Schon Mozart bemühte sich in seinen Violinsonaten um ein ausgewogenes strukturelles Verhältnis von Geige und Klavier. Diesen Weg ging auch der junge Beethoven in seinen 1798 erschienenen Violinsonaten Opus 12, mit deren erster in D-Dur die Geigerin Dorothea Stepp zusammen mit dem russischen Pianisten Asen Tanchev in die saisonale Reihe der Stockacher Meisterkonzerte startete.

Zwar ist auch in diesen Spielmusiken das Klavier vor allem in den brillanten Ecksätzen dominierend, aber es kommt immer wieder zu reizvollen Dialogen der beiden Instrumente.

Der künstlerische Leiter der Meisterkonzertreihe, Georg Mais, blätterte dem Pianisten Asen Tanchev die Notenblätter um. Rechts im Bild Dorothea Stepp. Bild: Gabie Rieger
Der künstlerische Leiter der Meisterkonzertreihe, Georg Mais, blätterte dem Pianisten Asen Tanchev die Notenblätter um. Rechts im Bild Dorothea Stepp. | Bild: Gabi Rieger

Mit konzertanter und rhythmischer Energie harmonisch aufeinander eingespielt, wirkten die beiden jungen Künstler äußerlich wie zwei einander liebevoll zugewandte Teenager – ihr nachhaltig inspirierendes Kammerkonzert gestalteten sie strahlend, ausdrucksintensiv und mit stilistischer Reife.

Das begeisterte neben den 160 inspirierten Zuhörern im gut besuchten Bürgerhaus auch den künstlerischen Leiter der Meisterkonzertreihe, Georg Mais, der dem Pianisten die Noten umblätterte. „Wir freuen uns sehr, dass wir diese hervorragende Geigerin für unsere Saison-Eröffnung hier in Stockach gewinnen können“, sagte Mais, der selbst vor seiner Karriere als Dirigent Violine studierte und nun den „wunderbaren Geigenton“ von Dorothea Stepp in höchsten Tönen lobte.

Von Elfenkönig bis Jockey

Den bulgarischen Pianisten habe sie sich selbst als ihren festen Klavierpartner mitgebracht: ein fantastischer Virtuose, der mal wie der Elfenkönig Oberon in märchenhafter Verklärung über die Tasten tanzte, um dann wieder wie ein Jockey galoppierend über die Klaviatur des Bösendorfer Flügels zu preschen.

„Ich bin ganz begeistert von der Gestaltungskunst und dem Zusammenspiel der jungen Leute“, meinte die langjährige Abonnentin Marianne Drexler aus Oberuhldingen. „Das hat uns emotional ganz schön gefordert“, lautete ihr Resümee nach der von Ravel im Jahr 1924 komponierten kleiner Konzertrhapsodie „Tzigane“, von den umjubelten Musikern charismatisch gestaltet mit einem Schuss beschwingt verschmitztem Übermut.

Das virtuos angelegte Stück gab der solistisch agierenden Violine Gelegenheit, alle Eigentümlichkeiten der Zigeuner-Geiger auf höherer Stufe zu zaubern.

Drei, die sich mögen: das umjubelte Künstlerduo Dorothea Stepp und Asen Tanchev mit Leonie, der kleinen Schwester der Geigerin. Bild: Gabi Rieger
Drei, die sich mögen: das umjubelte Künstlerduo Dorothea Stepp und Asen Tanchev mit Leonie, der kleinen Schwester der Geigerin. | Bild: Gabi Rieger

Leidenschaftlich hoch gestimmt hatte sich nach der Brahms-Sonate Opus 108 Nr. 3 der Einstieg in die A-Dur-Sonate von César Franck vollzogen, bei der Satzstrenge und formale Freiheit dicht nebeneinanderstehen. Ihr melodiöses Fantasiestück war farbintensiv und in fesselnder Dramaturgie gestaltet. Stehenden Ovationen folgte als Zugabe „apres son reve“ von Gabriel Faurè. „Eine Sternstunde! Die kommen noch ganz groß raus“, so die Radolfzellerin Reinhild Heinzel.