Für die Grünen-Landtagsabgeordnete Dorothea Wehinger stand schon vor der dem Rundgang fest: Der Solarpark Mooshof bei Stockach-Wahlwies sei ein Vorzeigeprojekt in ganz Baden-Württemberg. Sie hatte den Fraktionsvorsitzenden der Grünen im Landtag Andreas Schwarz zu einem Besuch des Areals am Donnerstag eingeladen. Auch dieser zeigte sich nach den Ausführungen von Eberhard Koch, Mitglied der Vorstandschaft des Naturschutzzentrums Westlicher Bodensee, vom Freiluft-Solarparks beeindruckt. „Dieses Projekt macht deutlich, dass man Naturschutz und Klimaschutz wunderbar unter einen Hut bringen kann“, sagt er.

Der Kurzschwänzige Bläuling

Das Besondere beim Solarpark Mooshof, den es seit 2011 gibt, stellte Eberhard Koch bei einer kleinen Führung heraus. Denn bei der Umsetzung erhielt der Natur- und Artenschutz besondere Beachtung. „Es wurde bei der Bepflanzung auf die üblichen Standartwiesen verzichtet. Stattdessen hat man sich für eine artenreiche Blumenwiese entschieden“, sagte Koch. Während einer intensiven, mehrjährigen Beobachtung habe man feststellen können, welche Insekten sich angesiedelt und welche Pflanzenarten sich durchgesetzt hätten. „Es sind auch Arten von der roten, vom Aussterben bedrohten, Liste dabei“, so Koch weiter. Als Beispiele hierfür nannte er etwa den Kurzschwänzigen Bläuling, eine Schmetterlingsart, oder die Lauch- sowie die Sumpfschrecke, bei beiden handelt es sich um Heuschrecken. Nützlich seien hierfür auch die Reifenspuren auf dem Weg zum Solarpark gewesen, die entgegen den sonst üblichen landwirtschaftlichen Flächen nicht beseitigt werden. „Darin kann sich das Wasser sehr gut sammeln und die Spuren dienen somit als Nahrungsquelle“, betonte Koch.

Artenvielfalt wird erhalten

Dank eines Umdenkens der Betreiber habe sich der Solarpark Mooshof zu einem Leuchtturmprojekt in der Region entwickelt, so Koch. Denn entgegen der sonst üblichen Verfahren, habe man von einer Übermulchung abgesehen. Laut Eberhard Koch sei dies die gängige Art, um einen Freiluft-Anlage zu bepflanzen. „Das Gras wird mit Mulch bedeckt, im Anschluss wird es gemäht und einfach liegen gelassen“, so Koch. Dadurch können die Blumen weder Licht noch Nährstoffe erhalten und würden absterben. Zwei- bis dreimal im Jahr seien die Mäharbeiten durchgeführt worden. „So erhält man keine Artenvielfalt“, sagte Koch.

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Zusätzlich zu geänderten Saat wird das abgemähte Gras im Solarpark Mooshof nicht mehr liegen gelassen. Dies habe laut Eberhard Koch zu einer überraschend schnellen und erfolgreichen Verwandlung einer bis dahin intensiv als Ackerland genutzten Fläche hin zu einer artenreichen Wiese geführt. Ein positiver Nebeneffekt entstehe zusätzlich: Das gemähte Gras wird in eine Biogasanlage in Gailingen transportiert. „Dadurch wird aus Abfall klimafreundliche Energie“, sagte Koch.

Weitere Nachahmer gesucht

Die beiden Grünen-Politiker Andreas Schwarz und Dorothea Wehinger setzen auf Nachahmer dieser Methode. „Wir müssen solche Ideen in die Fläche tragen“, so Schwarz. Koch sicherte zu, dass es bereits Gespräche mit Landwirten gegeben habe: „Wir wollen sie dazu bewegen, dass sie sich zusammenschließen, um nicht genutzte Flächen für Solarparks in der Größe von sechs bis sieben Hektar zur Verfügung zu stellen.“

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