Historische Bauten, aber auch Burgruinen im Wald oder andere Orte mit einer interessanten Geschichte stehen im Mittelpunkt des bundesweiten Tags des offenen Denkmals am Sonntag, 10. September. Im Raum Stockach bieten Führungen zu sechs Zielen spannende Einblicke und zeigen das Besondere auf. Johannes Waldschütz, Leiter des Stockacher Museums, ist von der Veranstaltung überzeugt: „Sie gibt uns die Gelegenheit, Alltagsobjekte mit einem anderen Blick zu sehen.“

Zu ihren Zielen zählt, die Öffentlichkeit für die Bedeutung des kulturellen Lebens zu sensibilisieren und Interesse für die Belange der Pflege historischer Bauwerke zu wecken. „Uns ist es wichtig, mit diesem Tag die Arbeit der Denkmalpfleger zu ehren“, sagt Wolfgang Kramer, Kreisarchivar des Landratsamts Konstanz. Alois Stemmer, der am Sonntag interessierten Besuchern Führungen in der Johanniterkapelle in Orsingen anbietet, ist das Vermächtnis der Denkmäler sehr wichtig: „Die Geschichte soll wach und im Gedächtnis der Leute bleiben.“ Laut Klaus Hauschild, Vorsitzender des Fördervereins Römischer Gutshof in Eigeltingen, sei die Resonanz der Besucher sehr positiv: „Das Interesse ist sehr groß."

Dieses Jahr gibt es im Landkreis Konstanz 36 Denkmäler zu besichtigen – elf mehr als im vergangenen Jahr. Sechs Bauwerke stehen im Raum Stockach: Das Gefallenendenkmal in Stockach, die Pfarrkirche St. Nikolaus in Espasingen, die St. Martins-Kapelle bei Nenzingen, die Johanniterkapelle in Orsingen, der Römische Gutshof bei Eigeltingen sowie die Ruine Alt-Bodman bei Bodman-Ludwigshafen. Das Referat Kultur und Geschichte des Landratsamts Konstanz hat in Zusammenarbeit mit dem Hegau-Geschichtsverein eine Broschüre für die Veranstaltung herausgebracht, auf der allerdings die Johanniterkapelle in Orsingen und der Römische Gutshof in Eigeltingen fehlen. Neben den jeweiligen Ortsangaben sind im Heft auch Informationen zu Geschichte und Führungen sowie eine Karte der Denkmäler zu finden.

Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz ist für die Koordination der seit 1993 stattfindenden Veranstaltung verantwortlich. Bundesweit können am Sonntag 7500 Bauwerke, die sonst häufig für Besucher nicht zugänglich sind, kostenlos besichtigt werden. Das Programm sieht jedes Jahr anders aus. Neu ist auch immer der Leitspruch. Im vergangenen Jahr lautete dieser "Gemeinsam Denkmale erhalten". Das Motto 2017 „Macht und Pracht“ bezieht sich vor allem auf Kirchen der Gotik und des Barock sowie auf die Gefallenendenkmäler, die in der Zeit des Nationalsozialismus errichtet wurden. Gleichzeitig gibt es auch feste Größen, wie die St. Martins-Kapelle bei Nenzingen, die seit dem dem ersten Tag des offenen Denkmals dabei dabei ist.

Gefallenendenkmal:
Das Bauwerk steht vor der St. Oswald-Kirche in der Stockacher Oberstadt. Martina Blaschka vom Landesamt für Denkmalpflege und Wolfgang Kramer, Kreisarchivar des Landratsamtes Konstanz, halten am Sonntag um 16 Uhr einen Vortrag über das Gefallenendenkmal. Es geht um den historischen Hintergrund des zur Zeit des Nationalsozialismus erbauten Bauwerks. Der Leitspruch „Macht und Pracht“ des diesjährigen Tag des offenen Denkmals wird ebenfalls im Vordergrund stehen. 1934 wurde das 15 Meter hohe Bauwerk für die Gefallenen des Ersten Weltkriegs nach Entwürfen von Erwin Krumm errichtet. Die Nationalsozialisten nutzten das Kriegerdenkmal, um Tugenden wie Kampfbereitschaft und Wehrwille zu vermitteln.

Das Gefallenendenkmal in der Stockacher Oberstadt.
Das Gefallenendenkmal in der Stockacher Oberstadt. | Bild: Andreas Küffner


Pfarrkirche St. Nikolaus:
Am Sonntag ist die Kirche im Herzen von Espasingen von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Um 13 Uhr bietet Johannes Waldschütz, Leiter des Stockacher Stadtmuseums, für interessierte Besucher eine Führung an. Es geht um die Geschichte der Kirche sowie um die Überreste des barocken Espasinger Schlosses. Auch der Kirchenschatz wie das Vortragekreuz und die Statuen der Heiligen Jakobus und Franziskus im Inneren der Kirche sind Bestandteil der Besichtigung. Die in spätgotischer Zeit errichtete Pfarrkirche St. Nikolaus ist eine Saalkirche. Hans von Bodman veranlasste den Umbau der Kirche im barocken Stil, der von 1686 bis 1689 stattfand. Ebenso ließ er den barocken Neubau des Espasinger Schlosses errichten.
Die Pfarrkirche St. Nikolaus kann man am Sonntag zwischen 10 und 18 Uhr besichtigen.
Die Pfarrkirche St. >Nikolaus ist am Sonntag von 10 bis 18 Uhr geöffnet. | Bild: Andreas Küffner


St. Martins-Kapelle:
Sie befindet sich an der Landstraße zwischen Nenzingen und Stockach. Am Samstag ist sie von 14 bis 16 Uhr geöffnet. Die Mesnerin Cornelia Luff der Seelsorgeeinheit Krebsbachtal gibt Interessierten in diesem Zeitraum Führungen. Nach ihren Angaben ist die St. Martins-Kapelle, die sonst nicht für Besucher zugänglich ist, seit dem ersten Tag des offenen Denkmals im Jahre 1993 dabei. Das Bauwerk wurde erstmals 1275 in einer Urkunde erwähnt. Die Stiftung der Herren von Homburg ermöglichte den Bau. 1716 erfolgte ein Umbau durch Franz Jochum. Josef Ignaz Wegschneider malte 1738 das Hochaltarblatt. Die Seitenaltäre von Josef Anton Feuchtmayer entstanden 1740. Die Glocke von 1216 ist eine der ältesten Deutschlands.
Die St. Martins-Kapelle befindet sich an der Landstraße zwischen Nenzingen und Stockach.
Die St. Martins-Kapelle befindet sich an der Landstraße zwischen Nenzingen und Stockach. | Bild: Andreas Küffner


Johanniterkapelle:
Die an die St. Peter-und-Paul-Kirche angebaute Johanniterkapelle befindet sich am Raitnauerplatz 4 in Orsingen. Am Sonntag ist sie von 13.30 bis 17 Uhr geöffnet. Alois Stemmer, Architekt und Gemeindemitglied der Seelsorgeeinheit Krebsbachtal, bietet in diesem Zeitraum Führungen an. Hans Werner IV. von Raitenau, der dem Johanniterorden angehörte, ließ die Johanniterkapelle 1627 zu Ehren der Heiligen Dreifaltigkeit, der heiligen Maria und des heiligen Johannes des Täufers erbauen. Auf dem Bild des Holzaltares, das die Taufe Jesus Christi durch Johannes den Täufer am Jordan zeigt, sind Mitglieder der Familie Raitenau. Auf der rechten und linken Seite gibt es Erinnerungsmale des Stifters Hans Werner IV. von Raitenau.
Die Johanniterkapelle ist am Sonntag von 13.30 bis 17 Uhr geöffnet.
Die Johanniterkapelle ist am Sonntag von 13.30 bis 17 Uhr geöffnet. | Bild: Viktoria Nitzsche


Ruine Alt-Bodman:
Sie steht oberhalb von Bodman und kann mit dem Fahrzeug über eine Abzweigung der Kreisstraße am Dettelbach zwischen Bodman und Liggeringen erreicht werden. Parkmöglichkeiten gibt es beim Hofgut Bodenwald (Fußweg etwa 15 Minuten). Wer möchte, kann auch von Bodman aus, den Berg hochlaufen und im Bereich Königsweingarten parken. Über den Prozessionsweg zum Frauenberg dauert der Weg zur Ruine Alt-Bodman zu Fuß rund 35 Minuten. Der Förderverein Museum Bodman-Ludwigshafen bietet am Sonntag zwei Führungen mit dem Burgen-Forscher Rudolf Martin um 15 und 16 Uhr an. Treffpunkt ist auf dem Vorplatz vor der Burg. Wilderich Graf von und zu Bodman, der Besitzer der Ruine, rettete sie mit Erhaltungsmaßnahmen.
Die Ruine Alt-Bodman steht oberhalb von Bodman und kann mit dem Fahrzeug über eine Abzweigung der Kreisstraße am Dettelbach zwischen Bodman und Liggeringen erreicht werden.
Die Ruine Alt-Bodman steht oberhalb von Bodman und kann mit dem Fahrzeug über eine Abzweigung der Kreisstraße am Dettelbach zwischen Bodman und Liggeringen erreicht werden. | Bild: Friedrich W. Strub


Römischer Gutshof:
Das historische Bauwerk ist über die Kreisstraße zwischen Eigeltingen und Homberg zu erreichen. Der Römische Gutshof, der auch im vergangenen Jahr beim Tag des offenen Denkmals dabei war, kann das ganze Jahr besichtigt werden. Am Sonntag ist er von 11 bis 17 Uhr geöffnet. Unter der Leitung des Fördervereins Römischer Gutshof in Eigeltingen werden zwei Führungen um 11 und 14 Uhr von Klaus Hauschild und Hans-Joachim Schuster angeboten. Es geht um geschichtliche Hintergründe und archäologische Arbeiten in der Region. Die Überreste des Bauwerks wurden durch archäologische Ausgrabungen teilweise freigelegt und rekonstruiert. Datiert wird das Denkmal auf das erste bis dritte Jahrhundert nach Christus.
Der Römische Gutshof kann das ganze Jahr besichtigt werden.
Der Römische Gutshof kann das ganze Jahr besichtigt werden. | Bild: Susanne Schön