Auf den ersten Blick bietet die Hauptversammlung des Eintracht-Chors Stockach keine ungewöhnlichen Tagesordnungspunkte. Doch der Schein trügt: Es ist eine besondere Sitzung, in deren Mittelpunkt die Ehrung sehr vieler aktiver und fördernder Mitglieder steht. Zusätzlich erhält Margarete Nübel vom Bodensee-Hegau-Chorverband eine Auszeichnung für 60 Jahre aktives Chorsingen. Sie wird ihr vom Vizepräsidenten des Verbandes, Josef Blender, überreicht.

Große Verbundenheit unter den Chormitgliedern

Laura Schümann, mit 30 Jahren die jüngste Sängerin im Eintracht-Chor, ist seit vier Jahren dabei. „Im Januar kam ich dazu, im Sommer wurde ich stellvertretende Vorsitzende und nach einem Jahr eine der Vorsitzenden“, sagt sie zu ihrem Werdegang. Sie habe schon immer in Chören gesungen und sei nach ihrem Umzug dem Verein beigetreten, um neue Kontakte zu knüpfen. „Ich habe mich hier gleich wohl gefühlt“, erzählt sie.

Von links: Fritz Walk, Hermann Schmeißer, Franz Ziwey, Andrea Günthner-Maier, Hubert Kunicki, Hans Rigal, Hans Tillich, Heinz Martin und die Vorsitzenden des Chors, Edith Greiner und Laura Schümann. Bilder: Claudia Ladwig
Von links: Fritz Walk, Hermann Schmeißer, Franz Ziwey, Andrea Günthner-Maier, Hubert Kunicki, Hans Rigal, Hans Tillich, Heinz Martin und die Vorsitzenden des Chors, Edith Greiner und Laura Schümann. Bilder: Claudia Ladwig | Bild: Claudia Ladwig

„Obwohl viele nicht mehr die Jüngsten sind, sind sie bereit, flotte Sachen zu machen“, so Laura Schümann. „Unser Programm spiegelt das Alter nicht wider. Das Rockkonzert in Lederjacken im letzten Jahr war super.“ In ihrem Rückblick machte sie deutlich, der Eintracht-Chor sei mehr als ein paar Menschen, die sich einmal pro Woche zum Singen treffen, nämlich tatsächlich Freunde, die auch sonst einige Dinge gemeinsam unternehmen.

Beim Jahreskonzert an Grenzen gegangen

Proben und Auftritte stehen aber naturgemäß im Vordergrund. Darauf geht Chorleiter Udo Krummel in seinem Bericht ein. Da er urlaubsbedingt abwesend ist, liest Laura Schümann seine Anmerkungen vor. Beim Jahreskonzert 2018 sei der Chor mit 14 neuen Stücken an seine Grenzen gegangen, künftig wolle er weniger neue und dazu einige bekannte Lieder aufführen. Das Jahreskonzert bleibe die Visitenkarte des Chors. Die übrigen Auftritte dienten hauptsächlich der Präsentation in der Öffentlichkeit.

Margarete Nübel freute sich über die Ehrung für 60 Jahre aktives Chorsingen, die ihr Josef Blender, Vizepräsident des Bodensee-Hegau-Chorverbandes, überreichte. Laura Schümann (links, die Vorsitzende des Eintracht-Chors, gratulierte herzlich.
Margarete Nübel freute sich über die Ehrung für 60 Jahre aktives Chorsingen, die ihr Josef Blender, Vizepräsident des Bodensee-Hegau-Chorverbandes, überreichte. Laura Schümann (links, die Vorsitzende des Eintracht-Chors, gratulierte herzlich. | Bild: Claudia Ladwig

Das diesjährige Jahreskonzert am 5. Oktober im Bürgerhaus Adler Post unter dem Motto „Neue Deutsche Welle„ werde neun neue und vier bereits geprobte Stücke beinhalten und wieder von der Tom-Alex-Band begleitet.

Auszeichnungen für langjährige Mitglieder

Dann geht es an die Ehrungen. „Bisher wurde im Eintracht-Chor so gut wie gar nicht geehrt“, sagt Laura Schümann. In den letzten Jahren seien nur zwei Ehrenmitglieder ausgezeichnet worden. Nun habe der Chor entschieden, langjährige Mitglieder auch für die Vereinszugehörigkeit zu ehren. Am längsten unterstützt Hans Tillich den Chor. Er wird für 60 Jahre geehrt. „55 Jahre lang habe ich aktiv gesungen“, berichtet der 84-Jährige.

Margarete Nübel kommt auf ganze 60 Jahre. Sie habe mit zehn Jahren im Kinderchor angefangen, erzählt sie. Weitere Chöre folgten, darunter 25 Jahre im Katholischen Kirchenchor in Bodman – als einzige Evangelische. „Ich habe immer viel bei der Arbeit gesungen. Graf Bodman hat mich damals auf dem Mooshof gehört und gesagt, ich müsse sofort in den Chor kommen“, erzählt sie lachend. Im Eintracht-Chor habe sie sich beim Reinschnuppern gleich zuhause gefühlt und sei geblieben.

Mut zu neuen Musikrichtungen

Ihre Ehrung sowie auch die der vielen Chormitglieder habe vorbildlichen Charakter, sagt Josef Blender vom Bodensee-Hegau-Chorverband. Nachwuchs sei dringend notwendig, um das Weiterleben der Vereine zu sichern. „Die beste Werbung sind guter Zusammenhalt und gelungene Auftritte, diese animieren manchen, sich anzuschließen.“ In den vergangenen 60 Jahren, so Blender, seien viele Musikrichtungen gekommen und hätten die musikalische Landschaft erobert. „Es ist unsere Aufgabe für die Zukunft, verschiedene musikalische Richtungen im Chorgesang zu vereinen – auch mal in einer anderen Sprache. Es wäre ein falscher Weg, wenn diese Zeichen der Zeit nicht erkannt würden.“