Auch wenn demnächst ein hochkarätiger Gast bei der Stockacher Stadtmusik zu Besuch sein wird: In der Probe ist davon zunächst einmal nicht viel zu spüren. Wasserflaschen stehen am Boden, Jacken hängen über Stühlen, die Jeanshose ist die meistgetragene Beinbekleidung bei den Musikern. Es herrscht konzentrierte Arbeitsatmosphäre, wenn die Musiker mit ihrem Dirigenten Helmut Hubov ans Werk gehen. Es wird gespielt, aber auch viel an Details gefeilt.

Solchermaßen bereitet sich das Aushängeschild der Stockacher Musik-Landschaft auf den Besuch von Johan de Meij vor, der am dritten Oktoberwochenende ein Konzert mit seinen eigenen Werken dirigieren wird. Hubov lässt die Musiker dabei zunächst einmal spielen, „The Wind in the Willows“ von de Meij steht auf dem Probenplan. Für den außenstehenden Zuhörer klingt das schon einige Zeit vor dem Auftritt gut. Hubov steigt in die Detailarbeit trotzdem mit dem Satz „Wir haben schon viele tolle Momente gehabt“ ein – mit anderen Worten: Es bleibt noch etwas zu tun. Das packt er mit seinen Musikern an, verlangt hier mehr Leichtigkeit, singt da einmal mit, um zu verdeutlichen, was er will, und ruft auch mal Anweisungen hinein, während die Musiker spielen.

Da geht‘s lang: Dirigent Helmut Hubov zeigt den Musikern, was er will.
Da geht‘s lang: Dirigent Helmut Hubov zeigt den Musikern, was er will. | Bild: Freißmann, Stephan

Gründliche Vorbereitung ist das A und O für einen Auftritt – und für das Konzert in diesem Monat ist sie vielleicht noch wichtiger, denn „de Meij ist ein Weltstar unserer Szenerie“, wie Helmut Hubov mit einem leisen Anflug von Ehrfurcht sagt. Dass der Komponist, der in den USA lebt, selbst nach Europa reist und seine Werke mit einem Orchester aufführt, das hauptsächlich aus ambitionierten Laien besteht, sei da schon eine große Sache. „Jeder, der mit symphonischer Blasmusik etwas zu tun hat, kennt ihn“, sagt Michael Schönberger, der im Orchester Fagott spielt und als Beisitzer im Verein für die Pressearbeit zuständig ist. Da muss alles sitzen, wenn der Meister selbst am Dirigentenpult steht.

Nicht allzu viel Probenzeit

Für die Vorbereitungen stehen dem Orchester sieben Abendproben und zwei Probentage zur Verfügung – auch am Konzertwochenende geht es noch einmal intensiv zur Sache. Doch de Meijs Werke lassen sich nicht aus dem Ärmel schütteln, das wird beim Probenbesuch deutlich. „Jeder muss zu Hause seinen Teil beitragen“, sagt deswegen Jochen Fischer, der in der Stadtmusik Trompete spielt. Über die Sommerpause hätten sich die Musiker schon zu Hause vorbereiten können. Denn auch wenn die Stadtmusik ein gewisses Grundniveau mitbringe: Nur in die Proben zu kommen, genüge bei einem solchen Großprojekt nicht, so Fischer. Trotzdem: Die Vorbereitung für den Auftritt mit de Meij sei auch nicht stressiger als bei anderen Projekten der Stadtmusik, sagt Schönberger.

Komponist und Dirigent Johan de Meij stammt aus den Niederlanden, lebt aber in New York.
Komponist und Dirigent Johan de Meij stammt aus den Niederlanden, lebt aber in New York. | Bild: privat

Dass die Zusammenarbeit mit de Meij klappt, ist gewissermaßen eine Spätfolge der New York-Reise der Stockacher Stadtmusik. Als das Orchester im Jahr 2017 beim Sounds of Summer-Festival in der Carnegie Hall gespielt hat, sei Johan de Meij dort gewesen, um den Auftritt anzuhören, erinnert sich Dirigent Helmut Hubov. Den Tipp habe de Meij von seiner deutschen Managerin bekommen, die wiederum selbst in einem Orchester spiele, das er selbst bis vergangenes Jahr dirigiert habe, erzählt Hubov.

Nach dem Konzert in der Carnegie Hall hätten Komponist und Stockacher Musiker miteinander gefeiert und es sei die Idee aufgekommen, ein gemeinsames Konzert in Stockach zu organisieren. Und dann ging alles ganz einfach: Rasch war ein Termin ausgemacht und die Reise geplant. De Meij sei auch gleich dazu bereit gewesen, mit der Stockacher Stadtmusik aufzutreten, sagt Hubov.

Alltagskleidung und Wasserflasche: Vor dem glanzvollen Auftritt steht schlichte Arbeit.
Alltagskleidung und Wasserflasche: Vor dem glanzvollen Auftritt steht schlichte Arbeit. | Bild: Freißmann, Stephan

Und was bekommen die Konzertbesucher am übernächsten Sonntag zu hören? Im Zentrum des Programms steht die achtsätzige Suite „Casanova“ und das Werk „The Wind in the Willows“, außerdem mehrere Stücke, die de Meij für symphonisches Blasorchester arrangiert hat. Vieles wird er selbst dirigieren, doch auch Helmut Hubov steht am Pult. Als Solist ist Cellist Johan van Iersel dabei, der stellvertretender Solocellist des Royal Concertgebouw Orchestra in Amsterdam ist – und ein Freund de Meijs, wie Hubov erzählt. Und: Zwei Zugaben stehen auch auf dem Probenplan.

Das Konzert: Der Auftritt der Stadtmusik mit Johan de Meij findet am Sonntag, 20. Oktober, um 17 Uhr in der Stockacher Jahnhalle statt. Eintrittskarten gibt es zum Preis von 15 bis 19 Euro bei der Touristinfo Stockach in der Salmannsweilerstraße, Telefon (077 71) 802 300, und im Internet unter https://tickets.stockach.de