Eine knappe Woche hat es gedauert, dann war der erste Busch komplett kahl gefressen. Lieselotte und Hans-Ullrich Jacob aus Wahlwies konnten kaum glauben, was sie sahen. Auch über die übrigen Buchsbäume in ihrem Garten haben sich Buchsbaumzünsler hergemacht. Nachbar Pirmin Schoch sah vor ein paar Tagen bei ihnen auf Anhieb einige der gelblich oder dunkelgrünen, bis zu fünf Zentimeter langen Raupen. Sein Blick ist geübt, denn auch in seinem Garten wüteten die Tiere. Inzwischen hat Lieselotte Jacob ein Spritzmittel besorgt und die befallenen Sträucher besprüht.

Im Garten von Gianna und Pirmin Schoch sind die Folgen des Befalls gravierend. Die Beiden haben Buchs als Beeteinfassung, eine (noch) wunderschöne, riesengroße Buchsbaumkugel und eine mehrere Meter lange Hecke als Sichtschutz an der Grundstücksgrenze. Zu Beginn des Befalls habe sie über zwei Stunden lang die Hecke abgesucht und immerhin 40 Zünsler gefunden und vernichtet, berichtet Gianna Schoch. Aber diese Zeit könne sie nicht jeden Tag aufbringen. Sie wolle auch nicht im ganzen Garten Gift spritzen, zumal dort auch Obst und Gemüse wachsen. Die Gartenbesitzer wollen abwarten und gegebenenfalls alle Sträucher entfernen. Eine andere Nachbarin hat den ersten kleinen Buchsbaum schon ausgegraben und verbrannt.

Ein gemeinsames Problem, viele Lösungsversuche. Aber welcher ist der richtige? Im Internet findet man allgemeine Tipps. Es wird empfohlen, die Gespinste und Raupen von Hand zu entfernen. Ein gezielter Rückschnitt könne helfen, Raupen in unterschiedlichen Entwicklungsstadien zu beseitigen. Anschließend sollten die Sträucher mit dem festen Strahl eines Hochdruckreinigers vor allem im Inneren abgespritzt und so die Raupen ausgewaschen werden. Als letzter Ausweg bleibe das Spritzen mit Mitteln, die im Biolandbau zugelassen und im Gartenfachhandel erhältlich seien Diese führten rasch zu einem Fraßstopp und zum Absterben der Raupen. Diese Mittel wirkten nur bei Befall und seien nicht vorbeugend einsetzbar.

Für Winfred Rösch vom Amt für Landwirtschaft in Stockach ist der Zeitpunkt zum Einsatz von Spritzmitteln schon vorbei. Der Schaden sei gesetzt, jetzt seien kaum noch Raupen unterwegs. Etwa Ende August erfolge die nächste Verpuppung. Die anschließend auftretenden Falter legen jeweils etwa 150 Eier in gelblichen Eigelegen mit bis zu etwa 20 Eiern auf der Blattunterseite ab. Die entstehenden Larven werden sich nach einem kurzen Schabefraß einspinnen und überwintern. Spritzen bringe daher zum jetzigen Zeitpunkt nichts, da das Gift nicht mehr gefressen werde, erklärte Rösch. "Lediglich Ende Mai und Mitte August, wenn die Larven bereits ausgewachsen sind, können sie sich auch an abgeschnittenen Ästen noch zu Faltern entwickeln", geht aus den Hinweisen zur Pflanzengesundheit des Landwirtschaftlichen Technologiezentrums Augustenberg in Karlsruhe hervor. In dieser Zeit sollte das Schnittgut in Tüten verpackt mit dem Restmüll entsorgt oder für einige Tage verschlossen in der Sonne gelagert werden, erklärt Wilfred Rösch.

Regine Ege von Garten und Freiraum in Bankholzen betont, der richtige Schnittzeitpunkt sei das Wichtigste. Man müsse abwarten, bis die Falter die Eier abgelegt hätten. "Ende Juni sollten die Sträucher geschnitten werden. Damit entfernt man einen Teil der abgelegten Eier gleich mit und verhindert das Schlüpfen der Larven." Vorsichtshalber entsorge sie die Abschnitte verschlossen im Restmüll. Im letzten Jahr habe es eine dritte Generation der Buchsbaumzünsler gegeben, die bis November gefressen habe, dann geflogen sei und Eier abgelegt habe. Darum empfehle sie einen weiteren Schnitt erst Ende März. Nach dem Schneiden könne man mit biologischen Mitteln wie Dipel spritzen, jedoch nur, wenn man tatsächlich Raupen entdecke. Einige Tage später könne man mit dem Dampfstrahler spritzen. "Es geht nicht darum, alle Raupen zu erwischen, das schafft man sowieso nicht. Es geht darum, den Buchs über die Runden zu bringen." Jetzt sollten die Pflanzenliebhaber nichts machen. "Einfach abwarten und den Anblick aushalten. Wenn man jetzt schneidet, gibt es nur Löcher. 80 Prozent der befallenen Pflanzen kommen wieder."

Gartenbesitzer, die sich von ihren Buchsbäumen trennen wollen, können zum Beispiel die Gewöhnliche Eibe (Taxux baccata), die Grüne Polsterberberitze (Berberi oder Bloombux, eine Rhododendron-Sorte, pflanzen. Bei Ilex sei sie vorsichtig, sagt Regine Ege. Sie habe gelesen, dass die Zünsler auch an diese Pflanze gingen, wenn es keine Buchsbäume mehr gebe.

Die Spritztermine

  • Bekämpfung: Es ist möglich, die biologische Bekämpfung des Buchsbaumzünslers mit vergleichsweise geringem Aufwand und zwei Terminen in die jährliche Gartenarbeit zu integrieren. Spritzen gegen junge Raupen: etwa Ende März und Ende Juni. Im laufenden Jahr entwickelt sich meist nur eine volle Generation. Die zweite reicht ins nächste Frühjahr. Es gab jedoch auch schon drei Generationen. Befallener Buchs stirbt nicht ab und treibt wieder aus. Schädlicher als der Zünsler ist eine Pilzerkrankung, die für ein Triebsterben an Buchsbäumen sorgt.
  • Informationen: Amt für Landwirtschaft, Stockach, Wilfred Rösch, Telefon (0 75 31) 800 2936. (wig)