Der Titel war plakativ: „Friede den Schulen – Bildungspolitik kann man besser machen“ – unter diesem Titel hat Kirsten Brößke, FDP-Landtagskandidatin für den Wahlkreis Singen-Stockach, den bildungspolitischen Sprecher der FDP-Fraktion im Baden-Württembergischen Landtag, Timm Kern, nach Stockach eingeladen. Brößke erklärte, dass Bildung Bürgerrecht jedes Menschen sei und deshalb die FDP den jungen Menschen in den Mittelpunkt des Bildungsthemas stelle. Zum Thema Gemeinschaftsschule fordert sie als FDP-Kandidatin Bestandsschutz mit fairen Wettbewerbsbedingungen.

Diesen Faden griff der Referent des Abends, Timm Kern, auf. Er räumte ein, dass früher im Bildungssektor auch nicht alles paradiesisch gewesen sei. Die jetzigen Regierungsparteien hätten jedoch für seinen Geschmack zu viel zu schnell geändert, auch wenn er Reformen nicht in Abrede stellte, so kritisierte er doch das atemberaubende Tempo, so gravierende Änderungen einzuführen. Die Abschaffung der verbindlichen Grundschulempfehlung hält Kern, so wie sie durchgeführt wurde, für einen Fehler. In dem FDP-Impulspapier steht zu diesem Thema: „Wenn sich bis zum Jahr 2017, das heißt fünf Jahre nach Abschaffung der verbindlichen Grundschulempfehlung, die Situation bei der Sitzenbleiberquote nicht eindeutig verbessert hat, scheut sich die FDP/DVP-Fraktion nicht, die verbindliche Grundschulempfehlung wieder einzuführen.“

Die von Grün-Rot eingeführte Gemeinschaftsschule hält Kern für eine Ergänzung des vorhandenen Schulangebots, er lehnt jedoch das sogenannte Zwei-Säulen-System, sprich nur noch Gymnasium und Gemeinschaftsschule, ab. „Wir wollen jedoch keine Rückabwicklung, sprich Abschaffung des neuen Schultyps. Die Gemeinschaftsschule soll dort eingerichtet werden, wo sie erwünscht ist.“ Die FDP lehne aber die Einführung der Oberstufe in Gemeinschaftsschulen ab und würde stattdessen die beruflichen Gymnasien ausbauen. Kern schloss seine Ausführungen mit den Worten: „Ich werbe für den Schulfrieden – auch nach der Wahl.“

Bei der anschließenden Diskussion ging es um die Themen Evaluation an den Schulen, um die Stellung und Situation von Privatschulen, um die zum Teil mangelnde Leistungsbereitschaft von Schülern, um die Verkleinerung des Klassenteilers, um die Einrichtung von Bildungsregionen und um die finanzielle Ausstattung der verschiedenen Schularten. Auch wurde Regulierungswut im Schulwesen ausgemacht. Michael Vollmer, Schulleiter des hiesigen Nellenburg-Gymnasiums, meinte:

„Mich bedrückt die Überregulierung der Schulen durch das Landesinstitut für Schulentwicklung; wir steuern aus meiner Sicht auf eine Bildungs-Planwirtschaft zu.“