Stockach Brände sind nur Bruchteil der Arbeit: Was die Feuerwehr macht, wenn es nicht brennt

Die Stockacher Feuerwehr gibt Hilfestellungen der verschiedener Art. Die freiwillige Kräfte stemmen das Gleiche wie Berufswehr. Der stellvertretende Kommandant Oliver Braunstein erzählt von den Aufgabenbereichen.

Was macht die Stockacher Feuerwehr eigentlich, wenn es nicht brennt? Nicht jeder Einsatz hat mit Flammen zu tun. Die überwiegend Ehrenamtlichen setzen sich für ihre Mitbürger ein und helfen auch allen auf vier Pfoten, Hufen oder mit Flügeln. Wie jüngst ein Tierrettungseinsatz für Lepi, den kleineren der beiden Stockacher Jungstörche. Als er bei seinem ersten richtigen Flugversuch in der Pfarrstraße notlanden musste und schließlich vor der Seitentür der Kirche St. Oswald stand, kam er nur mit Hilfe der Stockacher Feuerwehr und ihrem Drehleiterfahrzeug wieder zurück ins Nest.

Lange vor dem Nest auf dem Kriegerdenkmal gab es aber schon viele Horste in den Stockacher Ortsteilen. Im Rahmen der Amtshilfe geht Johannes Zehnle schon seit Jahren regelmäßig mit Storchenexperte Wolfgang Schäfle auf mehrere Touren, um die jeweiligen Jungstörche zu beringen. "Die Abteilung Stadt hat als einzige aller Stockacher Abteilungen ein Drehleiterfahrzeug", erklärt Oliver Braunstein, stellvertretender Kommandant. Er ist ehrenamtlich bei der Feuerwehr, Zehnle ist einer drei hauptberuflichen Feuerwehrkräfte. Die dritte Stelle ist seit Anfang August ganz neu.

Ein Holzlaster ist im Mai 2017 im Wald bei Mühlingen einen Abhang hinuntergestürzt. Feuerwehreinsatzkräfte sicherten alles ab und halfen bei der Bergung.
Ein Holzlaster ist im Mai 2017 im Wald bei Mühlingen einen Abhang hinuntergestürzt. Feuerwehreinsatzkräfte sicherten alles ab und halfen bei der Bergung. Bild: Feuerwehr Stockach | Bild: Feuerwehr Stockach

"Wir haben ein breit gefächertes Spektrum", sagt Braunstein über die Einsätze der Feuerwehr. "Ein großer Teil ist technische Hilfe, Unfallrettung und Hilfe bei Unwettern. Alles zur Hilfe des Bürgers." Auch Amtshilfe für die Polizei bei Türöffnungen oder Abstreuen von Ölspuren, wenn Gefahr im Verzug ist, oder das Bergen von Unfallfahrzeugen kommt hinzu. Da es viele Schutzmaßnahmen wie Rauchmelder und ausgeklügelte Systeme gibt, seien unter den Einsätzen inzwischen weniger Brände. Neben echten Einsätzen kommen aber auch Fehlalarme vor, zum Beispiel durch Staubentwicklung. Die Einsatzkräfte müssen allerdings immer mit dem Ernstfall rechnen, so dass immer ein ganzer Löschzug (vier Fahrzeuge und 22 Einsatzkräfte) ausrückt. Hin und wieder gebe es auch mutwillige Fehlalarme durch eingedrückte Feuermelder oder Ähnliches, die dann unnötig die Ehrenamtlichen von der Arbeit oder nachts aus dem Bett holten.

Beim Thema Tiere sei zunächst immer die Frage, ob es eine Rettung oder nur Hilfe sei. Tiere aus Abflussrohren holen oder flugunfähige Störche wieder ins Nest bringen, falle in die Kategorie Rettung. Bei Einsätzen mit Tieren kommt es auch mal zu kuriosen Situationen: So musste ein Feuerwehrmann Mitte Juni in voller Montur ein Auto aus einer Garage herausfahren, weil in dem Raum ein Marder ein Nest gebaut hatte, es eisern verteidigte und der Autobesitzer nicht mehr zu seinem Fahrzeug konnte. Ein anderer nicht so alltäglicher Fall ereignete sich im vergangenen Jahr mit einem Falken, der sich in einem Faden an einem Baum neben den Bahngleisen verfangen hatte. Die Feuerwehr befreite den Greifvogel und übergab ihn an die Tierrettung Südbaden.

Im Juni 2016 rettete die Feuerwehr einen jungen Falken, der sich qan einem Faden in einem Baum verfangen hatte.
Im Juni 2016 rettete die Feuerwehr einen jungen Falken, der sich qan einem Faden in einem Baum verfangen hatte. | Bild: Feuerwehr Stockach

Auch den Klassiker "Katze auf Baum" gab es in Stockach und Umland mehrfach. Teils blieb die Rettung aus fünf Meter Höhe beim Versuch, denn im Gegensatz zu den Stockacher Jungstörche, die beide schon Feuerwehr-Taxi fuhren, wollte eine Katze seinerzeit nicht: "Als die Feuerwehr mit der Drehleiter die Katze retten wollte, kletterte diese selbst vom Baum", hieß der Schlusssatz einer Pressemitteilung. Wer die Kosten für einen Einsatz trägt, orientiert sich immer an seiner Art. Tierrettung kostet für Privatpersonen nichts, das Auspumpen eines vollgelaufenen Kellers zum Beispiel schon.

Storchenexperte Wolfgang Schäfle hält den Jungstorch nach sem missglüchten Flugversuch in den Armen. Dem Tier ist nichts passiert und mithilfe der Feuerwehr kam der Storch wieder ins Nest zurück.
Storchenexperte Wolfgang Schäfle hält den Jungstorch nach sem missglüchten Flugversuch in den Armen. Dem Tier ist nichts passiert und mithilfe der Feuerwehr kam der Storch wieder ins Nest zurück. | Bild: Daniela Grundler

Wenn umgestürzte Bäume, Wasser im Keller oder andere Unwetterfolgen gemeldet werden, kommt alles je nach Dringlichkeit dran. "Alle Meldungen kommen bei uns rein und wir arbeiten sie nach Prioritäten ab", erklärt Braunstein und weist darauf hin, dass es wichtig ist, dass die Bürger immer die 112 und nicht auf der Feuerwache anrufen oder gar Fahrzeuge im Einsatz mit der Absicht anhalten. Eine Mannschaft bleibt übrigens immer für den Fall eines Brandeinsatzes in der Wache in Bereitschaft, auch wenn alle anderen draußen sind.

Kameradschaft wird bei der Feuerwehr sehr groß geschrieben. Die Organisation mit hauptsächlich Ehrenamtlichen sei kein normaler Verein, so Braunstein. Das Engagement sei höher, denn "es geht um Menschenleben". Alle zwei Wochen machen die Einsatzkräfte Übungen, um für Ernstfälle fit zu sein. Es gibt auch spezielle Proben für Absturzsicherung oder den Gefahrenzug. Die Jugendfeuerwehr übt immer freitags.

Einsatzkräfte halfen Storchenexperte Wolfgang Schäfle zwei Mal die hilflosen Jungstörche nach missglückten Flugversuchen wieder ins Nest zu bringen.
Einsatzkräfte halfen Storchenexperte Wolfgang Schäfle zwei Mal die hilflosen Jungstörche nach missglückten Flugversuchen wieder ins Nest zu bringen. | Bild: Feuerwehr Stockach

 

Abteilungen und Arbeit

  • Ortsteile: Die Feuerwehr Stockach hat neben der Abteilung Stadt auch Abteilungen in Wahlwies, Hoppetenzell, Mahlspüren im Tal-Seelfingen, Zizenhausen, Espasingen, Winterspüren, Raithlaslach und Mahlspüren im Hegau. Bei Einsätzen im Hardt wird neben Stadt auch Wahlwies alarmiert.
  • Einsätze: Die Zahlen der Einsätze variieren. In manchen Jahren seien es 60, in anderen 200. Es sei eine breite Spanne, so der stellvertretende Kommandant Oliver Braunstein. Es gebe auch Monate in denen nichts sei und dann wieder welche, in denen es sich balle. Es gebe zum Beispiel etwa 20 bis 25 Türöffnungen (Amtshilfe) im Jahr.
  • Tag der offenen Tür: Am Samstag, 19. August, 10 bis 14 Uhr gibt die Feuerwehr Einblicke in die Feuerwache, Technik und ihre Arbeit. Es gibt auch die Gelegenheit, in einem Fahrzeug mitzufahren. (löf)
Weitere Infos finden Sie unter: www.feuerwehr-stockach.de

Ihre Meinung ist uns wichtig
Herbstliche Weine vom Bodensee
Neu aus diesem Ressort
Stockach-Espasingen
Stockach
Stockach
Stockach
Stockach
Stockach
Die besten Themen
Kommentare (0)
    Jetzt kommentieren