Verabschiedungen im Bereich Schule werden überbewertet – das sagt Karlheinz Deußen, scheidender Leiter des staatlichen Schulamts Konstanz. Und zwar als Eröffnung zu seiner eigenen offiziellen Verabschiedung aus dem Amt, die in der Mensa des Schulverbunds Nellenburg in Stockach stattfand: „Also: Das ist hier ist keine große Sache.“

So ganz klein war die Sache aber offenbar auch nicht, etwa 70 Gäste aus Politik, Verwaltung und Schulwesen waren angereist. Sie kamen aus den Landkreisen Tuttlingen und Konstanz, für deren Grund-, Haupt-, Werkreal- und Realschulen das Amt zuständig ist, aber auch darüber hinaus. Und ein warmer Regen aus lobenden Worten und Geschenken ging über Deußen nieder, der am selben Tag seinen 65. Geburtstag feierte. Im Dienst ist Deußen nur noch diesen Monat.

„Herr Deußen zeichnete sich durch ein jederzeit offenes Ohr für unsere Anliegen und einen respektvollen Umgang aus. Als neu ernannte Schulleiterin hatte ich immer das Gefühl, mit meinen Anliegen ernst genommen zu werden. Er setzte sich umgehend für die Lösung der Probleme ein.“Nadja Hennes, Leiterin des Sonderpädagogischen Bildungszentrums Hewenschule in Engen.
„Herr Deußen zeichnete sich durch ein jederzeit offenes Ohr für unsere Anliegen und einen respektvollen Umgang aus. Als neu ernannte Schulleiterin hatte ich immer das Gefühl, mit meinen Anliegen ernst genommen zu werden. Er setzte sich umgehend für die Lösung der Probleme ein.“Nadja Hennes, Leiterin des Sonderpädagogischen Bildungszentrums Hewenschule in Engen. | Bild: SK

Wen hat man da nun verabschiedet? Laut Ingrid Fritz-Wölpert, der zuständigen Referatsleitern beim Freiburger Regierungspräsidium, ist Deußen ein Mann von feinsinnigem Humor und rheinischer Frohnatur. Er stammt aus Mönchengladbach am Niederrhein, wo seine Schulkarriere 1960 in einer Grundschule begann. Später war er Student in Neuß, Referendar in Solingen, Lehrer und Schulleiter in Berlin, Istanbul, Rottweil und Wellendingen. Und nun seit sechs Jahren Leiter des Konstanzer Schulamts.

Aus Deußens Personalakte förderte Fritz-Wölpert noch andere Details zutage. Zum Beispiel aus der Beurteilung zu seinem zweiten Staatsexamen im Jahr 1979, dass er jedem Kind ein hohes Maß an individueller Entfaltung habe ermöglichen wollen. Dass er sich in Montessori-Pädagogik und Deutsch als Zweitsprache habe ausbilden lassen. Und dass seine Hündin Molly der „geheime Amtshund“ in Konstanz gewesen sei.

„Die Schulentwicklung in Konstanz stellt die Entscheidungsträger regelmäßig vor komplexe Fragen. Trotz sehr großem Zuständigkeitsfeld stand Karl-Heinz Deußen der Stadt Konstanz dabei immer kompetent, kooperativ und äußerst lösungsorientiert zur Seite. Sein Rat erfolgte fundiert, unverzüglich und charmant. Eine Zusammenarbeit auf Augenhöhe. Vielen Dank!“Frank Schädler, Leiter des Amtes für Bildung und Sport der Stadt Konstanz
„Die Schulentwicklung in Konstanz stellt die Entscheidungsträger regelmäßig vor komplexe Fragen. Trotz sehr großem Zuständigkeitsfeld stand Karl-Heinz Deußen der Stadt Konstanz dabei immer kompetent, kooperativ und äußerst lösungsorientiert zur Seite. Sein Rat erfolgte fundiert, unverzüglich und charmant. Eine Zusammenarbeit auf Augenhöhe. Vielen Dank!“Frank Schädler, Leiter des Amtes für Bildung und Sport der Stadt Konstanz

Deußen selbst warf mit knitzem Humor einen Blick auf die Stationen seiner Karriere. Zum Beispiel auf den fachfremden Musikunterricht, den er in Berlin für türkische Jugendliche gegeben habe – illustriert mit Hannes Waders berühmtem Refrain „Heute hier, morgen dort“, dargeboten auf Türkisch. Die Sprache habe er ebenfalls in Berlin gelernt, erzählt Deußen.

Der Geehrte und die Redner, mit Präsenten und Urkunde (von links): Beate Clot, Ingrid Fritz-Wölpert, Karlheinz Deußen, Bettina Armbruster und Martin Lilje.
Der Geehrte und die Redner, mit Präsenten und Urkunde (von links): Beate Clot, Ingrid Fritz-Wölpert, Karlheinz Deußen, Bettina Armbruster und Martin Lilje. | Bild: Siegfried Kempter

Den Umzug von Berlin nach Rottweil bezeichnete er als Kulturschock. Und doch schlich sich eine kleine süddeutsche Wendung in seinen rheinischen Tonfall ein. Bei der Würdigung seiner Ehefrau Sigrid, die alle Umzüge und Geschichten geduldig ertragen habe, sagte er: „Hochrechnungen haben ergeben, dass sie mir etwa 25 000 Frühstücksbrote gerichtet hat.“ Und zu Bewerbungsverfahren, beispielsweise für die Stelle in Istanbul, sagte er: „Das ist spannender als Bungee-Springen, es ist kostenlos und hat weitreichendere Folgen.“

„Ich bedanke mich ganz herzlich im Namen des gesamten Teams des Seminars für Ausbildung und Fortbildung der Lehrkräfte Rottweil (GWHRS) bei Schulamtsleiter Karlheinz Deußen für die gute und vertrauensvolle Zusammenarbeit. Karlheinz Deußen war für das Seminar mit seiner Kompetenz und Kreativität zu jeder Zeit ein konstruktiver Kooperations- und Ansprechpartner.“Eva Rucktäschel, Seminarschuldirektorin in Rottweil
„Ich bedanke mich ganz herzlich im Namen des gesamten Teams des Seminars für Ausbildung und Fortbildung der Lehrkräfte Rottweil (GWHRS) bei Schulamtsleiter Karlheinz Deußen für die gute und vertrauensvolle Zusammenarbeit. Karlheinz Deußen war für das Seminar mit seiner Kompetenz und Kreativität zu jeder Zeit ein konstruktiver Kooperations- und Ansprechpartner.“Eva Rucktäschel, Seminarschuldirektorin in Rottweil | Bild: Eva Rucktäschel

Beate Clot, Leiterin des gastgebenden Schulverbundes Nellenburg und geschäftsführende Schulleiterin in Stockach, würdigte im Namen der Rektoren Menschlichkeit, Offenheit und Herzlichkeit des scheidenden Amtsleiters. Man habe sich mit seinen Fragen immer gut bei ihm aufgehoben gefühlt, auch im täglichen Kampf um den letzten Lehrer, wie sie in Anlehnung an eine SÜDKURIER-Schlagzeile sagte.

Was sich alles so in einer Personalakte findet: Ingrid Fritz-Wölpert vom Regierungspräsidium Freiburg präsentierte den Festgästen zum Beispiel dieses Bild von Karlheinz Deußen aus den 1970er-Jahren.
Was sich alles so in einer Personalakte findet: Ingrid Fritz-Wölpert vom Regierungspräsidium Freiburg präsentierte den Festgästen zum Beispiel dieses Bild von Karlheinz Deußen aus den 1970er-Jahren. | Bild: Siegfried Kempter

Und Schuldekan Martin Lilje freute sich in seinem Grußwort über den Rückhalt des Amtsleiters für den Religionsunterricht. Die Mitarbeiter des Schulamts verabschiedeten sich mit einem humorvollen Video von ihrem Chef.

Und doch noch ein Seitenhieb auf die Kultuspolitik

Etwas Politisches lässt sich Deußen am Rande der Feier – und am Ende seiner beruflichen Laufbahn – auch noch entlocken. Zur viel geäußerten Kritik an befristeten Arbeitsverträgen für Seiteneinsteiger, die in den Sommerferien arbeitslos sind und teilweise zu Beginn eines Schuljahres nicht wissen, ob sie weiter arbeiten dürfen, sagt er: „Das ist eigentlich peinlich. Warum bekommt ein so hoch entwickeltes Land wie Deutschland das nicht besser hin?“

Und so sah Deußen in den 1990ern aus.
Und so sah Deußen in den 1990ern aus. | Bild: Siegfried Kempter

In seiner Wahrnehmung sei es die Kultuspolitik, die die engen Grenzen für die Seiteneinsteiger setze, und das trotz Lehrermangels. Ein Schulamt habe in dieser Hinsicht wenig Spielraum. Und auch die Idee, im Ruhestand eine Privatschule für benachteilige Jugendliche zu gründen, die im Schulbetrieb durch alle Netze fallen, hat für ihn eine Nebenbedeutung. Viele, denen er davon erzähle, würden mitmachen wollen, erzählt Deußen: „Es sagt viel aus, dass auch andere den Bedarf sehen.“

Und das Konstanzer Schulamt? Dort wird einstweilen Deußens Stellvertreterin Bettina Armbruster die Geschäfte führen, bis ein neuer Leiter da ist.

Alexandra Zeitler, Claudia Schiel und Monika Okker (von links), Lehrerinnen des Schulverbunds Nellenburg, sorgten bei der Feier für den guten Ton.
Alexandra Zeitler, Claudia Schiel und Monika Okker (von links), Lehrerinnen des Schulverbunds Nellenburg, sorgten bei der Feier für den guten Ton. | Bild: Siegfried Kempter