Die Unterschrift unter dem Vertrag ist getrocknet: Die Stadtwerke Stockach haben am Dienstag die Verhandlungen zur Stromnetzübernahme in den Stockacher Ortsteilen abgeschlossen und den Kaufvertrag mit der Netze BW über einen Eigentümerwechsel unterzeichnet. Ab dem 1. Januar 2020 werden die Stadtwerke damit, parallel zur Kernstadt, neuer Konzessionär und Betreiber für das Stromnetz in den Ortsteilen. Bürgermeister Rainer Stolz bezeichnete den Weg hin zur Unterschrift als einen mühevollen, wie er im Rahmen einer Medienkonferenz erklärte. "Dies wird alleine an den Jahreszahlen im Vertrag deutlich", sagte er.

Fünf Jahre intensive Arbeit

Der Gemeinderat hatte im März 2014 über den neuen Konzessionsvertrag mit einer Laufzeit von 20 Jahren entschieden. Der Start der Verhandlungen zwischen den Stadtwerken und dem bisherigen Eigentümer der Stromnetze in den Ortsteilen, den Netze BW, fiel ebenfalls auf 2014. Die Einigung über die Eckpunkte des Kaufvertrages folgte dann im vergangenen Dezember. "Fünf Jahre intensive Detailarbeit steckt darin", so Stolz.

Gemeinschaftlicher Auftritt der Stadtwerke

Vom Ergebnis ist der Stockacher Verwaltungschef indes überzeugt: "Ein gemeinschaftlicher Auftritt in diesem Bereich ist ein wichtiger Bestandteil der Infrastruktur in der Kernstadt und den Ortseilen." Er glaube nicht nur, dass der Eigentümerwechsel wichtig und richtig gewesen sei, er sei auch strategisch wertvoll für die Zukunft. "Für die Stadtwerke ist die Netzübernahme ein großer Meilenstein in der bisherigen und zukünftigen Unternehmensentwicklung", so Stolz weiter. Matthias Steiner, Leiter des Konzessionsmanagements der Netze BW, wollte sich der euphorischen Stimmung indes nicht gänzlich anschließen. "Wir trennen uns von Netzen, die wir jahrzehntelang betrieben haben. Für uns ist dies nicht unbedingt ein Jubeltag", sagte Steiner. Die Stadt habe alle 20 Jahre die Möglichkeit, die Stromversorgung neu zu vergeben. Diese Möglichkeit habe sie nun gezogen. Dennoch sei man zu einer sinnvollen Lösung gelangt, so Steiner.

Ein fünfmal so großes Netz

20 Jahre galt der Konzessionsvertrag zwischen der Netze BW und der Stadt Stockach für die Versorgung der Ortsteile Espasingen, Hindelwangen, Hoppetenzell, Mahlspüren im Hegau, Mahlspüren im Tal, Raithaslach, Seelfingen, Wahlwies, Winterspüren und Zizenhausen. Wie Jürgen Fürst, Geschäftsführer der Stadtwerke betonte, stelle die Übernahme der Stromnetze in den Ortsteilen eine große Herausforderung dar. Denn ab 2020 übernehme man ein flächenmäßig fünfmal so großes Netz im Verhältnis zum bestehenden Stromnetz in der Kernstadt.

Neben Matthias Steiner, Leiter Konzessionsmanagment Netze BW, Bürgermeister Rainer Stolz, und Jürgen Fürst, Geschäftsführer der Stadtwerke, nahmen an der Vertragsunterzeichnung auch Julia Guster, Leiterin Netzkunden Strom der Netze BW, Daniel Jundt, Leiter Controlling Netze BW, Jochen Stein, Prokurist kaufmännischer Bereich bei den Stadtwerken, und Tobias Graf, Bereichsleiter Technik bei den Stadtwerken, teil.
Neben Matthias Steiner, Leiter Konzessionsmanagment Netze BW, Bürgermeister Rainer Stolz, und Jürgen Fürst, Geschäftsführer der Stadtwerke, nahmen an der Vertragsunterzeichnung auch Julia Guster, Leiterin Netzkunden Strom der Netze BW, Daniel Jundt, Leiter Controlling Netze BW, Jochen Stein, Prokurist kaufmännischer Bereich bei den Stadtwerken, und Tobias Graf, Bereichsleiter Technik bei den Stadtwerken, teil. | Bild: Matthias Güntert

Kernstück des neuen Vertrages, der abermals auf 20 Jahre datiert wurde, ist die Entflechtungsvereinbarung. Und hier stecke der Teufel laut Fürst und Stolz im Detail: Denn sie regelt, welche Leitungen des Mitten in der Stadt liegenden Umspannwerkes bei der Netze BW verbleiben und welche an die Stadtwerke übergehen. Ein Großteil der Mittelspannungsleitungen bleibt bei der Netze BW. Aus gutem Grund, wie Matthias Steiner erklärt: "Diese Mittelspannungsleitungen versorgen nicht nur Netze der Gemarkung Stockach mit elektrischer Energie, sondern führen den Strom in andere Gemeinden."

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Nach Angaben von Fürst stehen den Stadtwerken 2019 erst einmal eine ganze Reihe von technischen Umbauten ins Haus: Der Ausbau der Stationen in den zehn Ortsteilen muss vollzogen werden. Bis zum Herbst soll der Bau einer neuen Leitung zum Industriegebiet Hardt und ein Ausbau des Schaltwerks II in Rißtdorf abgeschlossen sein. Allein die Kosten für die neue Leitung ins Industriegebiet Hardt bezifferte Fürst mit knapp einer halben Millionen Euro. Für die Einwohner der Ortsteile ändert sich indes wenig. "Der Übergang wird am 1. Januar 2020 geräuschlos vonstattengehen", sagte Fürst. Lediglich der Ansprechpartner im Störungsfall würde sich ändern. Dies seien ab diesem Datum dann die Mitarbeiter der Stadtwerke.

Stillschweigen über Kaufpreis vereinbart

Über den Kaufpreis haben alle beteiligten Parteien Stillschweigen vereinbart. Fürst rechnet aber vor, dass die Stadtwerke für den Kauf, die Entflechtung und die Einbindung in das bisherige Netz rund vier Millionen Euro veranschlagen.