Herr Vollmer, wie sind Sie dazu gekommen, sich für das bedingungslose Grundeinkommen einzusetzen?

Jonas Vollmer: Ich habe mich schon eine Weile mit dem Thema beschäftigt. Ich war auf einem Vortrag in Singen bei Götz Werner, dem ehemaligen dm-Markt-Geschäftsführer. Das hat mich fasziniert. Letzten Sommer habe ich gehört, dass sich eine Partei gründet.

Nun engagieren Sie sich für die Partei?

Jonas Vollmer: Die Partei Bedingungsloses Grundeinkommen (BGE) wurde im September 2016 in München gegründet. Ich selber konnte bei der Gründungsveranstaltung nicht dabei sein. Ziel ist, zur Bundestagswahl im September zugelassen zu werden. Dafür war es nötig, dass sich in den Bundesländern Landesverbände gründen und für diese Landesverbände Kandidatenlisten aufgestellt werden.

Sind Sie jetzt Listenkandidat?

Jonas Vollmer: Ja. Wir haben den Landesverband am 11. Januar in Stuttgart gegründet und die Landesliste aufgestellt. Da bin ich auf Listenplatz 14. Es gibt noch einen Listenkandidaten aus Konstanz und einen aus Ravensburg.

Was braucht es, um als Partei für die Bundestagswahl zugelassen zu werden?

Jonas Vollmer: Es braucht in den meisten Bundesländern 2000 Unterstützer-Unterschriften. Mit seiner Unterschrift sagt man, ich finde es gut, dass diese Partei auf dem Wahlzettel steht. Das heißt nicht, dass man die Partei auch wählen will, sondern nur, dass man den Menschen die Möglichkeit gibt, diese Partei wählen zu können.

Wie viele Unterschriften haben Sie bereits in Baden-Württemberg?

Jonas Vollmer: Wir haben knapp über 1000. Wir haben uns zum Ziel gesetzt, dass wir bis Ende Mai 2000 Unterschriften zusammenhaben.

Was reizt Sie am bedingungslosen Grundeinkommen?

Jonas Vollmer: Ich finde die Idee grundlegend wichtig für unsere Gesellschaft, weil sie jedem Einzelnen die Möglichkeit gibt, frei zu entscheiden, was er machen will. Man ist nicht mehr abhängig von seinem Arbeitgeber oder von sonst irgendjemanden, um einfach nur zu überleben, sondern kann sich wirklich frei entscheiden, welchen Beitrag man zur Gesellschaft beitragen möchte.

Könnte es nicht auch dazu kommen, dass es für Dinge, die getan werden müssen, keine Arbeitskräfte mehr gibt?

Jonas Vollmer: Diese Jobs muss man entsprechend entlohnen, dann finden sich auch Arbeitskräfte. Thomas Hahn: So erhalten Arbeitsprozesse, die für die Gesellschaft wichtig sind, eine höhere Wertschätzung.

Morgen möchten Sie mit möglichst vielen Menschen in der Buchhandlung ins Gespräch kommen. Herr Hahn, Sie werden die Moderation übernehmen?

Thomas Hahn: Ja. Das bedingungslose Grundeinkommen, finde ich, legt den Finger genau an die richtige Stelle, weil wir diese Diskussion in unserer Gesellschaft dringend brauchen. Wie bewerten wir Tätigkeiten der Kindergärtnerinnen, der Friseure, der Altenpfleger, der Krankenschwestern? Alle Berufe, die die Existenz dieser Gesellschaft sichern, sind unterbewertet.

Und die Finanzierung?

Thomas Hahn: Diese Konstruktion von Gesellschaft, die wir gerade betreiben, produziert reihenweise Burnouts und Zusammenbrüche, im Berufssegment Jugendhilfe oder im karitativen Bereich finden sich kaum noch Arbeitskräfte, in der Altenpflege müssen Leute aus Polen, aus Rumänien eingekauft werden.Jonas Vollmer: Generell gibt es bereits unzählige Finanzierungsmodelle, die von Ökonomen und Mathematikern durchgerechnet wurden, die besagen, dass das bedingungslose Grundeinkommen finanzierbar ist. Viele der jetzigen Sozialleistungen können durch das Grundeinkommen ersetzt werden.

Glauben Sie, dass viele Menschen dann nichts mehr tun würden?

Thomas Hahn: Ich glaube, dass der Mensch eine Aufgabe braucht und sich auch gerne mit etwas beschäftigt. Und wenn er das nicht unter Druck machen muss, ist er viel kreativer, weil er es gerne tut. Jonas Vollmer: Ungefähr 80 Prozent sagen, sie selber würden weiterarbeiten, aber 60 Prozent glauben, die anderen würden nicht weiterarbeiten. Ich glaube, da muss ein gesellschaftliches Vertrauen aufgebaut werden, dass eben tatsächlich jeder etwas zur Gesellschaft beitragen will. Und wenn jemand heutzutage nicht arbeiten will, dann macht er es so oder so nicht.

Welche Prominenten stehen dafür ein?

Jonas Vollmer: Bill Gates, Tesla Chef Elon Musk, Telekom-Chef Timotheus Höttges, SAP-Vorstand Bernd Leukert, Finanzexperte Dirk Müller, Philosoph Richard David Precht, um nur einige zu nennen. Für die Wirtschaft ist das ein großes Thema, da aufgrund der Digitalisierung jeder zweite Arbeitsplatz wegfallen wird. Nur die Politik ist bei dem Thema noch nicht angekommen.

Fragen: Simone Ise

Die Personen

  • Jonas Vollmer (40) ist Listenkandidat für die Partei Bedingungsloses Grundeinkommen (BGE). Der IT-Projektleiter hat Mathematik und Informatik in Konstanz studiert. Er hat zwei Kinder (17 und 19 Jahre) und lebt in Wahlwies.
  • Thomas Hahn (50) ist Schreiner sowie Jugend- und Heimleiter. Zehn Jahre hat er mit seiner eigenen Familie (2 Kinder) in einer Wohngruppe im Pestalozzi Kinder- und Jugenddorf Wahlwies gelebt und diese geleitet. Beide veranstalten am Donnerstag, 30. März, um 20 Uhr in der Buchhandlung von Diana Taddia „Bücher am Markt“ in der Oberstadt, Hauptstraße 52, ein offenes Gespräch zum Thema Bedingungsloses Grundeinkommen. Der Eintritt ist frei. (ise)