Das große Zirkuszelt des Zirkus Belly Wien ist schon aus der Ferne gut erkennbar. Aber nicht nur das Zelt sorgt für Aufsehen. Besonders drei Elefantendamen ziehen die Aufmerksamkeit auf sich. Vonseiten des Zirkus als besondere Attraktion für die Zirkusbesucher gedacht, kritisiert die Partei Allianz für Menschenrechte, Tier- und Naturschutz in einer Pressemitteilung, dass eine artgerichte Tierhaltung nicht möglich sei. "Das ist Unsinn. Wir lieben unsere Tiere und ihnen geht es sehr gut. Die Elefanten sind seit über vierzig Jahren bei uns und hier groß geworden", wehrt sich der Zirkusdirektor Roman Zinnecker gegen die Vorwürfe. Erst gestern sei das Veterinäramt vor Ort gewesen. "Bei der Kontrolle war alles bestens. Ein Zirkus ist wohl mit der meistkontrollierte Ort. In jeder Stadt werden nicht nur unsere Tiere, sondern auch wir genau überprüft", berichtet Zinnecker. Jeder könne von morgens bis abends zum Zirkus kommen und sich die Tiere anschauen.

Obwohl das Veterinäramt grünes Licht für die Haltung gibt, spricht sich die Tierschutzallianz dagegen aus. "Wir haben nichts gegen Zirkusse. Wir sagen nur, dass Wildtiere dort nicht hingehören. Die Gefahr wird hier unterschätzt", sagt Thomas Mosmann, Vorsitzender der Tierschutzallianz.

Am Freitag werde er mit weiteren Tierschützern von 15 bis 16 Uhr eine Mahnwache abhalten. Diese hat das Ordnungsamt Stockach bereits genehmigt, wie der Ordnungsamtsleiter Peter Fritschi bestätigte. "Das ist eine stille Mahnwache. Wir möchten nicht mit dem Megafon demonstrieren, sondern Flyer verteilen und mit den Leuten ins Gespräch kommen", so Mosmann. Er sei der Meinung, dass solche Mahnwachen ihren Zweck erfüllen. "Immer mehr Städte entscheiden sich für ein kommunales Verbot für Zirkusse mit Wildtieren. Wenn wir nie Mahnwachen machen würden, wäre das Thema selten im Stadtrat", sagt Mosmann.

Ein solches Verbot gibt es in Stockach nicht. "Wir haben kein Verbot, aber wir gucken schon, dass wir mit professionellen Unternehmen zusammenarbeiten und stehen mit dem Veterinäramt und dem Zirkus im Austausch", sagt Stefan Keil, Leiter des Kulturamts der Stadt, der zuständig ist für die Buchung der Zirkusgastspiele. Über ein kommunales Verbot könne er allerdings nicht entscheiden. "Eine solche Entscheidung muss der Gemeinderat treffen", sagt Keil.

Die Stadt Tuttlingen führte ein solches Verbot im Mai vergangenen Jahres ein. "Flächen, die die Stadt zur Verfügung stellt, werden nicht mehr an Zirkusse mit bestimmten Wildtieren verpachtet", sagt Arno Specht, Pressesprecher der Stadt Tuttlingen, auf Anfrage des SÜDKURIER. In der Vergangenheit habe es immer wieder entsprechende Anregungen aus der Bürgerschaft gegeben, weshalb die Verwaltung eine entsprechende Vorlage in den Gemeinderat einbrachte, so Specht. Auf die Einführung habe die Stadt eine durchweg gute Resonanz erhalten.

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Kommunale Verbote

Der Bund hat bisher keine Regelung über Zirkusse mit Wildtieren getroffen. Daher haben mehrere Städte deutschlandweit kommunale Regelungen getroffen. Darin legen die Städte in der Regel fest, dass kommunale Flächen nicht an Zirkusse mit Wildtieren vermietet werden. Die Stadt Tuttlingen bezieht sich dabei beispielsweise auf Affen, Elefanten, Großbären, Giraffen, Nashörner und Flusspferde. Eine kommunale Regelung in Bezug auf Zirkusse mit Wildtieren gilt unter anderem auch in Ulm, Stuttgart, Heidelberg, Heilbronn und Baden-Baden. (lem)