Noch eine letzte Sonderöffnung, dann beginnen im Stadtmuseum im Alten Forstamt die Vorbereitungen für die nächste Ausstellung. Auf den zweiten Teil der Sammlung Wagner müssen Kunstbegeisterte aber noch etwas warten. Dieser ist voraussichtlich 2019 zu sehen. Ab Dezember können die Besucher nun in die Stockacher Vergangenheit eintauchen und mit 40 Werken von Siegfried Mattes aus Ludwigshafen das mutmaßliche Aussehen der Stadt in der Zeit des Barock im 18. Jahrhundert erkunden.

"Wir sind hochzufrieden und glücklich", lautet Waldschütz' Fazit zur Ausstellung "Joan Miró bis Otto Dix". Er ist begeistert über die positive Resonanz. "Das Gästebuch spricht Bände", sagte er. "Wir haben gemerkt, dass der Zuspruch weit über die Region hinaus geht." Es seien zum Beispiel auch Besucher aus dem Schwarzwald oder Stuttgart gekommen. Rückblickend sagt er, dass es etwas gedauert habe, bis die Ausstellung angelaufen sei und sich herumgesprochen habe. "Es dauerte mehrere Wochen bis zu den ersten 1000 Besuchern." Am Ende überschritt die Ausstellung die 4000er-Marke und hat noch nach der offiziellen Laufzeit Sonderveranstaltungen (siehe Kasten).

Die große Resonanz sei ein guter Anfang für weitere Ausstellungen aus der Sammlung Wagner. Eine zweite Auswahl soll im Jahr 2019 zu sehen sein. "Das erfordert viel Vorbereitung", erklärt Waldschütz. Außerdem solle auch ein bisschen Abstand zwischen den Ausstellungen sein, damit sie etwas Besonderes bleiben und die Neugier der Besucher ansprechen. Ob die Wagner-Ausstellungen nun fest in einem Zwei-Jahres-Rhythmus stattfinden, kann Waldschütz bisher noch nicht genau sagen. Für die zweite Wagner-Ausstellung hat er auf jeden Fall die vollständig gesammelten Literatur-Zyklen im Auge: "Daphnis und Chloe" von Chagall sowie "Faust" von Dali. An den 42 Chagall-Bildern über eine antike Liebesgeschichte habe Wagner 50 Jahre lang gesammelt, so Waldschütz. Sie seien der größte Schatz der Sammlung. Weltweit haben nur fünf bis zehn Einrichtungen den Zyklus komplett, so Waldschütz – das Stadtmuseum sei nun eine davon.

Nach dem Apfelsonntag bauen Waldschütz und sein Team die Wagner-Ausstellung ab und bereiten die neue Schau mit den Werken von Siegfried Mattes vor. Diese habe das Motto "Stockach im 18. Jahrhundert – Auf den Spuren einer Epoche", so Waldschütz. Mattes habe versucht, das damalige Aussehen der Stadt zu rekonstruieren, zum Beispiel wie die Stadttore ausgesehen haben. "Er hat dazu Bilder, Postkarten und Pläne zur Hilfe genommen", erzählt der Museumsleiter. Die Rekonstruktionen seien dann mithilfe eines Architekturprogramms und Bildbearbeitung entstanden. "Da steckt jahrelange Arbeit drin. Es wird für die Stockacher sicher spannend sein, wie die Stadt ausgesehen haben könnte", sagt Waldschütz.

Für eine Ausstellung im Sommer 2018 laufen ebenfalls bereits die ersten Vorbereitungen. Diese wird die Stadt Stockach vor 100 Jahren beleuchten. Dies sei mit dem Ersten Weltkrieg und dem Umbruch, der ihm gefolgt ist, eine Zeit, die im Schulunterricht sehr zentral sei. Deshalb leitet Waldschütz am Nellenburg-Gymnasium eine Arbeitsgemeinschaft (AG), tastet sich mit den Schülern an das Ausstellungsthema heran und erarbeitet die Schau mit ihnen im Verlauf des Schuljahrs. "Es soll eine Ausstellung werden, die die Stockacher und die Schüler anspricht", sagt Waldschütz. Es gehe darum, das damalige Weltgeschehen auf Stockach herunterzubrechen und zu schauen, wie sich alles im Stadtgeschehen widergespiegelt hat.

"Von Gustav Hotz gibt es zum Beispiel Bilder von der Front", erzählt Waldschütz. Außerdem habe der Stockacher Drucker Gustav Hammer seinerzeit Kriegsmappen angefertigt, in denen er Plakate, Weltkarten und Ähnliches gesammelt habe. "Es sind ganz kuriose Sachen dabei", sagt Waldschütz über die Kriegsmappen. Eine humoristische Karte aus dem Jahr 1914 zeigt zum Beispiel Deutschland als Tierbändiger und die europäischen Länder sind mit dazu passenden Karikaturen versehen. Es gebe auch viele Unterlagen im Archiv und Depot sowie Ausschnitte der damaligen Zeitung. Waldschütz vermutet auch, dass es in manchen Stockacher Häusern noch Briefe oder andere Dinge aus der Kriegszeit oder vom Kriegsende gebe. Das finde er sehr spannend, denn was im Archiv und Museumsdepot lagert, beziehe sich auf Städtisches, nicht auf persönliche Erlebnisse.

Johannes Waldschütz ist inzwischen fünf Monate in Stockach. Anfangs gab es eine Übergangszeit mit ihm und seiner Vorgängerin Yvonne Istas, seit dem 1. Juli ist er Leiter von Museum und Stadtarchiv. Der 34-Jährige hat sich gut eingearbeitet, ist aber noch mitten im Erkunden aller Bestände. Sein langfristiger Traum sei es, jedes Jahr eine große und vielleicht zwei kleinere Ausstellungen zu verwirklichen. Er hat auch schon Ideen für Themen, die den Besuchern Abwechslung bieten sollen. Dabei soll auch die Stockacher Fasnacht zum Zuge kommen.

Besucherrekord

Bei der Ausstellung "Joan Miró bis Otto Dix" mit einer Auswahl von Werken aus der Sammlung von Ehrenbürger Heinrich Wagner knackte das Stadtmuseum am letzten offiziellen Öffnungstag Ende September die 4000er-Marke bei den Besuchern. Am verkaufsoffenen Apfelsonntag, 15. Oktober, ist die Schau noch einmal von 13 bis 18 Uhr zu sehen. Restkarten für die zwei Sonderführungen um 11.30 und 18 Uhr am Apfelsonntag sind unter www.stockach.de oder in der Tourist-Info erhältlich. Museumsleiter Johannes Waldschütz schätzt, dass die Endzahl der Besucher mit den Zusatzzeiten etwa 4600 betragen könnte. Alleine in der Schlusswoche Ende September kamen noch 350 Besucher. (löf)