Was sieht in der Landschaft schlimmer aus – ein Hochregallager oder eine Windkraftanlage? Diese Frage wirft eine Stellungnahme auf, die Martin Dölberg für das Bürger-Forum erneuerbare Energien Hegau-Bodensee abgegeben hat. Dabei handelt es sich nach eigenen Angaben um eine gemeinsame Plattform von sechs Bürgerinitiativen. Diese wiederum eint, dass sie sich gegen Windenergie-Projekte in der Region engagieren, so Dölberg.

Anlass für die Stellungnahme war die Diskussion um das Hochregallager der Firma Stumpp im Stockacher Industriegebiet Hardt, die es kürzlich im Planungsausschuss des Stockacher Gemeinderats gab. Zur Erinnerung: Gemeinderätin Alice Engelhardt (Grüne) hatte angemerkt, dass das weithin sichtbare weiße Gebäude durchaus einen Eingriff in die Landschaft darstelle. Sie warf die Frage auf, ob diese Wirkung durch einen gedeckten Anstrich oder hohe Bäume gemildert werden könnte.

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Dölberg wirft in der Stellungnahme den Grünen nun Doppelmoral vor – im Hinblick auf Windkraftprojekte. Er spielt auf die Unterstützung der Windkraft durch die Grünen an: „Dabei sind Windräder um ein Vielfaches höher und auffälliger als ein Lagerhaus. Durch die drehenden Rotoren und die nächtliche Signalbeleuchtung sind Windräder ein viel drastischerer Eingriff ins Landschaftsbild als jedes andere Gebäude je sein könnte“, schreibt Dölberg. Wer Windrad-Projekte aus Gründen des Landschaftsschutzes ablehne, werde von den Grünen aber als „ewiggestriger Neinsager verunglimpft“.

Karl-Hermann Rist, Fraktionsvorsitzender der Grünen im Gemeinderat, will diese Vorwürfe für die Stockacher Grünen nicht akzeptieren. Es werde keineswegs auf Teufel komm raus Windkraft gefordert, sagt er. Man dürfe die Anlagen nur an Orte stellen, wo auch genügend Wind weht: „Eine Solaranlage stellt man ja auch nicht in den Wald.“ Und auch das Thema Windkraft und Landschaft spricht Rist an: „Windkraftanlagen finde ich auch nicht unbedingt förderlich fürs Landschaftsbild„ – zumal Windräder eben an exponierter Stelle stehen müssten.

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Den Vergleich von Windkraftanlagen mit einem Lagergebäude finde er allerdings schwierig, so der Grünen-Fraktionschef. Denn es gehe um ganz unterschiedliche Themen. In beiden Fällen sei die Frage, welchen Eingriff in die Landschaft man dafür tolerieren wolle. Bei einem Lagerhaus hätte man Möglichkeiten durch Farbe und Bepflanzung, bei einem Windrad nicht.

Bei der Fotovoltaik werde in Stockach derzeit viel getan, sagt Rist. Pläne für Freilandanlagen gibt es bei Hoppetenzell und an der Autobahnauffahrt Stockach-West. Damit dürfte sich auch das Bürger-Forum Hegau-Bodensee anfreunden können. Statt Windkraft sehe man den Ausbau der Solarenergie als sinnvoller an, schreibt Dölberg.