„Ein Tag ohne Johann Sebastian Bach ist ein verlorener Tag.“ Das sagte einst Albert Schweitzer. Und dass dieser großartige Komponist auch heute noch begeistern kann, war bei „Bücher am Markt“ einmal mehr zu erleben. Dort nämlich fand ein Musikabend statt, an den sich die rund 60 Besucher wohl noch lange erinnern werden: Der international renommierte Münchner Gitarrist Johannes Öllinger, dessen Repertoire nicht nur klassische Musik, sondern auch zeitgenössische Werke und eigene Kompositionen beinhaltet, konzertierte zusammen mit Sascha Henkel. Henkel stammt aus dem Hegau und lebt aktuell in Wahlwies. Der Gitarrist und Komponist hat sein Herz dem Jazz verschrieben und begeistert in der Region regelmäßig in kontrovers diskutierten Konzerten.

Nun ist es sicherlich mutig, den großen Meister Bach in einem Programm mit Thelonius Monk, dem Erfinder des Bebop, zu vereinen. Und ein jeder im Publikum war gespannt, wie dieser Brückenschlag den beiden Gitarristen wohl gelingen möge. Allerdings hat es bereits Tradition, Bach zu „verjazzen“ – Benny Goodman experimentierte seit 1930 mit der Barockmusik und ließ diese in den Jazz einfließen, zum Beispiel im Orchesterstück „Bach goes to Town“.

Und Parallelen lassen sich viele finden: Angefangen bei der Improvisation, durch die sich der Jazz natürlich auszeichnet, in welcher aber auch Bach ein Genie war, über die Praxis, bei welcher die Musik in dem Moment entsteht, in dem sie gespielt wird, bis hin zu dem Neuen, das vielleicht auch verwundert. Denn auch bei Bach waren die Kirchenväter schockiert, wenn dieser wieder einmal Traditionen aufbrach und neue Klangwelten schuf, ohne dabei die strengen Regeln des Kontrapunktes zu verletzen.

Verwunderung über neue Klangwelten gab es auch in der Buchhandlung, als Sascha Henkel, nach der von Johannes Öllinger feinfühlig und mit Herzblut interpretierten A-moll-Suite für Laute von Johann Sebastian Bach, die Klänge von Monk durch den Raum wabern ließ.

Unglaubliches konnte Henkel seiner aus einem alten Ruderboot selbst gebauten Gitarre entlocken. Nach der Pause kam es in der gemeinsamen Improvisations-Session zum Höhepunkt des Abends, in dem Henkel seine Gitarre nicht nur mit Fingern oder Plektrum, sondern auch mit einem Bogen, einem Eisstil und einem Vibrator bespielte. Die Künstler harmonierten perfekt miteinander, auch wenn es nicht immer nur harmonisch war, was es da zu hören gab.

So unterschiedlich auseinanderstrebend und sich wiederfindend wie die Klänge waren auch die Reaktionen des Publikums, die von „gewöhnungsbedürftig“, „seltsam“ über „spannend und neu“ bis hin zu „die Musik hat mich glücklich gemacht“ (so Ruth Dinse aus Stockach) reichten.