Nun ist der Ernstfall eingetreten: Das Stockacher Krankenhaus hat seinen ersten stationär aufgenommenen Corona-Patienten. Dies sagte Geschäftsführer Michael Hanke auf Nachfrage. Bei dem Patienten handele es sich um einen 77-jährigen Mann, dessen Gesundheitszustand allerdings stabil sei. Der Mann sei nicht beatmungspflichtig und deswegen auf der Station eins des Krankenhauses untergebracht. Diese sei durch zwei Brandschutztüren vom Rest des Hauses abgetrennt, sodass man sich entschieden habe, Corona-Patienten dort unterzubringen, wenn sie im Krankenhaus behandelt werden müssten.

Dort stünden derzeit sieben Betten in zwei Patientenzimmern zur Verfügung, man könne die Kapazität aber erhöhen, sagt Hanke. Dafür hält das Krankenhaus diese Station frei. Und: Einzelzimmerpflicht gelte nur so lange, wie ein Verdacht auf Infektion abgeklärt wird. Mehrere Patienten, die positiv getestet wurden, könne man zusammen legen.

Auch die drei Plätze auf der Intensivstation mit Beatmungsmöglichkeit stünden zur Verfügung, sagt der Geschäftsführer. Diese werden für den Fall, dass ein Corona-Patient auf Beatmung angewiesen ist, ebenfalls freigehalten. Geplante Eingriffe, nach denen der Patient möglicherweise auf die Intensivstation kommen müsse, würden deswegen aufgeschoben. „Notfälle werden aber natürlich behandelt“, sagt Hanke.

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Der 77-Jährige sei der erste und bislang einzige Corona-Patient, der im Stockacher Krankenhaus behandelt werden müsse. Er bleibe nun in Behandlung, bis er symptomfrei sei und negativ auf das neuartige Virus getestet werde. Matthias Pohl, Oberarzt der Inneren Medizin, berichtet aber auch von weiteren Verdachtsfällen, die derzeit zur Abklärung im Krankenhaus seien. Für das gesamte Personal, das zur Versorgung des positiv Getesteten eingesetzt wird, bedeutet das umfangreiche Hygiene-Vorkehrungen. Sie müssen die entsprechende Schutzkleidung tragen und vor und nach dem Besuch bei dem Patienten das volle Desinfektionsprogramm absolvieren.

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Hankes Vermutung lautet: „Die Welle dürfte stärker werden.“ Er erwarte mehr Corona-Patienten, die im Stockacher Krankenhaus versorgt werden müssen. Diese Art von Unsicherheit ist auch der größte Belastungsfaktor fürs Personal, gibt Hanke zu: „Mit dem einzelnen betroffenen Patienten ist niemand überlastet, was die Menge an Arbeit angeht. Doch das kann sich jeden Tag ändern.“ Die Belastung sei eher psychischer Natur. So wissen die Mitarbeiter, dass sie nicht krank werden dürfen. „Mental ist das eine Ausnahmesituation“, sagt der Geschäftsführer.

Einkaufen für das Krankenhaus: Werner Gaiser vom Vorstand des Krankenhausfördervereins lädt den Kofferraum voll, um den Mitarbeitern kleine Stärkungen in stressigen Zeiten zukommen zu lassen.
Einkaufen für das Krankenhaus: Werner Gaiser vom Vorstand des Krankenhausfördervereins lädt den Kofferraum voll, um den Mitarbeitern kleine Stärkungen in stressigen Zeiten zukommen zu lassen. | Bild: Krankenhausförderverein

Förderverein wirbt um Unterstützung für das Krankenhaus-Personal

Unterdessen erfährt das Krankenhaus große Unterstützung. So hat der Krankenhausförderverein, der größte Verein der Stadt, einen Aufruf an medizinische Fachkräfte und Krankenpfleger gestartet, die derzeit ihren Beruf nicht ausüben. Die Bitte des Vereins: Solche Kräfte mögen sich freiwillig beim Krankenhaus melden, um die Belegschaft zu unterstützen. Sollte sich die Lage weiter verschlechtern, wäre er auch durchaus dankbar, wenn jemand zusätzlich komme, sagt Geschäftsführer Hanke dazu.

Außerdem gibt es verschiedene Aktionen, um das Personal des Krankenhauses zu unterstützen (siehe Text unten). Klar ist indes, dass die Corona-Krise zumindest eine Delle in der Krankenhaus-Bilanz nach sich ziehen wird. Dadurch dass Betten freigehalten und Eingriffe verschoben werden, gebe es schon jetzt Einnahmeausfälle, sagt Geschäftsführer Hanke.

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Könnte das Stockacher Krankenhaus zum zentralen Behandlungsort für Corona-Patienten im Landkreis Konstanz werden? Im Schwarzwald-Baar-Kreis wurde das Krankenhaus in Donaueschingen, das bereits ein Lungenzentrum hatte, zum Corona-Krankenhaus umfunktioniert, alle anderen Patienten wurden verlegt. Doch in Stockach sei das nicht möglich, sagt Hanke klar. Um als Seuchenkrankenhaus zu dienen, wäre das Stockacher Haus viel zu klein. Es gebe dafür zu wenig Beatmungskapazität und diese lasse sich auch nicht auf die Schnelle beliebig ausbauen.

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Unterstützung für das Krankenhaus

  • Solidarität mit Mitarbeitern: Der Krankenhausförderverein ist auf Einkaufstour gegangen, um dem Personal im Krankenhaus bunte Kunststoffkörbe mit Snacks und Obst als Dank für ihren Einsatz zur Verfügung zu stellen. Dabei habe man darauf geachtet, dass so gut wie alle Waren doppelt verpackt seien, erklärt Hubert Steinmann, Vorsitzender des Vereins. Er will dies auch als Zeichen der Verbundenheit mit den Mitarbeitern verstanden wissen. Außerdem bietet der Verein an, dass Mitarbeiter, die wegen der hohen Arbeitsbelastung nicht regelmäßig essen können, abends auf Kosten des Vereins Pizza bei einem Lieferdienst bestellen können. Solidarität zeigt auch das Backhaus Mahl mit Sitz in Stetten am kalten Markt, das 100 Muffins für die Belegschaft spendete. Damit habe sich das Unternehmen bei den Mitarbeitern des Krankenhauses bedanken wollen, heißt es in einer Mitteilung der Klinik. Über solche Aktionen würden sich die Mitarbeiter sehr freuen, sagt Geschäftsführer Michael Hanke.
  • Hotels: Hanke sagt auch, dass Stockacher Hoteliers angeboten hätten, Zimmer zur Verfügung zu stellen. Bei einer krisenhaften Pandemie könne man dort Personal unterbringen, so Hanke, damit die Mitarbeiter von der Arbeit direkt ins Bett gehen können. Dieses Angebot finde er sehr freundlich, so Hanke. Das Krankenhaus würde es auch in Anspruch nehmen, wenn es nötig werde.

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