Es sind politisch bewegte Zeiten für Imker – und unter diesen Vorzeichen fand am Wochenende auch der Badische Imkertag in Stockach statt. Schon lange gibt es Sorge um das Wohlergehen von Bienen im Besonderen und Insekten im Allgemeinen, landwirtschaftliche Unkraut- und Schädlingsvernichter werden im Zusammenhang mit dem Schlagwort Bienensterben immer wieder genannt. Auch die Imker, die nach Stockach gekommen waren, beschäftigte dieses Thema.

Als Gast aus der Wissenschaft betrachtete Giovanni Galizia, Professor für Neurobiologie und Bienenforscher an der Universität Konstanz, welche Auswirkungen Pestizide mit Neonicotinoiden auf Bienen haben. Sein Fazit lässt sich grob gesagt so zusammenfassen: Neonicotinoide schaden schon weit unterhalb der tödlichen Dosis dem Lern- und Erinnerungsvermögen von Bienen, weil sie den Stoffwechsel des Gehirns durcheinander bringen. Das wiederum verschlechtert ihre Orientierung, weshalb bei belasteten Bienenvölkern messbar weniger Tiere von Erkundungsflügen zurückkehren und dafür länger brauchen. Doch Neonicotinoide schaden allen Insekten, so der Biologe. Auch Monokulturen, die beispielsweise unter Einsatz des Unkrautvernichters Glyphosat entstehen, seien für Bienen ein Problem. Für Tiere ist das Mittel laut Galizia nicht direkt giftig. In einer ausgeräumten Agrarlandschaft müssten Bienen allerdings weiter fliegen, um den vielfältigen Nektar zu sammeln, den sie brauchen. All diese Faktoren belasten Insekten – in 27 Jahren sei die Biomasse der Insekten um 75 Prozent zurückgegangen, so Galizia. Als Lösung schlug er vor, Gifte in der Landwirtschaft nicht vorbeugend und flächendeckend einzusetzen, sondern wie ein Medikament beim Menschen nur dann, wenn ein Problem auftritt.

Politisch interessant wird das Thema, weil am Freitag eine EU-weite Abstimmung zu Neonicotinoiden ansteht. Klaus Schmieder, Präsident des Landesverbandes Badischer Imker, hat zum Ende des Imkertages angekündigt, am Dienstag im Landwirtschaftsministerium in Berlin vorstellig zu werden und die Position der Imker zu vertreten, dass Neonicotinoide komplett verboten werden müssen – auch wenn man nicht radikal gegen Pflanzenschutz sei. Bei Ministerin Julia Klöckner (CDU) dürfte er auf offene Ohren stoßen. Sie hat bereits angekündigt, dass sich Deutschland für ein Verbot des Wirkstoffs im Freiland einsetzen werde.

Der Insektenschwund betrifft auch die Bestäubung von Pflanzen. Etwa 80 Prozent der heimischen Nutz- und Wildpflanzen seien auf Bestäubung von Bienen angewiesen, heißt es beim Deutschen Imkerbund, der Wert dieser Leistung liege bei bundesweit zwei Milliarden Euro jährlich. Um den landwirtschaftlichen Ertrag zu sichern, arbeiten manche Imker mit ihren Bienenvölkern als Bestäubungshelfer. Der Biologe Friedhelm Kemmeter aus Mannheim, selbst Bestäubungsimker, sagte nach seinem Vortrag, dass etwa bei früh blühenden Obstsorten Bestäubungshilfe sinnvoll sei, aber auch, wenn wilde Insekten keine Lebensräume finden.

Vollkommen schwarz sehen die Imker hierzulande allerdings nicht. So hob Martin Schröpel, Vorsitzender des Konstanzer Imkervereins, die Unterschiede der Standorte hervor. In der Stadt gebe es etwa relativ wenige Spritzmittel. Außerdem sei die Landwirtschaft im Kreis Konstanz kleinteiliger als etwa in Norddeutschland – eine bessere Ausgangslage für Bienen. Und: Die Imkervereine der Region hätten keine Nachwuchssorgen, ein Bewusstsein für Umweltthemen sei spürbar.

Veranstaltung und Perspektiven

  • Imkertag: Zum Badischen Imkertag in Stockach erwarteten die Organisatoren im Vorfeld 2000 Gäste aus Deutschland, Österreich und der Schweiz. Hauptorganisatorin Bianca Duventäster vom Stockacher Imkerverein äußerte sich zufrieden mit dem Verlauf der Veranstaltung. Im nächsten Jahr ist der Konstanzer Verein der Gastgeber.
  • Landesverband Badischer Imker: Laut Präsident Klaus Schmieder sind in dem Verband 9700 Imker mit 74 000 Bienenvölkern organisiert. Die Zahl der Imker und der Bienenvölker wachse, allerdings hätten die Imker heute tendenziell weniger Völker als früher. Auch der Frauenanteil sei inzwischen auf 18 Prozent gestiegen.
  • Bestäubung: Diese sei im Moment noch gesichert, so Schmieder, allerdings nur durch den Einsatz von Imkern. Denn diese würden ihre Bienenvölker pflegen und Tiere nachzüchten, was bei Wildinsekten nicht der Fall ist. Deshalb müsse man das Artensterben stoppen, so der Präsident.
  • Honig: Die Honigerzeugung laufe auf sehr hohem Niveau, sagt der Verbandschef. Dies führt er auf sehr gute Bienenarten und Betriebsweisen zurück.
  • Prognose: Diese sei schwierig, so Schmieder. Einerseits sei die Menschheit ohne Bienen als Bestäuber nicht zu ernähren. Andererseits hoffen die Imker, dass sich die Situation für Bienen nicht weiter verschlechtert. (eph)