Leseratten, die in die Stockacher Stadtbibliothek gehen, können dort schon seit einiger Zeit mehr finden als Bücher. Denn die Welt wird zusehends digitaler, und die Bücherei macht dabei keine Ausnahme. Das wird deutlich, wenn man mit Bibliotheksleiterin Gabriele Gietz über die Entwicklung der vergangenen Jahre spricht. „Bücherei der Dinge“ nennt Gietz die städtische Einrichtung im Alten Forstamt auch, die sie nun seit knapp 20 Jahren leitet.

Tatsächlich hat die neue Form der Stadtbibliothek weit mehr zu bieten, als man das landläufig von einer Bücherei erwartet. „Natürlich verleihen wir auch weiterhin Bücher im klassischen Stil“, erklärt Gietz. Damit könnte man sich zwar zufriedengeben, aber auch im Bücherei-Wesen gelte, was für viele andere Bereiche des Lebens auch seine Gültigkeit habe, dass nämlich Stillstand Rückschritt bedeuten würde. Und so hat sich die städtische Einrichtung in den vergangenen Jahren, und besonders 2019, zu einem Standort von „Technik und Medien“ entwickelt.

Aufenthaltsqualität hat sich verbessert

So fallen im Gespräch mit der Fachfrau Begriffe von digital über Tonies, Bluebots, Onilo-Boardstories bis Ozabot am laufenden Band, während das Wort Bücher nur noch selten Erwähnung findet. „Natürlich ist unser Ziel immer noch die Leseförderung und Vermittlung von Medienkompetenz“, erklärt Gabriele Gietz und weist darauf hin, dass Lesen und Games keine Gegensätze sein müssten, sondern sich ergänzten, so dass beides seine Berechtigung habe.

Die Ausleihzahlen seien 2019 mit ungefähr 100 000 unverändert hoch gewesen, so Gietz. Die Stadtbücherei nenne sich neben dem Zuhause und dem Arbeitsplatz oder der Schule auch der „dritte Ort“, fährt Gietz fort, und betont deshalb die Wichtigkeit der Aufenthaltsqualität in ihrem Haus, das seit April 2019 statt 23 nun 36 Stunden geöffnet hat und damit dieselben Öffnungszeiten wie die Tourist-Info im Haus hat. Zur Qualität gehören bequeme Sitzmöbel, Arbeitsplätze, Tischkicker, eine Spielzeugeisenbahn, ein Puppenhaus, eine Hörstation mit CD-Player, PC mit Farbdrucker sowie ein Kaffeeautomat.

Öffnungszeiten wurden angeglichen

Über die Angleichung der Öffnungszeiten von Bücherei und Tourist-Info zeigt sich Gietz erleichtert. „Es war für Kunden immer wieder frustrierend, wenn sie an der Theke der Tourist-Info erklärt bekamen, dass diese zwar geöffnet habe, aber die Bücherei nicht“. Dies habe zu Unmut seitens der Kundschaft geführt. 

Erfreut zeigte sich Gietz auch über die erfolgreichen Förderprojekte, die die Bücherei bisher anbieten konnte und weiterhin anbietet: Sie habe sechs Förderanträge gestellt und habe tatsächlich fünf bewilligt bekommen, wobei die Förderhöhe zwischen 1000 Euro für kleinere Projekte und bis zu 10 000 Euro liege.

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Für diese Projekte, von denen einige auch von der Bürgerstiftung Stockach finanziell unterstützt wurden, gab es jeweils Projektpartner, wie die Grundschule Stockach oder die Stadtjugendpflege, ohne die die Aktionen nicht möglich gewesen wären.