Planungssicherheit oder mehr Wohnraum? Auf diesen Nenner lässt sich eine Diskussion in der jüngsten Sitzung des Stockacher Gemeinderats bringen. Gegenstand der Diskussion war der Bebauungsplan für das frühere Contraves-Areal, der für das Grundstück entlang der Winterspürer Straße geändert werden sollte. Zuletzt hatte es dagegen Einsprüche von Anliegern gegeben, die im Contraves-Areal bereits Häuser gebaut haben.

Die Einsprecher wehrten sich dagegen, dass die Gebäude entlang der Straße auf einem Teil der Länge nun 15 Meter hoch werden sollten, obwohl der Bebauungsplan ursprünglich eine Höhe von 12,50 Meter vorgesehen hatte. Bürgermeister Rainer Stolz argumentierte in der Sitzung damit, dass die Stadt verpflichtet sei, Wohnraum zu schaffen, dass Kommunen zur Innenverdichtung aufgefordert seien und dass man die Bevölkerungsdichte, die für ein Mittelzentrum wie Stockach vorgesehen sei, noch nicht erreicht habe.

Die Anwohner bezeichneten sich in ihrer Stellungnahme als junge Familien und machten, grob gesagt, geltend, dass sie sich bei der Kaufentscheidung auf die bestehende Planung verlassen hätten. Ähnlich sah es nun mit 13 zu zwölf Stimmen die Mehrheit des Gemeinderats – entgegen der Empfehlung des Planungsausschusses. Der südlichste Gebäudeteil, der am Kreisverkehr liegt, darf nun die ursprünglich vorgesehene Höhe von 12,50 Meter nicht überschreiten. Laut dem Beschluss dürfen Häuser nun aber auch länger als die vorgesehenen 30 Meter werden. Autos sollen in einer Tiefgarage unterkommen.

Man sei dem Investor entgegengekommen, sagte Harald Schweikl vom Stadtbauamt vor der Abstimmung. Auch im oberen Grundstück, in Richtung Oberstadt gelegen, solle die zulässige Gebäudehöhe von 12,50 Meter auf 15 Meter wachsen, so Schweikl. Dagegen hatte das Gremium nichts einzuwenden. Wolf-Dieter Karle (Freie Wähler), Jürgen Kragler (CDU) und Karl-Hermann Rist (Grüne) unterstützten die Argumente der Einsprecher. Wolfgang Reuther (CDU) berichtete, er bekomme als Büronachbar der Baugenossenschaft Stockach auch täglich mit, wie hoch der Bedarf an Wohnraum ist. Und Joachim Kramer (SPD) wies darauf hin, dass es auch um den Preis von Wohnraum gehe.