Frau Sulger, was strapaziert Sie derzeit am meisten?

Es ist eine große Herausforderung, in der aktuellen Situation alles unter einen Hut zu bringen. Wir sind auf vielerlei Weise gefordert und man weiß gar nicht, was man zuerst machen soll. Da geht es um die Aufstellung der Dienstpläne, die Sicherstellung der Belieferung der Märkte, die Umsetzung von sich ständig ändernden Vorschriften und Vorgaben und vieles weitere.

Wie groß sind die Ängste Ihrer Mitarbeiter, „am Kunden“ zu arbeiten?

Sorgen gibt es sicherlich, aber ich bin richtig stolz auf unser Team. Keine Mitarbeiterin, kein Mitarbeiter hat wegen Angst oder Sorge seine Arbeit eingestellt. Ich kann mich da nur bei allen bedanken – unser Team leistet gerade Außergewöhnliches, da kann man nur Danke sagen. Gerade jetzt in der Krise freuen sie sich aber besonders, wenn Ihnen die Kunden auch mal ein Lächeln schenken oder einfach Danke sagen.

Denken Sie daran, den Eintritt zu reglementieren und Kunden nur nach und nach einzulassen?

Bisher gibt es das noch nicht, dazu gibt es auch keine Vorgaben. Sollte dies vorgeschrieben werden, werden wir es natürlich auch umgehend einführen.

Das Toilettenpapier im Aach-Center war am Mittwochmorgen zwar leer, aber bei Nudeln und Mehl sah es gut aus. Auch Desinfektionsmittel war aufgefüllt.
Das Toilettenpapier im Aach-Center war am Mittwochmorgen zwar leer, aber bei Nudeln und Mehl sah es gut aus. Auch Desinfektionsmittel war aufgefüllt. | Bild: Löffler, Ramona

Welche Regale sind leer, was ist gefragt? Toilettenpapier und Nudeln?

Natürlich ist vor allem das Toilettenpapier weiterhin sehr stark nachgefragt, warum auch immer. Wir versuchen so viel zu bestellen, wie wir können – können aber leere WC-Papier-Regale nicht verhindern. Auch weitere Produkte sind stark nachgefragt – ich bitte aber um Verständnis, dass ich diese Frage nicht beantworten möchte. Ich möchte keine Tipps für weitere Hamsterkäufe geben. Man kann nur generell etwas sagen und betonen: Leere Regale im Markt vermitteln ein falsches Bild. Es gibt keinen Mangel oder Knappheit, wir erhalten alle Waren auch weiterhin. Eine außerordentliche Bevorratung der Kunden ist nicht nötig – wir werden weiterhin geöffnet haben und wir werden auch weiterhin Lebensmittel anbieten können. Wir appellieren hier an die Vernunft der Kunden: Wenn alle vernünftig einkaufen und nur das mitnehmen, was sie aktuell wirklich brauchen – auch wenn sie einen kleinen, vernünftigen Vorrat anlegen – kommt es zu keinen leeren Regalen und Lieferengpässen.

Kommen Sie und Ihre Mitarbeiter arbeitsmäßig an ihre Grenzen?

Es ist nicht einfach, aber der Zusammenhalt in den Märkten bei unserem Team ist toll. Ich bin zutiefst dankbar, wie sich alle von ihnen einsetzen. Wir können aber unsere Mitarbeiter auch nicht über die Maßen strapazieren. Deswegen werden wir unsere Öffnungszeiten auch nicht weiter ausweiten. Vielleicht kommt es zur Sonntagsarbeit, um auch diese Zeit zu nutzen, um Regale zu füllen. Aber eine Öffnung am Sonntag halten wir nicht für sinnvoll.

Wie sieht es mit dem Nachschub aus? Ist dieser gewährleistet?

Wir bekommen weiterhin unsere Lieferungen und es gibt keinerlei Anzeichen dafür, dass sich dies ändern könnte. Es gibt lediglich bei einzelnen Produkten Lieferverzögerungen und wegen der hohen Nachfrage überall bekommen wir auch nicht bei allem die übliche Menge. Aber es gibt keinerlei Knappheit. Die Versorgung der Bevölkerung ist sichergestellt.

Ist der Verkauf auf haushaltsübliche Mengen begrenzt?

Ja, leider müssen wir hier jetzt durchgreifen und haben die Stückzahl für einige Artikel pro Kunde begrenzt – an der Kasse wird darauf geachtet und auch Ware vom Band genommen, wenn es zu viel ist. Das ist bedauerlich, aber in der aktuellen Lage anders gar nicht möglich.

Bemerken Sie eine Veränderung bei den Kunden? Sind diese aggressiv oder verständnisvoll, gelassen oder fordernd?

Die Menschen reagieren auf diese Krise ganz unterschiedlich. Viele Kunden sind weiterhin freundlich, zeigen sich dankbar und bedanken sich bei den Angestellten dafür, dass sie weiterhin da sind. Aber es gibt leider auch die andere Gruppe, die nun gestresst, unfreundlich und oftmals gereizt reagiert.

Wird gemeckert, wenn etwas nicht vorhanden ist? Gab es beispielsweise schon ein Gemenge ums Toilettenpapier zwischen den Regalen?

Ja, wir erhalten Beschwerden, wenn einzelne Produkte vergriffen sind. Dabei haben sich Kunden auch schon deutlich im Ton vergriffen – dabei sind weder wir, noch unsere Angestellten, dafür verantwortlich, wenn andere Menschen sich völlig unverhältnismäßig mit einzelnen Artikeln eindecken. Am Samstag vor einer Woche kam es zu unschönen und auch kritischen Situationen – aber wirklich ein Handgemenge oder Ähnliches gab es, zum Glück, bei uns nicht. Wir hoffen auch, dass dies so bleibt. Es ist völlig unverständlich: Die Menschen können weiterhin einkaufen gehen, selbst wenn es die sogenannte Ausgangsbeschränkung geben sollte. Es gibt keinen Grund für Hamsterkäufe. Alles bleibt weiterhin verfügbar. Unser Team ist gerade sehr gefordert dabei, den Kundenansturm zu bewältigen und gleichzeitig die Regale zu füllen und ankommende Ware sofort zu verteilen – da wollen wir nicht auch noch Streitschlichter sein müssen.

Welchen Aufruf möchten Sie den Lesern des SÜDKURIER mit auf den Weg geben?

Bleiben Sie ruhig, bleiben Sie vernünftig. Die aktuelle Situation ist eine Herausforderung an alle. Halten Sie sich an die Anordnungen der Behörden, denken Sie an Ihre Gesundheit aber auch an die Gesundheit von älteren oder bereits vorerkrankten Menschen und vermeiden sie unnötige Kontakte. Denken Sie jetzt auch an ihre Mitbürger – es gibt die Nachbarschaftshilfen, nutzen Sie diese. Bleiben Sie ruhig und gelassen, das ist für uns alle vielleicht gerade die beste Medizin.

„Man sollte derzeit nur ein- bis zweimal pro Woche einkaufen gehen, um den Bedarf zu decken.“ Frank Eichwald, geschäftsführender Gesellschafter bei Edeka Sulger
„Man sollte derzeit nur ein- bis zweimal pro Woche einkaufen gehen, um den Bedarf zu decken.“ Frank Eichwald, geschäftsführender Gesellschafter bei Edeka Sulger | Bild: Ganter, Toni

Hamsterkäufe, Sicherheitsabstand und Versorgungslage

  • Gesprächspartnerin: Silke Sulger ist geschäftsführende Gesellschafterin mehrerer Edeka-Märkte in der Region, unter anderem in Stockach, Markdorf, Bermatingen und Friedrichshafen-Ailingen. Sie ist außerdem Vorsitzende der Markdorfer Einzelhändlergemeinschaft Aktionsgemeinschaft Markdorf. Weitere geschäftsführende Gesellschafter in dem Unternehmen sind Frank Eichwald und Karin Sulger.
  • Sicherheitsabstand: Auch im Supermarkt gehört es jetzt dazu, einen gewissen Sicherheitsabstand zu anderen Menschen einzuhalten. Im Stockacher Edeka-Markt würden die Einkäufer auf Plakaten und mit Markierungen am Boden darauf hingewiesen, sagt Geschäftsführer Frank Eichwald.
  • Sicherheitspersonal: Mitunter sieht man Mitarbeiter eines Sicherheitsdienstes am Edeka-Markt in Stockach. In den Abendstunden habe man dies schon vor einiger Zeit eingeführt, sagt Frank Eichwald. Doch am Montag waren Sicherheitsleute auch tagsüber im Markt, wie sein Bruder und Kollege Maik Eichwald bestätigt. Diese habe man vorsorglich bestellt, weil nicht klar gewesen sei, ob am Wochenende nicht Zugangsbeschränkungen beschlossen werden, so Maik Eichwald.
  • Nachlieferungen: Bevorzugtes Ziel von Hamsterkäufen seien tatsächlich Toilettenpapier und Desinfektionsmittel, bestätigt Frank Eichwald. Dabei sei es keineswegs so, dass es die Ware nicht gebe. Der Großhandel komme allerdings mit der Belieferung nicht nach, wenn auf einmal so große Mengen von einem Artikel gekauft werden: „Das kam kurzfristig und unvorhergesehen.“ Die Leere im Regal für Toilettenpapier liege an extremen Hamsterkäufen. Daher gebe es bei bestimmten kritischen Produkten auch nach wie vor die Beschränkung auf haushaltsübliche Mengen. Doch Eichwald betont: „Die Versorgung bleibt gewährleistet.“ Die Belieferung habe weitestgehend funktioniert.
  • Kunden und Mitarbeiter: Über die Kunden in Stockach sagt Frank Eichwald: „Die meisten handeln verantwortlich und zeigen Verständnis.“ Er dankt dabei allen verständnisvollen Kunden. Und er appelliert an Einkäufer: „Man sollte derzeit nur ein- bis zweimal pro Woche einkaufen gehen, um den Bedarf zu decken.“ Im Moment sollte man also aus dem Familieneinkauf am besten auch keinen Familienausflug machen. Seinen Mitarbeitern macht Eichwald ein großes Kompliment: „Die haben in den vergangenen Wochen einen supertollen Job gemacht.“ Viele hätten auch die Schließung von Schule und Kindertagesstätte neben der Arbeit her organisiert.