablet-Rechnern forderten die Lehrer, dass sich zwei Schüler aufgrund der hohen Anschaffungskosten eins teilen sollen. Die Schülervertreter hingegen wollten ein Tablet für jeden Schüler, während sich Vertreter der Bundesregierung nach langer Diskussion bereit erklärten, zwei Drittel der Anschaffungskosten von jedem Tablet zu übernehmen. Das andere Drittel sollten die Eltern selbst bezahlen, für sozial schwache Familien solle ein Hilfsfonds eingerichtet werden. Diesen Vorschlag nahm die Schulkonferenz mit großer Mehrheit an. „Die Digitalisierung ist ein total wichtiges Thema“, sagt Barbara Neubrand dazu. Das Fazit ihrer Schülerin Wiebke Fröhlich fällt sehr positiv aus: „Durch den Aktionstag heute hat man Informationen bekommen, die man sonst so nicht bekommen hätte.“