Brauchen die Sportvereine in Stockach den Stadtsportverband als Dachorganisation? Oder wird der Verband nicht benötigt, sodass er sich auch auflösen könnte? Pointiert formuliert, ist das die Frage, auf die die jüngste Mitgliederversammlung des Stadtsportverbandes hinauslief. 18 Sportvereine sind Mitglied im Verband. Zu Beginn der Versammlung äußerten sich der Vorsitzende Frank Karotsch und sein Stellvertreter Wolf-Dieter Karle eindeutig: Wenn die Mitgliedsvereine kein Interesse am Dachverband haben und vor allem die Idee einer gemeinsamen professionellen Geschäftsführung für die Vereine nicht unterstützen, bleibe als einzige Aufgabe die Mitarbeit bei der städtischen Sportlerehrung.

Dies sei eigentlich zu wenig für einen Dachverband. „Sollen wir heute einen Punkt machen?“, fragte Karle die anwesenden sechs Vereinsvertreter. Diese entschieden auf Aufschub der Entscheidung. Nochmals sollten alle Mitgliedsvereine zu einer außerordentlichen Mitgliederversammlung im Frühjahr eingeladen werden. In dem Schreiben sollte explizit auf die „mögliche Auflösung des Verbandes“ hingewiesen werden. Ebenfalls sollten mögliche Aufgaben des Dachverbandes beschrieben sein. Diese wollen Karotsch und Karle noch in diesem Jahr formulieren.

„In meinen Augen brauchen wir ein Organ, das alle Sportvereine vertritt.“ Frank Karotsch, Vorsitzender des Stadtsportverbandes
„In meinen Augen brauchen wir ein Organ, das alle Sportvereine vertritt.“ Frank Karotsch, Vorsitzender des Stadtsportverbandes | Bild: Arndt, Isabelle

Wenn man sich bei Sportvereinen umhört, bekommt man einerseits zu hören, dass der Stadtsportverband außer bei der Sportlerehrung kaum aufgefallen sei. Andererseits haben Vereinsvertreter einiges auf Lager, was der Verband übernehmen könnte. So zählt Stefan Tresp, Vorsitzender des Turnvereins Jahn Zizenhausen, vereinsübergreifende Themen wie den Datenschutz auf. Auch bei Kampagnen des Badischen Sportbundes, etwa zum Kinder- und Jugendschutz, könnte sich der Stadtsportverband beteiligen. Andreas Meßmer, Sportwart des Tennisclubs Stockach, nennt ein gemeinsames Konditionstraining für Kinder aus allen Sportvereinen im Winter als mögliche Aufgabe des Stadtsportverbandes. Man könnte die Nachwuchssportler fithalten und diese könnten Freunde aus anderen Sportarten finden. Und Siegfried Endres, Vorsitzender des Fußballvereins VfR, nennt etwa Hallenbelegung oder Sportstätten als Themen.

„Da wäre ich sofort dabei.“ Stefan Tresp, Vorsitzender TV Jahn Zizenhausen, zu einem runden Tisch der Vereine
„Da wäre ich sofort dabei.“ Stefan Tresp, Vorsitzender TV Jahn Zizenhausen, zu einem runden Tisch der Vereine | Bild: Marcel Jud

Tresp und Meßmer kommen auch auf das Ehrenamt zu sprechen. Tenor: Ehrenamtliche zu finden, werde schwieriger und die Aufgabe anspruchsvoller. Da werde es zwangsläufig darauf hinauslaufen, eine gemeinsame Geschäfts- oder Kassenführung einzuführen. VfR-Mann Endres ist eher skeptisch: Jeder Verein habe andere Vorstellungen, ein gemeinsamer Geschäftsführer sei kaum realisierbar. Ein Sprachrohr für die Vereine halten indes alle drei für sinnvoll, „um die Sportvereine noch erfolgreicher zu machen“ (Endres). Dafür wünschen sie sich einen runden Tisch. Tresp: „Da wäre ich sofort dabei.“

Frank Karotsch, der auch zweiter Vorsitzender der TG Stockach ist, betont auf Nachfrage, dass seiner Meinung nach ein Organ notwendig sei, das alle Sportvereine vertritt – auch wenn die Interessen von Hunde-, Bogensportlern oder Turnern sicherlich unterschiedlich seien. Allerdings zeigt er sich auch skeptisch, ob die Vereine eine solche Vertretung überhaupt wollen. In Sachen gemeinsamer Geschäftsführung betont er, dass dies die Vereine nicht beschneiden, sondern ihnen Arbeit abnehmen soll. Und er wirbt um Ideen für künftige Aufgaben eines Stadtsportverbands.