Die Fenster sind dunkel, ihre Scheiben teilweise zerbrochen. Das große, einst stattliche Gebäude im Espasinger Ortskern ist einigen als stillgelegte Brauerei bekannt. Der eine oder andere weiß vielleicht auch, dass der Bau mit drei Flügeln vor dem Jahr 1839 ein Schloss war. Dass dieses aber sogar eine eigene Kapelle hatte, ist nahezu in den Tiefen der Geschichte versunken.

Der von vorne gesehen rechte Flügel (Ostflügel), neben dem heute eine große Werbetafel steht, war eine heilige Stätte in dem Gebäude, das erst ein kleines Renaissanceschloss war, um 1643 brannte und in den 1680er-Jahren als barocke Dreiflügelanlage neu erbaut wurde. Mit Schlosskapelle. Eine Zeichnung aus dem Jahr 1757, das laut der Festschrift "1100 Jahre Espasingen" noch im Bodmanschen Güterverzeichnis existiert, zeigt den Gebäudeteil mit der Kapelle. Sie hatte zwei hohe Rundbogen-Fenster und auf der Dachgiebelspitze über den Fenstern ragte ein Kreuz in die Höhe. Eine Glocke machte den Flügel ebenfalls als Schlosskapelle erkennbar. Das Gewölbe der Kapelle war so hoch wie das Gebäude, während in anderen Teilen zwei Stockwerke existierten. 1821 fertigte Johann Sebastian Dirr erst eine Tuschezeichnung vom Schloss und umliegenden Gebäuden an, die er als Vorlage für ein Ölbild nutzte. Die Skizze zeigt die Kapelle detaillierter als das Ölbild. Franz Hofmann, der einen umfangreichen Beitrag über die Geschichte des Schlosses und der Brauerei geschrieben hat, erklärt sich dies im Gespräch so: "Dirr hat es mit Tusche vor Ort nach der Natur und nah an der Wirklichkeit gezeichnet.

" Historiker Fredy Meyer aus Wahlwies hat auch ein Bild im Generallandesarchiv gefunden.

Die Kirchenpatrone waren Johannes der Täufer und Johannes der Evangelist, erklärt Franz Hofmann in einem umfangreichen Beitrag über die Geschichte des Schlosses und der Brauerei. Diese Patrone gingen auf die Familie von Johann/Hans von Bodman zurück, die zu jener Zeit ihre Residenz im Schloss Espasingen hatten. Der Name Johannes spielt in der Familie seit dem Brand der Burg Altbodman im Jahr 1307 eine besondere Rolle, erklärt Fredy Meyer. Das damals in einem Kessel von einer Amme gerettete Kind hieß Johannes. "Seither sind alle männlichen Nachkommen mit dem ersten oder zweiten Vornamen nach dem Schutzheiligen Johannes der Täufer benannt", sagt Meyer. Diesen rief die Amme laut der Überlieferungen an, den Jungen zu beschützen. Aufgrund der großen Bedeutung des Namens und des Heiligen erhielt auch die Schlosskapelle in Espasingen diesen Namen.

"Über das Aussehen der Schlosskapelle im Inneren und ihre Ausstattung ist nichts überliefert", schreibt Hofmann. "Einzelne Kunstwerke könnten durchaus später nach Schloss Bodman verbracht und dort erhalten geblieben sein." Dies sei aber nicht mehr rekonstruierbar. Dass es eine Kapelle im Schloss gab, habe auf jeden Fall den Stellenwert des Schlosses als Stammsitz der Familie von Bodman unterstrichen.

 

Reihe und Bauwerk

  • Die Serie: Stockach und seine Umgebung stecken voller historischer Schätze und Geheimnisse. Es gibt bekannte Burgruinen und Schlösser, aber auch Bauten und historische Persönlichkeiten, die vom Nebel der Zeit umhüllt sind. Die Serie „Burg- und Schlossgeschichten“, die in loser Reihenfolge erscheint, wirft Schlaglichter auf weniger bekannte Geschichten, Sagen oder Personen, die mit den Burgen und Schlössern um Stockach, Bodman-Ludwigshafen, Hohenfels, Eigeltingen und Orsingen-Nenzingen zu tun haben.
  • Schloss Espasingen: Um 1620 ist Espasinger Schloss erstmals erwähnt, existierte aber bereits länger. Hans Georg von Bodman zu Bodman, Espasingen und Wahlwies bewohnte es und fügte seinem Namen in einer Urkunde 1593 zum ersten Mal den Namenszusatz "und Espasingen" an, wo er sie auch ausstellte. Das Schloss war zunächst ein Renaissance-Bau, brannte mutmaßlich um 1640 ab und entstand in den 1680er-Jahren als Barockschloss mit drei Flügeln und Kapelle neu. 1839 wurde aus dem Schloss eine Brauerei. Diese stellte 1968 die Produktion ein. Im Westflügel gibt es heute noch die Gaststätte Braustüble mit Bodmaner Wappen über der Tür. (löf)

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