In den drei Orten Zizenhausen, Hoppetenzell und Windegg baut nun doch die Deutsche Telekom die Internetverbindung aus. Dies hat der Gemeinderat in seiner jüngsten Sitzung mit einer Gegenstimme von Thomas Warndorf (SPD) beschlossen. Das Unternehmen hat in Aussicht gestellt, im ersten Quartal 2019 den Ausbau in Zizenhausen und Windegg fertigzustellen, wobei hier auch der zu Mahlspüren im Hegau gehörende Teil der Ortschaft inbegriffen ist. 2019 soll auch Hoppetenzell an die Reihe kommen. Dies bestätigt Hubertus Kischkewitz, ein Pressesprecher der Telekom, auf Anfrage. Für Zizenhausen und Windegg habe sein Unternehmen bereits die Erlaubnis der Stadt bekommen, den Ausbau vorzunehmen. Geplant sei nun, Glasfaser bis zum Kabelverzweiger zu legen, für die Strecke bis in die Häuser würde Vectoring-Technik genutzt, so Kischkewitz.

Damit können sich Internetnutzer in den drei Ortsteilen auf eine Vervielfachung der Bandbreite freuen. Derzeit ist man dort mit Download-Geschwindigkeiten von einem bis sechs Megabit pro Sekunde im Datennetz unterwegs, wie der Breitbandatlas des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur zeigt. Für die Zeit nach dem Ausbau stellt Kischkewitz Download-Geschwindigkeiten von bis zu 100 Megabit pro Sekunde in Aussicht.

Ungetrübt ist die Freude trotzdem nicht. Denn vor etwa zwei Jahren hat die Telekom laut der Sitzungsvorlage im Rahmen des Genehmigungsverfahrens noch abgelehnt, den Breitbandausbau in den drei nördlichen Ortsteilen zu übernehmen – eine Aussage, an die das Unternehmen eigentlich für drei Jahre gebunden sei, wie Bernhard Keßler in der Sitzung erklärte. Der Rechnungsamtsleiter ist bei der Stadtverwaltung federführend für den Internetausbau in den drei Orten zuständig. Und auch um den Ausbau in Hoppetenzell gab es hinter den Kulissen offenbar eine Fingerhakelei. Ursprünglich hatte die Telekom diesen nämlich nicht angeboten, wie aus der Sitzungsvorlage hervorgeht. Keßler habe ihn dann zur Vorgabe der Stadt gemacht, wie Bürgermeister Rainer Stolz in der Sitzung betonte.

Das entscheidende Argument für den jetzigen Beschluss war für die meisten Räte offenbar, dass mit der Telekom ein schnellerer Ausbau zumindest in Aussicht steht, als wenn die Stadt dabei Regie geführt hätte. Denn zuerst hätte man mithilfe der Bundesnetzagentur der Telekom den Ausbau untersagen müssen – was laut der Sitzungsvorlage auch bei als gut bewerteten Chancen ein Restrisiko berge und das Verhältnis der Akteure belasten würde. Und in der Verwaltung warte man immer noch auf einen Zuschussbescheid aus dem Stuttgarter Innenministerium, der eigentlich für März dieses Jahres in Aussicht gestellt worden sei, erklärt Bernhard Keßler. Ohne den offiziellen Bescheid darf die Stadt allerdings nicht aktiv werden. Und auch ein Unternehmen hätte noch gefunden werden müssen. Da eine erste Ausschreibung erfolglos verlaufen sei, hätte man bei einem zweiten Anlauf eine längere Angebotsfrist einräumen müssen, so Keßler. All das hätte den Ausbau gebremst.

Ein Nebeneffekt des Ratsbeschlusses ist, dass die Stadt etwa eine Million Euro spart, die sie als ihren Anteil in den Ausbau hätte investieren müssen. Dieses Geld soll nun, "um den weiteren Netzausbau in Richtung FTTB zu beschleunigen", als Kapitaleinlage in die Stadtwerke Stockach eingebracht werden – zumindest "sofern keine steuerlichen, gesellschaftsrechtlichen und wettbewerbsrechtlichen Vorschriften dies erschweren oder dem entgegenstehen", wie es in dem erst in der Sitzung verlesenen Beschlussvorschlag heißt. Außerdem solle geprüft werden, auch das wurde mitbeschlossen, ob das bestehende städtische Leerrohrsystem und Glasfasernetz im Tal, in Espasingen, der Kernstadt und Mahlspüren im Hegau in die Stadtwerke eingebracht werden kann.

Und die Gegenstimme von Thomas Warndorf? Er begründet seine Ablehnung damit, dass die Stadt bei ihrem Ausbau zwar nicht ganz so schnell gewesen wäre, dafür aber den höchstmöglichen technischen Standard errichtet hätte. Die Telekom, die das Thema übrigens verschlafen habe, plane keinen zukunftsorientierten Ausbau. Und ein Ausbau durch die Stadt hätte mehr Eigenständigkeit gesichert, so Warndorf.

 

Die Technik

Durch Vectoring können ­Daten schneller durch bestehende Kupferkabel fließen als herkömmlich. Denn dadurch werden Störungen zwischen den Signalen in den Kupferkabeln reduziert. Wegen der Verwendung der alten Leitungen wird Vectoring oft als nicht zukunftsgerichtet kritisiert. Wenn die Telekom das Verfahren einsetzt, kann zudem kein anderes Unternehmen mehr auf die genutzten Kabelverzweiger zugreifen. (ses/eph)