Riesiges Gewimmel herrschte beim Verkehrssicherheitstag des Berufsschulzentrums (BSZ) Stockach. Nicht nur eigene Schüler, sondern auch die Zehntklässler des Nellenburg-Gymnasiums und des Schulverbunds Nellenburg nahmen daran teil. Das Ziel sei es, die Schüler im Umgang mit Alkohol und anderen Suchtmitteln zu sensibilisieren, erklärte Schulleiterin Susanne Fallier. Das BSZ, das Präventionsnetzwerk B.free, die Polizei und die Kreisverkehrswacht haben Programmpunkte beigesteuert, Andrea Gihr erntete viel Lob für die Koordination.

Und Angebote gab es reichlich. So erklärte Willi Schmidberger von der Kreisverkehrswacht Konstanz-Hegau, allein 20 Prozent der Unfälle durch Ablenkung gingen auf die Benutzung von Smartphones während der Fahrt zurück. Außerdem sei häufig die Geschwindigkeit zu hoch. Schmidberger warb dafür, die Überschlag- und Aufprallsimulatoren auszuprobieren, die beim Verkehrssicherheitstag bereitstanden. Stefan Gebauer, Geschäftsführer des Präventionsnetzwerks B.free, warb für den Fahrsimulator des BSZ.

Keine Ohrstöpsel beim Fahrradfahren

In seinem Vortrag sprach Neurologe Thomas Hassa über Schädel-Hirn-Traumata, um die möglichen Folgen eines Unfalls zu illustrieren. Er sagte, die Aufmerksamkeit vieler sei heute auf ein sehr kleines Feld – nämlich das Handy – beschränkt. Er empfahl seinen Zuhörern auch, niemals mit Ohrstöpseln Fahrrad zu fahren: "Die Raumwahrnehmung ist sehr eingeschränkt, wenn wir nichts hören." Von direkten Verletzungen seien oft Stirnhirn und Schläfenlappen betroffen. Dort sitzen Funktionen, die das Sozialverhalten steuerten. Verhaltensauffälligkeiten können die Folge sein, so Hassa.

Am Promille-Parcours konnten die Schüler selbst ausprobieren, wie sich welcher Alkoholspiegel auswirkt. Hans Hubmann von der Deutschen Verkehrswacht verteilte dazu Brillen, die einen Alkoholpegel von 0,8 Promille, wahlweise tagsüber und nachts, oder sogar 1,5 Promille simulierten. Beim Ablaufen der vorgegebenen Linie traten bei den meisten Testpersonen Schwindelgefühle und Gleichgewichtsprobleme auf. Das Aufheben eines Schlüssels gelang nicht sofort, und ihn ins Schloss zu stecken, forderte die ganze Konzentration. Die Feuerwehr führte einen Einsatz mit dem Spreizer, einem hydraulischen Rettungsgerät, vor.

Richtige Abschnallen nach Überschlag üben

Beim Überschlagsimulator erklärte Anja Hoppe von der Verkehrswacht Rottweil, wichtig beim Anschnallen sei grundsätzlich, die Jacke aus dem Hüftgurt zu ziehen und den Gurt von unten nach oben nachzuziehen, sodass er wirklich fest anliege: "Und mit dem Po ganz nach hinten rutschen." Ein Selbstversuch erzeugte das mulmige Gefühl, der Situation komplett ausgeliefert zu sein. Durch Anspannen des Körpers und Abstützen in Höhe der Sichtblende wurde der Körper stabilisiert und erst dann der Gurt gelöst. Ohne das Abstützen würde der Kopf direkt nach unten gegen das Dach knallen, was möglicherweise größere Verletzungen zur Folge hätte. Anschließend konnte das Auto durch die Tür krabbelnd verlassen werden. Harmlos wirkt dagegen der Aufprallsimulator – zumindest von außen. Drinnen wirkten die 10 Kilometer pro Stunde, mit denen Polizeihauptmeisterin Tanja Schnopp das Fahrzeug nach vorne schleudern und abrupt abbremsen ließ, recht flott.

Viele Workshops zu ganz unterschiedlichen Themen von Prävention über Sinneswahrnehmung bis zur Selbstverteidigung oder Hip-Hop standen zur Wahl. Doch auch vertrauensbildende Maßnahmen gehörten zum Programm: "Gemeinsam stark" lautete das Motto des Zirkus Risolino von Nina Löbe-Breimaier und Carina Baumann. Der Höhepunkt war eine Menschenpyramide, bei der jeder den anderen stützte. Lehrerin Christine Angele gestaltete mit deutschen Jugendlichen und Flüchtlingen der VABO-Klassen Warnplakate zum Thema "Ich lasse mich nicht ablenken". Die eindrucksvollsten sollen in Stockach aufgehängt werden, erzählte Gymnasiallehrerin Sonja Pannach.


Netzwerk B.free

Das Präventionsnetzwerk B.free ist im ganzen Landkreis gegen den Missbrauch von Alkohol und anderen Drogen bei Jugendlichen aktiv. Beim Verkehrssicherheitstag hat die Gruppe einen Teil des Programms organisiert. Geschäftsführer Stefan Gebauer würdigte ihn als einen der größten Tage, die sie bisher durchgeführt hätten, mit großem Aufwand und hohen Kosten für die Sponsoren. Gebauer dankte den Helfern: "Respekt für die Leistung und das Klima an dieser Schule."