Die Arbeitswelt wird immer internationaler – und das Stockacher Berufsschulzentrum (BSZ) geht in diese Richtung mit. Die Schule startet eine Partnerschaft mit einer beruflichen Schule in Landres in Lothringen. Der Stockacher Lehrer Andreas Maier hat diese Idee seit Jahren verfolgt: Er möchte eine Partnerschaft zwischen dem BSZ Stockach und einer französischen Schule aufbauen.

Weil die Stockacher Partnerstadt La Roche sur Foron keine berufliche Schule hat, machte sich der Abteilungsleiter für das Berufskolleg und das Wirtschaftsgymnasium des BSZ selbst auf die Suche. Jetzt wurde eine offizielle Partnerschaft mit dem beruflichen Gymnasium „Lycée Jean Morette“ in Landres im Elsass unterzeichnet.

Langwierige Suche nach Partnerschule

Seinen Herzenswunsch verfolgte Andreas Maier intensiv. Er schrieb die für Schulen zuständigen Akademien im Elsass an und bemühte sich sehr, doch der Erfolg blieb zunächst aus. Ein Tipp von Ulrich Scheller aus Engen brachte dann den Durchbruch: Scheller kennt den früheren BSZ-Schulleiter Karl Beirer und machte diesen auf das Lycée Jean Morette in Landres aufmerksam.

Vor zwei Jahren reiste dann eine Delegation aus der französischen Schulleiterin und drei Kolleginnen der dortigen Schule ins knapp 350 Kilometer entfernte Stockach. „Dabei hat sich gezeigt, dass es viele Gemeinsamkeiten gibt. Speziell mit der französischen Fachkollegin war ich gleich auf einer Wellenlänge“, erinnert sich Andreas Maier.

Konkrete Ideen und erste Projekte

Es folgten einige Gespräche per Videokonferenz, aber Schulleiterwechsel auf beiden Seiten und andere anstehende Aufgaben ließen den Kontakt ruhiger werden. Jetzt habe er erneut die Initiative ergriffen und die Schule in Lothringen nach einem Besuch am „Tag der offenen Tür“ zum zweiten Mal besichtigt, erläutert der Französischlehrer. „Bei diesem Besuch habe ich einige Unterrichtsstunden besucht und wir haben konkrete Ideen gesammelt und erste Projekte ausgearbeitet.“

Geplant ist zunächst ein Austausch via Videokonferenz. Dabei stehen der Spracherwerb, die praktische Anwendung und die Rückmeldung der Muttersprachler im Vordergrund. „Die Schülerinnen und Schüler werden sich vorstellen und über Familie, Freizeit, Schule oder Alltag sprechen“, erklärt Maier. Dafür werden die 16 bis 18 Jahre alten Schülerinnen und Schüler des Wirtschaftsgymnasiums in Kleingruppen immer wieder im Rahmen des Französischunterrichts Gelegenheit haben. Die Franzosen sind etwa gleich alt und lernen die deutsche Sprache. So könnten auch sie von den Gesprächen mit den Deutschen profitieren.

Für die Völkerverständigung

Später stellt sich Andreas Maier auch kleine gemeinsame Projekte vor. Hierbei könnte es beispielsweise um Musik, Sport oder Berufsausbildung und Zukunftsplanung gehen. „Es gibt auch die Überlegung, sich an einem Drittort zu treffen, vielleicht in Strasbourg, Freiburg oder Karlsruhe und dort ein gemeinsames Kulturprogramm zu gestalten.“

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Man könne auch pädagogische Aktivitäten zum Thema „Gedenken und Frieden“ durchführen – eventuell in Zusammenarbeit mit dem Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge. Das halte er für enorm wichtig, so Maier. „Wir haben eine gemeinsame europäische Geschichte, eine, die sehr leidensvoll war, und eine Geschichte nach 1945. Wir sollten uns für Völkerverständigung und eine gemeinsame Zukunft einsetzen.“

Suche nach Praktikumsplätzen

Er sei außerdem bereit, den Franzosen bei der Suche nach Praktikumsplätzen in unserer Region behilflich zu sein. Im Dezember geht es mit den Videokonferenzen los. Bei Andreas Maier und seinen Schülerinnen und Schülern ist die Vorfreude groß.

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