Für die Gartenarbeit muss man entsprechend gekleidet sein. Und auch das passende Werkzeug darf nicht fehlen. Dies gilt für die großen Gärtner und erst recht für die Minigärtner, die im Rahmen des gemeinnützigen Projektes „Europa Minigärtner“ zu Besuch auf dem Seeblickhof bei Alexander Buhl in der Nähe von Stockach-Wahlwies waren. Stolz präsentierten die 18 Jungen und Mädchen nach der Einkleidung ihre Ausrüstung, bestehend aus T-Shirt, Minigärtner-Mütze und Gartenschere. „Die werdet ihr auch brauchen, denn nachher geht es an die Kürbisernte“, versprach Buhl.

18 Nachwuchsgärtner schwingen die Gartenschere

Bereits nach wenigen Minuten waren die 18 Nachwuchsgärtner in ihrem Element und löcherten den Obstbauern mit ihren Fragen. Für Alexander Buhl kein Problem: „Als die Anfrage kam, haben wir gleich zugesagt. Es ist doch schön, wenn Kinder früh lernen, wo unsere Lebensmittel herkommen.“ Immer wieder seien Schulklassen bei ihm auf dem Hof zu Besuch. „Aber Minigärtner hatten wir noch nie“, so Buhl. Er freue sich, dass er ihnen etwas von seinem Wissen mit auf den Weg geben könne.

Viele Fragen, viele Antworten: Obstbauer Alexander Buhl wird von den Minigärtnern bereits an der ersten Station, der Apfelsortiermaschine, mit Fragen gelöchert.
Viele Fragen, viele Antworten: Obstbauer Alexander Buhl wird von den Minigärtnern bereits an der ersten Station, der Apfelsortiermaschine, mit Fragen gelöchert. | Bild: Matthias Güntert

Genau um diese Thematik dreht es sich bei den Minigärtnern: Wie pflanze ich Erdbeeren? Was heißt Mulchen? Welche Tiere leben im Garten? Und wie oft muss ich gießen, damit meine Pflanzen daheim wachsen? Kinder sollen die Theorie und die Praxis des Gärtnerns kennenlernen. Bettina Gräfin Bernadotte von der Blumeninsel Mainau rief das Projekt im Jahr 2013 ins Leben. In diesem Herbst startete zum ersten Mal auch eine Gruppe aus Wahlwies. Begleitet werden die jungen Gärtner dabei von Sabine und Hubert Wieser. „Wir wollen den Kindern die Natur ein Stück weit näherbringen“, sagt Sabine Wieser.

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Und dann wird es für die Minigärtner schon ernst. Alexander Buhl führt die 18 Nachwuchsgärtner über seinen Hof, der sich hauptsächlich auf den Obstanbau spezialisiert hat. Und wie es sich für einen Obstbauernhof gehört, gab es erst einmal eine richtige Stärkung: frischen süßen Most vom Vortag. „Der kommt quasi direkt aus dem Fass. Dann wisst ihr auch gleich, was aus einem Teil unserer Äpfel entsteht“, sagt Alexander Buhl. Ein besonderes Schmankerl gab es dann auf den Obstfeldern: Buhl zeigte den Minigärtnern eine Apfelsorte mit rotem Fruchtfleisch. Davon gibt es auf der 25 Hektar großen Anlage lediglich 200 Bäume. „Die Bäume waren ein Geschenk aus Frankreich„, so Buhl. Er berichtete, dass pro Hektar zwischen 3500 und 4000 Bäume stehen.

Direkter Kontakt mit der Natur

Gerade die Tatsache, dass die Kinder in direkten Kontakt mit der Natur kommen, macht das Projekt für Sabine Wieser aus. „Kinder lernen nur, wenn sie ihre eigenständigen Erfahrungen sammeln können“, sagt sie. Dies geschehe vor allem durch das selbstständige Gärtnern. Das sieht auch Alexander Buhl so: „Ich will hier kein Fachwissen vermitteln. Aber jedes Kind sollte wissen, dass ein Wurm im Apfel nur in einem Bilderbuch cool aussieht. In Wirklichkeit aber nicht förderlich ist.“

Aufsitzen und losfahren: Auch eine lustige Fahrt mit dem Traktorzug gehörte für die 18 Minigärtner zum Programm.
Aufsitzen und losfahren: Auch eine lustige Fahrt mit dem Traktorzug gehörte für die 18 Minigärtner zum Programm. | Bild: Matthias Güntert

Die neunjährige Vera ist eine der Minigärtnerinnen. Sie ist zusammen mit ihrer Mutter Vera Hirschfeld-Warneken tzum Gärtnern gekommen. Für sie ist der Ausflug in die Natur eine willkommene Abwechslung: „In der Natur kommt man einfach viel besser zur Ruhe“, sagt Vera Hirschfeld-Warneken. Es sei wichtig, dass Kinder draußen in der Natur sind – nicht nur zum Lernen. Besonders wichtig sei auch, dass im Rahmen des Projektes spielerisch und leicht verständlich erklärt werde, wie sich ein Gemüse oder ein Obst vom Aussäen bis zur Ernte entwickle. Und auch wie viel Zeit dies in Anspruch nehme. „Bei Aktionen wie dieser werden Kinder schon früh für einen bewussteren Umgang mit Lebensmitteln sensibilisiert“, sagt sie.

Minigärtner starten in Wahlwies

  • Seit 2013: Unter dem Motto „Spaß beim Arbeiten und in der Natur“ wurde das Projekt „Europa Minigärtner“ im Jahr 2013 von Bettina Gräfin Bernadotte von der Mainau ins Leben gerufen. „Es ist wichtig, dass Kinder die Natur als Basis unseres Lebens sowie die Herkunft gesunder Lebensmittel interaktiv und altersgerecht aufbereitet kennenlernen“, sagt Bettina Gräfin Bernadotte in einem Pressetext.
  • Langfristig: Die Minigärtner treffen sich über einen Zeitraum von zwei Jahren, jeweils nachmittags für zwei Stunden. In diesem Jahr startete zum ersten Mal auch in Wahlwies eine Minigärtner-Gruppe. Wie Teamleiterin Sabine Wieser erklärte, kommen die Kinder allerdings nicht nur aus Wahlwies. Auch aus Stahringen, Bodman-Ludwigshafen und Stockach seien Kinder dabei. Zum Abschluss des Projektes werden alle Minigärtner zu einem Fest auf die Insel Mainau eingeladen, mit Garten-Rallye und feierlicher Urkundenüberreichung durch Bettina Gräfin Bernadotte.
  • Vielfältiger Einblick: Das Programm der Minigärtner ist so bunt und vielfältig wie die Arbeit im Garten selbst: Laut Sabine Wieser können die Nachwuchsgärtner Gemüse pflanzen, Sonnenblumen schneiden oder Kartoffeln ernten. Der Besuch auf dem Seeblickhof von Alexander Buhl stellte dabei den Auftakt dar.
  • Die weiteren Stationen: Die Wahlwieser Gruppe der Minigärtner wird in den nächsten Wochen und Monaten die Maier-Mühle in Orsingen, den Rosenhof Wassmer, den Imker Kehrer aus Stahringen, die Baumschule Amann, die Stahringer Streuobstmosterei, das Winkelstüble in Wahlwies und eine Weihnachtsbaumkultur in Güttingen besuchen.