Eine kleine Kamera war der ständige Begleiter des Stockacher Fotografen Gustav Hotz während seines Militärdiensts im Ersten Weltkrieg. In über 300 Bildern dokumentierte er Leben und Alltag an der Westfront: Zerstörte Kirchen und verwüstete Landschaften sind auf seinen Bildern ebenso zu entdecken wie Impressionen aus dem Schützengraben und der Alltag hinter der Front.

Ein beklemmendes Bild zeigt eine Gruppe von Soldaten mit Gasmasken. Wohl in Vorbereitung eines Angriffs probierten sie ihre Gasmasken an. Obwohl die Haager Landkriegsordnung den Einsatz von chemischen Waffen verbot, setzte die deutsche Armee seit April 1915 Chlorgasgemische ein.

Ein Stockacher Soldat erzählt vom ersten Giftgasangriff

Ein Zeuge dieses ersten Gasangriffs war der Stockacher Bauunternehmer Josef Wagner. Jahrzehnte später erinnerte er sich gegenüber Hartmut Rathke mit Schrecken an den grausamen Angriff nahe der belgischen Stadt Ypern: „Wenn damals der Wind umgeschlagen hätte, hätten wir auf eigener Seite schwere Verluste gehabt. Wer einen vollen Atemzug von dem Gift erwischt hat, der war verloren. Es hat so ätzend gewirkt, der musste husten, so furchtbar, dass ihm die Lunge gerissen ist. Die Franzosen in der ersten Linie waren fast alle tot. Die wussten nicht, was auf sie zukam […]. Sie sahen aus wie umgefallen […]. Dutzende lagen da, an manchen Streckenabschnitten auch Hunderte.“

Auch Gustav Hotz fiel an der Westfront

Millionen Soldaten starben in den Schützengräben der Westfront. Auch Gustav Hotz sollte wie fast 300 Soldaten aus Stockach und den Ortsteilen den Krieg nicht überleben. Er fiel am 7. Juli 1916 bei Thiepval (Frankreich). Seine Familie bekam seine Habseligkeiten zugeschickt, darunter Kamera und Filme, Essgeschirr, Stoffeinnäher für die Kleidung und ein kleines Döschen mit Tee und Süßstoff. Diese Überbleibsel werden zusammen mit den Bildern derzeit im Stadtmuseum gezeigt.

Die Serie: Über den Sommer stellen SÜDKURIER und Stadtmuseum ein bis zwei Mal wöchentlich Dinge aus der aktuellen Ausstellung vor: „Erster Weltkrieg, Revolution und Neubeginn. Stockach im Umbruch 1917-1923“

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