Wenn jemand im persönlichen Umfeld pflegebedürftig wird, ist zunächst einmal der sprichwörtliche gute Rat gefragt. Denn kaum jemand dürfte eine solche neue Lebenssituation locker bewältigen. Zahlreiche Formulare sind auszufüllen, verschiedene Stellen sind einbezogen, wenn jemand pflegebedürftig wird, und als Angehöriger muss man herausfinden, wohin man sich mit welchem Anliegen wendet.

Eine der Stellen, die in einer solchen Situation Orientierung geben, ist beim Konstanzer Landratsamt angesiedelt. Es ist der Pflegestützpunkt des Landkreises, der Menschen dabei hilft, „eine Pflegesituation zu organisieren“, wie es Pia Faller in der jüngsten Sitzung des Hauptausschusses des Stockacher Gemeinderats formulierte. Sie ist Fachberaterin beim Pflegestützpunkt und für die Stadt Stockach sowie die Gemeinden Hohenfels und Mühlingen zuständig. Im Gremium stellte sie die Arbeit ihrer Einrichtung vor – auch mit der Absicht, bei den Bürgern bekannter zu werden: Die Sprechstunden (siehe Kasten) könnten besser besucht sein, gab sie unumwunden zu.

Die Arbeit des Pflegestützpunkts fasste sie so zusammen: „Wir helfen durch den Pflegedschungel, wenn bei jemandem der Pflegefall eintritt.“ Dabei gehe es zum Beispiel darum, worauf man als Pflegender einen Anspruch hat. Auch die Begutachtung durch den Medizinischen Dienst der Krankenkassen (MDK), der die Einstufung in einen Pflegegrad vornimmt, werde durch den Pflegestützpunkt vorbereitet. Und die Erteilung gegenseitiger Vollmachten sei praktisch in jedem Beratungsgespräch ein Thema.

Um die Pflegesituation möglichst genau einschätzen zu können, würden die Berater die Betroffenen auch zu Hause besuchen. Denn es gehe darum, festzustellen, welche Unterstützung in der Pflegesituation sinnvoll und finanzierbar ist und ob beispielsweise in einem Haus etwas eingebaut werden muss. Eine Zusammenarbeit mit den Pflegediensten gebe es ebenfalls, wie Faller auf Nachfrage von Gemeinderat Rainer Stockburger (Freie Wähler) erklärte. Bei den Pflegediensten gehe es allerdings um die Versorgung von Pflegebedürftigen, der Stützpunkt sei hingegen in der Beratung tätig. Möglich sei auch, sich beim Pflegestützpunkt vorsorglich beraten zu lassen, bevor eine Pflegesituation überhaupt eintritt, erklärt Faller. Die Beratung durch den Pflegestützpunkt sei in jedem Fall kostenlos, neutral und unabhängig, betonte sie.

Nach der Präsentation erntete Faller Zustimmung und Lob aus dem Gremium und dem Publikum. So wies Albert Blässing darauf hin, dass der Pflegestützpunkt eine wichtige Arbeit mache, „denn die Leute werden doch damit alleingelassen.“ Blässing ist als ehrenamtlicher Versichertenberater für die Rente tätig und vertritt die Stadt im Kreisseniorenrat. Das Problem, einen Platz in einem Pflegeheim zu finden, könne allerdings auch der Pflegestützpunkt nicht lösen, gab Faller auf seine Nachfrage hin zu.