Das Stockacher Krankenhaus hat seit dem 1. März einen neuen Chef. Michael Hanke ist 54 Jahre alt, hat mehr als 20 Jahre Erfahrung im Krankenhaus-Management und präsentiert sich im Pressegespräch als unternehmerisch denkender Mensch. Den Mikrokosmos Krankenhaus kenne er aber auch von der anderen Seite her, erzählt er, von der Arbeit am Patienten.

Arbeit mit schwer kranken Menschen

Denn er habe seinen Zivildienst in der Krankenpflege geleistet und später das Studium der Betriebswirtschaftslehre als studentische Aushilfe in einem Krankenhaus finanziert. Dabei sei er viel auf onkologischen Stationen eingesetzt gewesen, also in Abteilungen für Krebspatienten, habe mit schwerkranken Menschen gearbeitet: "Diese Zeit hat mich sehr geprägt", sagt er im Rückblick.

Hanke, ausgebildeter Groß- und Einzelhandelskaufmann, zog es trotzdem zur BWL, die er in Duisburg und an der Fachhochschule in Düsseldorf studierte. Dort seien seine Schwerpunkte betriebliche Steuerlehre, Unternehmensprüfung und Controlling gewesen, erzählt Hanke – "lauter knochentrockenes Zeug". Die Leidenschaft fürs Krankenhaus lebte er durch die Arbeit in der Krankenhausverwaltung aus.

Nach mehreren beruflichen Stationen (siehe Kasten) und nach einer etwa einjährigen Auszeit ist er nun in Stockach. Während seiner Auszeit sei ihm die Stellenanzeige für das kleine Haus in der Bodenseeregion aufgefallen, erzählt Hanke. Nach längerer Zeit in der Großstadt Köln habe er in Stockach das Umfeld gefunden, das er sich für sich und seine Familie wünsche. Und das Stockacher Krankenhaus sei zwar kleiner als seine bisherigen Arbeitgeber, aber die Aufgaben dieselben: "Das ist für mich kein Rückschritt."

Eine dieser Aufgaben sei die Refinanzierung des Krankenhauses. Dass ein Haus mit 55 Betten grundsätzlich zu klein sei, um kostendeckend zu arbeiten, will Hanke nicht stehen lassen. Das sei machbar, erfordere aber eine gewisse Flexibilität der Mitarbeiter. Viele von ihnen hätten bereits Bereitschaft signalisiert. Die Abläufe im Krankenhaus zu optimieren, das habe er begonnen.

Berthold Restle (links) hat die Geschicke des Hauses für die vergangenen drei Jahre gelenkt. Nun hat ihn Bürgermeister Rainer Stolz im Gemeinderat verabschiedet.
Berthold Restle (links) hat die Geschicke des Hauses für die vergangenen drei Jahre gelenkt. Nun hat ihn Bürgermeister Rainer Stolz im Gemeinderat verabschiedet. | Bild: Freißmann, Stephan

Hoffnung setzt Hanke auch auf eine Neuerung, die 2020 greifen soll. Dann solle die Pflege der Patienten nicht mehr in den Fallpauschalen enthalten sein, sondern eigenständig bezahlt werden. Das Ziel sei, die Pflege vollständig zu finanzieren, was bisher nicht der Fall sei. Für das kleine Stockacher Krankenhaus erhoffe er sich eine Verbesserung, weil die Vorhaltekosten für das Personal hoch seien – schließlich muss man im 24-Stunden-Betrieb Mitarbeiter bezahlen, damit sie da sind, auch wenn sie gerade keinen Notfall behandeln. Hanke: "Wenn man genug und gute Pflegekräfte will, muss man sie auch richtig finanzieren." Denn das Thema laute Nachwuchssuche.

Derzeit seien alle Stellen besetzt, in der Pflege wie bei den Ärzten. Doch der Konkurrenzsituation mit anderen Krankenhäusern und mit der Schweiz ist sich Hanke bewusst. Und er gibt unumwunden zu, dass es in der Urlaubszeit oder nach dem Ausscheiden eines Arztes zeitweise Bedarf an externen Ärzten gebe. Dann engagiere das Krankenhaus teilweise Honorarärzte.

Neubau des Bettentrakts bleibt ein Thema

Zu den Themen, die ihn beschäftigen, zählt Hanke auch den Neubau eines Bettentraktes. Ein Zuschuss wurde vor mehreren Jahren beantragt, der Bescheid stehe aber weiter aus. Beim Blick auf die Krankenhausfinanzierung kommt der marktwirtschaftlich orientierte Ökonom in Hanke heraus. In Nordrhein-Westfalen würden Krankenhäuser jährlich eine an der Fallzahl orientierte Pauschalförderung fürs Bauen bekommen, mit der die Häuser selbst wirtschaften können – etwa ansparen, bis ein größeres Vorhaben möglich wird. Bei der Einzelförderung hierzulande sei man abhängig. Und: Für die Mitarbeiter wäre es ein schönes Signal, wenn es mit dem Neubau dieses Jahr weiterginge. Schließlich wolle man ein zeitgemäßes Umfeld für die Patienten bieten und im Wettbewerb nicht ins Hintertreffen geraten.

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Dem Ärztehaus, das neben dem Krankenhaus entstehen soll, stehe er positiv gegenüber, sagt Hanke. Eine gute Zusammenarbeit mit niedergelassenen Ärzten sei allgemein sein Interesse, denn man könne sich sehr gut für die Patienten ergänzen.

Abschied von Berthold Restle mit höchstem Lob

Und Hankes Vorgänger, Berthold Restle? Der wurde in der jüngsten Sitzung des Gemeinderats mit viel herzlichem Applaus aus dem Gremium und höchstem Lob von Bürgermeister Rainer Stolz verabschiedet. Man könne Restle auch als "Mister Krankenhaus" bezeichnen, so Stolz, allerdings nicht allein wegen der zurückliegenden drei Jahre als Geschäftsführer, sondern weil er schon bis 1995 für viele Jahre Verwaltungsleiter des Krankenhauses war. Das zeige Restles lange Verbundenheit mit dem Haus. In die Geschäftsführung sei Restle eingestiegen, weil die Verwaltung ihn gebeten habe, mit seiner Erfahrung in einer Situation zu helfen, in der man Hilfe brauchte, so Stolz.

Damals war Restle schon im Ruhestand nach der Tätigkeit als Verwaltungsdezernent beim Landratsamt Konstanz. Die komplexen Themen habe Restle, inzwischen 70 Jahre alt, hervorragend gemeistert und einiges vorangetrieben. Der Geehrte bedankte sich mit der Feststellung, man habe ihm im Krankenhaus die Aufgabe leicht gemacht. Auf die vergangenen drei Jahre blickte er als eine Zeit zurück, in der man das Krankenhaus gefestigt habe.