Der Bodensee-Madrigalchor war eine der ersten Adressen für anspruchsvolle Chormusik in der ganzen Region. Die Gruppe hatte einen weiten Einzugsbereich und gab Konzerte an verschiedenen Orten – bis der damalige Leiter Andreas Jetter Anfang im Frühjahr plötzlich ausstieg. Eine neue Sängergruppe, die aus dem ehemaligen Bodensee-Magrialchor hervorgeht, sucht nun nach Mitwirkenden. Zu den Sänger gehören Günter Römer und Felicitas Wachter. „Es wäre eine Schande, wenn es keine Versuche gäbe, den Chor nach dessen Ende fortzuführen“, sagt Römer im Gespräch mit dem SÜDKURIER. Die derzeitige Anzahl an Sängern reiche allerdings nicht aus. Sprich: Die neue Sängergruppe braucht dringend weitere Mitstreiter.

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Dafür soll es am Freitag, 25. Oktober, einen Informationsabend im Nellenburg-Gymnasium geben. Dort wird sich auch der neue Dirigent der Sängergruppe, Zeno Bianchini, den potenziellen Verstärkungen vorstellen. Der Dirigent aus dem italienischen Verona wirkt seit neun Jahren als Kantor an der Stockacher Stadtkirche Sankt Oswald. Zudem ist er Organist und Cembalist sowie künstlerischer Leiter der Stockacher internationalen Orgelkonzertreihe. Bianchini setzt in den Informationsabend große Hoffnung, denn nur, wenn dieser erfolgreich ist, wird die neue Sängergruppe auch starten können. „Wir brauchen um die 40 Sänger, sonst macht es keinen Sinn“, sagt er. Derzeit, so sagen Römer und Wachter, seien es um die 26. „Wir freuen uns über jeden Sänger, der kommt. Danach schauen wir, was passiert“, so Bianchini weiter.

Chorerfahrung ist erwünscht

Was die neuen Sänger mitbringen müssen, dazu haben Wachter, Römer und Bianchini klare Vorstellungen: „Wir wollen das hohe Niveau des Madrigalchores halten. Es soll anspruchsvolle Musik sein“, sagt Wachter. Deshalb seien Chorerfahrung, Notenkenntnisse, sowie die Bereitschaft zum regelmäßigen 14-tägigen Probenbesuch unerlässlich.

Kein Gospel oder Schlager

Dass sie künftig Chorwerke aus der Klassik und der Romantik singen wollen, steht für die drei erfahrenen Musiker außer Frage. Es sollen Stücke von Mozart, Brahms und Haydn sein. „Wer Gospel oder Schlager singen will, der ist bei uns falsch“, betont Wachter.

Das Aus des Madrigalchores kam überraschend

Und was sagen Felicitas Wachter und Günter Römer als ehemalige Sänger des Bodensee-Magrigalchores zu dessen Aus? „Für uns war die Entscheidung des damaligen Dirigenten Andreas Jetter ein Schock“, so Wachter. Nur wenige Tage nach der Aufführung von „Quo Vadis“ habe Jetter seine Kündigung erklärt. „Wir wissen nichts zu den Gründen“, sagt Wachter. Gerüchte, dass finanzielle Probleme zur Auflösung des Bodensee-Madrigalchores geführt haben, verneinte sie.

Das sagt der ehemalige Dirigent des Madrigalchores, Andreas Jetter: „Es fehlte einem Teil des Madrigalchores die Öffnung nach Außen.“ Bild: Karin Zöller
Das sagt der ehemalige Dirigent des Madrigalchores, Andreas Jetter: „Es fehlte einem Teil des Madrigalchores die Öffnung nach Außen.“ Bild: Karin Zöller | Bild: Karin Zöller

Der Radolfzeller Münsterkantor Andreas Jetter, der bis zur Jahresfrist den Madrigalchor dirigiert hatte, betonte auf SÜDKURIER-Nachfrage, dass kein Eklat für seine Kündigung ausschlaggeben gewesen sei. „Es ist nichts konkretes vorgefallen. Vielmehr hat sich dieser Prozess über Jahre hinweg angedeutet“, sagt er. Jetter hatte den Chor vor vier Jahren als Dirigent nach dem krankheitsbedingten Ausscheiden von Heinz Bucher übernommen und versucht, ihn zukunftssicher aufzustellen. „Es fehlte einem Teil des Madrigalchores die Öffnung nach Außen“, so Jetter rückblickend. Dreckige Wäsche wolle er indes keine waschen. Vielmehr zeigte er sich versöhnlich: „Ich freue mich, wenn sich diese neue Sängergruppe formiert.“

Das erste Treffen

Wie Günter Römer, Felicitas Wachter und Dirigent Zeno Bianchini erklären, findet ein erstes Treffen der neuen Chorgruppe am Freitag, 25. Oktober, um 17 Uhr im Nellenburg-Gymnasium statt. Dabei können sich interessierte Sängerinnen und Sänger über das neue Ensemble informieren. Später soll alle 14 Tage geprobt werden. In welchen Räumlichkeiten die Proben stattfinden, steht derzeit laut Günter Römer noch nicht fest. Weitere Informationen erhalten Interessierte zudem per E-Mail an wachtersto@gmail.com oder gh.roemer@googlemail.com . (mgu)