Die Landschaft, in der wir wohnen, ist wunderschön, das steht außer Frage. Den größten Anteil daran hat wohl der Bodensee. Doch auch die Landwirte mit ihrem Obst- und Gemüseanbau prägen die Gegend. Und nicht zuletzt sind es die vielen Gärten und Parks – vom Schlossgarten bis zum Bauerngarten – die sich als reizvolle Grünoasen fast aneinanderreihen und den Besuchern eine spannende Reise durch die Epochen der Gartenkultur ermöglichen.

Im Verein Bodenseegärten sind inzwischen 30 traumhafte Gärten vernetzt: Naturgärten, die ohne Gift, Kunstdünger und Torf auskommen. Sie wurden vom Verein zertifiziert und tragen die „Natur im Garten„-Plakette. Zwei dieser privaten Gärten liegen in Stockach. Sie gehören den Familien Rinkenburger und Steinmann.

Kräuter-Expertin in Hindelwangen

Claudia Rinkenburger hat vor zwölf Jahren eine Ausbildung zur Kräuterpädagogin und vor zehn Jahren eine Ausbildung zur Obst- und Garten-Fachwartin gemacht. Seit mehr als zehn Jahren bietet sie Kräuterführungen mit einem Wildkräuterbuffet an. Zehn bis zwölf solcher Termine hat sie pro Jahr. Dabei stellt sie viele Pflanzen vor, die Teilnehmer können davon naschen und bekommen bei leicht wiedererkennbaren Pflanzen Tipps, wie sie sie selbst verwenden können.

Claudia Rinkenburger inmitten ihres Kräutergartens. Die Kräuterpadagogin probiert gerne Neues aus und experimentiert mit verschiedenen Pflanzen. Sie stellt unter anderem Genussessige und fruchtige Brotaufstriche her.
Claudia Rinkenburger inmitten ihres Kräutergartens. Die Kräuterpadagogin probiert gerne Neues aus und experimentiert mit verschiedenen Pflanzen. Sie stellt unter anderem Genussessige und fruchtige Brotaufstriche her. | Bild: Claudia Ladwig

Die gelernte Fotografin verrät, dass sie sehr gerne kocht, backt und experimentiert. Sie liebt ungewohnte Aromen und probiert gerne Neues aus. „Seit drei Jahren gibt es auch Koch- und Back-Workshops mit Kräutern bei mir, zum Beispiel bei der ‚Langen Nacht der Gärten‚, einem Event der Bodenseegärten„, erzählt sie.

Mit Kräutern kochen und backen

So ein Workshop dauert fast einen ganzen Tag. „Erst gehe ich mit meinen Gästen auf unsere Streuobstwiese, dort sammeln wir Kräuter. Dann führe ich sie durch meinen Garten. Ich gebe den Leuten Rezepte, sie bilden Gruppen und kochen und backen hier in meiner Küche. Anschließend essen wir alle zusammen an einer großen Tafel.“

Jeder Gast dürfe sich ein Kräutersalz verreiben und einen Kräuteressig ansetzen und mitnehmen. „Die Menschen sollen gerne an diesen Tag zurückdenken“, wünscht sich Claudia Rinkenburger.

Erste „Natur-im-Garten“-Plakette

In ihrem 1200 Quadratmeter großen Landschaftsgarten, der im Sommer 2016 als allererster Garten die „Natur-im-Garten“-Plakette erhielt, regen auf der Nordwest-Seite wilde Ecken mit besonderen Pflanzen zum Kräutersammeln an. Richtung Südosten hat sie Kräuter-Hochbeete angelegt, deren Kräuter zum Kosten und zur Herstellung diverser Köstlichkeiten dienen.

Überall im Garten sind Bäume alter Streuobstsorten angepflanzt, Sitzplätze darunter laden zum Verweilen ein. Insekten und Vögel finden hier ein reiches Nahrungsangebot, die Wildhecke bietet Kleintieren Unterschlupf.

„Ein Garten zum Anbeißen“

Claudia Rinkenburger steht kurz vor dem Abschluss der Ausbildung „Gästeführer Gartenerlebnis Bodensee„. Ihre Prüfungsarbeit hat das passende Thema „Ein Garten zum Anbeißen“. Natürlich habe sie viele Erkenntnisse gewonnen, noch wichtiger seien ihr aber die neuen Kontakte. „Ich habe dabei wahnsinnig nette Leute getroffen, Gästeführerinnen, aber auch Gartenreise-Anbieterinnen.“

Die könnten hilfreich sein, denn Rinkenburger überlegt, ihren Garten im nächsten Jahr während der Sommerferien zu bestimmten Zeiten zu öffnen. „Das Bewusstsein, den Bodensee als Gartenreiseziel zu vermarkten, ist neu.“

Naturschutz in Winterspüren

Vielleicht ergibt sich eine Zusammenarbeit mit Uschi Steinmann, die nur rund sechs Kilometer entfernt in Winterspüren mitten im Wohngebiet einen wunderschönen Hanggarten besitzt, der seit Oktober 2016 die „Natur im Garten„-Plakette trägt. Im oberen Bereich des etwa 900 Quadratmeter großen Gartens befindet sich ein kleiner Teich, ein Senkgarten mit Rosenpavillon, viele Stauden und über 70 Rosensorten, darunter englische, Wild- und Heckenrosen.

Uschi Steinmann hat überall in ihrem Garten bequeme Sitzgelegenheiten aufgestellt. Jede ermöglicht neue Sinneseindrücke, denn überall duftet es anders.
Uschi Steinmann hat überall in ihrem Garten bequeme Sitzgelegenheiten aufgestellt. Jede ermöglicht neue Sinneseindrücke, denn überall duftet es anders. | Bild: Claudia Ladwig

Im mittleren Teil gedeihen Obstgehölze, ein Blumen- und Gemüsegarten sowie Hochbeete und unten hat sich der „Wildgarten“ etabliert, der mit einer Blumenwiese, zahlreichen Wildrosen und Kräutern, Beerensträuchern und Insektenhotels Bienen, Schmetterlinge und Vögel erfreut und vielen Kleintieren Nahrung und Unterschlupf bietet.

Gegen Steine in Vorgärten

„Mein Garten entstand, als ich merkte, dass immer mehr Menschen ihre Vorgärten mit Steinen zuschütteten und das Grün verschwand. Aber wenn da nichts mehr ist, bleiben die Insekten fern und das rächt sich irgendwann bitter.“

Sie achtet darauf, dass in ihrem Garten von Februar bis Oktober immer etwas blüht und Insekten Nahrung bietet. Die geschwungenen Wege sind gerade so breit, dass sie mit der Schubkarre durchkommt. „Je dichter gepflanzt wird, umso weniger Unkraut wächst und ich muss auch nicht wässern, weil die Pflanzen hierher passen.“

Grünschnitt wird zur Benjeshecke

Sie hat einen Leitsatz: „Was man aus dem Garten herausnimmt, sollte man wieder zurückgeben.“ Diese Nachhaltigkeit – beispielsweise Salatblätter zum Kompost zu tun – kommt dem Garten zu Gute. Abgeschnittene Zweige, Rosenabschnitte, Schilf und Gräser schichtet sie in einer Benjeshecke.

„Von unten wird es Humus, oben kann ich immer nachfüllen, das ergibt ein ideales Mikroklima für Kleintiere und Insekten. In den Hecken und Bäumen fühlen sich viele Vögel wohl. Und rund um den Seerosenteich summen Hunderte Bienen.

„Hygiene im Garten ist wichtig“

Beim jährlichen Gartenfest hat Uschi Steinmann viele Gäste. Bei Kaffee, Kuchen und Musik legt sie Infomaterial und Bücher aus und gibt Tipps zum Arbeiten ohne Gift. Einer lautet: „Im Frühjahr muss man richtig in den Garten reingehen und aufräumen, Hygiene im Garten ist wichtig. Ich nutze eine Mischung aus Ackerschachtelhalm, Algenextrakt und Milchsäure, die hilft, die Pflanzen zu stärken.“