Die Musik war wie ein Sinnbild: Die drei Brüder Rabia, Nader und Rawad Abou Hassoun, die vor dem syrischen Bürgerkrieg geflohen sind und nun, wie sie erzählen, in Stockach und Umgebung leben, ließen orientalische Klänge hören. Und unversehens flochten sie das Thema von Wolfgang Amadeus Mozarts 40. Sinfonie in g-Moll in ihre Musik – eine durchaus harmonische Kombination.

Um das Zusammenkommen und Zusammenwachsen geht es auch dem Verein Kulturbrücke, der aus dem Helferkreis für Flüchtlinge hervorgegangen ist. Der Verein hat sich und seine Vorhaben nun zum ersten Mal bei einem Infoabend im Bürgerhaus Adler Post der Öffentlichkeit vorgestellt. Etwa 90 Besucher kamen zu dem Infoabend, darunter auch viele Geflüchtete, die außerdem die Verpflegung der Gäste organisierten.

Die Musiker Rabia, Nader und Rawad Abou Hassoun (von links) ließen orientalische Klänge, aber auch Anklänge an Mozart hören.
Die Musiker Rabia, Nader und Rawad Abou Hassoun (von links) ließen orientalische Klänge, aber auch Anklänge an Mozart hören. | Bild: Freißmann, Stephan

Dass nun nicht mehr allein Geflüchtete im Mittelpunkt der Aktivitäten stehen sollen, machte Christiane Pieper, Vorsitzende des Vereins, in ihrer Vorstellung deutlich: "Wir wollen gemeinsam etwas erreichen für alle Stockacher, denen es nicht so gut geht." Die Kulturbrücke sei ein Mosaikstein in der Stadtgesellschaft. Um ein Miteinander statt ein Nebeneinander gehe es dem Verein, umriss Schriftführerin Ute Kohlmann das Ziel (siehe Kasten).

Auch das feste Quartier, das die Kulturbrücke bekommen soll, war ein Thema. Wie Hanno Hippke, Kassierer des Vereins, am Rande der Veranstaltung sagte, stehe ein Ladenlokal in der Hauptstraße in Aussicht. Er schätzt die Akzeptanz für den Verein in der Stadt als groß ein, auch wenn es am ersten Abend noch keine Beitrittserklärungen gegeben habe – aber Absichtserklärungen, wie er auf Nachfrage mitteilte. Er warb in seiner Rede um Unterstützung und betonte, dass man von Teilnehmern Kursgebühren verlangen werde, was der Motivation diene. Und er hob die Unterstützung durch Bürgerstiftung und Stadtverwaltung hervor.

Im Namen der Verwaltung dankte Bürgermeisterstellvertreter Werner Gaiser (CDU) für das Engagement mit den Worten: "Wir können nicht auf Sie verzichten." Man gehe von vertiefter Zusammenarbeit mit der städtischen Flüchtlingsbeauftragten Janell Lia-Breitmayer aus. Schirmherren des Vereins sind die Pfarrer Michael Lienhard (katholisch) und Rainer Stockburger (evangelisch).

Lienhard blickte auf viereinhalb Jahre Flüchtlingshilfe zurück. Inzwischen habe es zwar Enttäuschungen, aber vor allem viele positive Erfahrungen gegeben, so Lienhard. Und er erinnerte an das christliche Gebot der Nächstenliebe. Martin Domm, der als Vorsitzender des Kirchengemeinderats die evangelische Gemeinde vertrat, sagte, dass man über jede Brücke in zwei Richtungen gehen könne.

Der abschließende Austausch war lebendig und freundlich. Wenn man sich unter Geflüchteten umhörte, herrschte Zufriedenheit. Musiker Rabia Abou Hassoun: "Es war ein schöner Abend."