Stockach BUND macht Stockach zum Umweltschutz-Primus

Die Naturschützer wählen die Stadt als eine von landesweit zwei Kommunen für ein Modellprojekt aus: Sie wollen Biotope vernetzen, um Flora und Fauna zu entwickeln.

Für den dauerhaften Erhalt von Tier- und Pflanzenarten ist die Verbindung ihrer Lebensräume wichtig. In dem Modellprojekt "Biotopverbund Offenland" zeigt der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), Landesverband Baden-Württemberg, am Beispiel von zwei Kommunen, wie dauerhafte Verbindungen zwischen artenreichen Biotop-Inseln im Offenland geschaffen werden können. Beispiele für solche Verbindungen sind Blühstreifen und Staudensäume. Stockach ist – neben der Stadt Nürtingen – eine der zwei ausgewählten Modellkommunen, die durch dieses Projekt eine langfristige Planungsgrundlage (Biotopverbundplanung) erhalten.

Das bedeutet, dass die Kommune durch dieses Projekt eine höhere Planungssicherheit bei Bauleit- und Flächennutzungsplanung erhält. Zudem bietet die Biotopplanung eine Grundlage für Maßnahmen zur Aufwertung von Natur und Landschaft, die teilweise auch in das städtische Ökokonto gebucht werden kann. Ferner erhält Stockach den sogenannten Biodiversitäts-Check, der zeigt, welche biologische Vielfalt es auf der Gemeindefläche gibt.

Warum gerade Stockach für dieses Projekt ausgewählt wurde, erklärt Projektleiterin Nadja Horic von der BUND-Geschäftsstelle Stuttgart: "Die Stadt Stockach verfügt über gute Erfahrungen bezüglich der Umsetzung von Biotopverbundmaßnahmen. Und vielfältige Akteure am Ort, wie das Umweltzentrum oder die Heinz-Sielmann-Stiftung, fördern die Projektumsetzung." Zudem habe die Aufgeschlossenheit der Kommune gegenüber Naturschutzthemen für Stockach gesprochen.

Seit November 2015 wird an diesem Projekt bei Sitzungen, Runden Tischen und Auftragsvergaben gearbeitet. Im April 2016 hat dann der Gemeinderat Stockach die Mitwirkung beschlossen. Jetzt sollen Nägel mit Köpfen gemacht werden. Bei einer Exkursion rund um Stockach stellte Jochen Kübler, Geschäftsführer des Planungsbüros 365 freiraum+umwelt aus Überlingen, nun Interessenvertretern von Naturschutzbund, Landratsamt, Umweltzentrum, Hegering, Landwirtschaft, Kreisjägervereinigung sowie der Stadt vier von vierzehn geplanten Maßnahmen vor, die in nächster Zeit umgesetzt werden sollen. "Alle Maßnahmen beruhen auf freiwilliger Basis", hob Kübler hervor. Am sinnvollsten seien Maßnahmen auf städtischem Gebiet, da Kommunen bei der Umsetzung meist kooperativer seien als Privatpersonen.

Als erstes besuchte die Gruppe das sogenannte Große Ried auf der Gemarkung Espasingen nahe dem Sportplatz, das eine Ausgleichsfläche zum Gewerbegebiet Blumhof ist. Hier könnten punktuelle Maßnahmen, wie das Ziehen von Gräben große Wirkung haben. Dies würde besonders der Vernetzung der Population des Falters mit dem Namen Dunkler Wiesenknopf-Ameisenbläuling dienen.

Das zweite Ziel war das große städtische Grundstück oberhalb des Berlinger Hofs im Ortsteil Hindelwangen. Hier könnte sich Kübler einen fünf bis zehn Meter breiten Blühstreifen für Insekten und Schmetterlinge vorstellen. Dieser wäre auch optisch entlang des dortigen Wanderwegs sehr schön. Eine weitere Maßnahme könnte hier das Pflanzen von Heckenrosengruppen sein. Auch die steileren Stücke in dem Gelände sollten laut Kübler vom Pächter bewirtschaftet werden. "Natürlich hat der Pächter das letzte Wort", betonte der Planer Jochen Kübler. Er müsse dafür als Ausgleich natürlich eine entsprechende finanzielle Entschädigung erhalten, denn er verliere ja Anbaufläche. "Die Maßnahmen sollten die Bewirtschaftung des Grundes nicht zu sehr einschränken", ergänzte Kübler, sehr zur Freude der anwesenden Landwirtschaftsvertreter vom Badischen Landwirtschaftlichen Hauptverband (BLHV), Holger Stich und Andreas Dauwalter.

An dem relativ steilen Gelände unterhalb des Kätzlebergs gegenüber dem Stockacher Freibad wiederum meinte Kübler: "An dieser Steilhanglage müssen die Gehölze zurückgedrängt beziehungsweise beseitigt werden." Das Beste wäre, mit dem Pächter einen Pflegevertrag abzuschließen, und dieser solle mit Schafen und Ziegen das Gelände beweiden. Der ehemalige Kreisjägermeister, Karlheinz Störzer, forderte hier mobile Zäune, damit sich auch Rehwild unbeschadet bewegen kann. "Zäune dürfen für das Rehwild keine Gefahr und Behinderung darstellen."

Einen interessanten Ansatz erfuhren die Teilnehmer bezüglich des Geländes zwischen Freibad und Eisweiher. Hier sollten auf Vorschlag der Fachleute mehrere kleine flache Tümpel für die Amphibien angelegt werden, die im tieferen Eisweiher den Fischen zum Opfer fallen. Zum Schluss appellierten die Vertreter des Überlinger Planungsbüros dringlich: "Wir dürfen hier nicht nur Unmengen Papier produzieren, sondern müssen darauf achten, dass unsere geplanten Maßnahmen zeitnah und nachhaltig umgesetzt werden", betonte Kübler.

Das Projekt und seine Finanziers

  • Das Projekt: Das BUND-Projekt "Biotopverbund Offenland", das im Kostenrahmen von 70 000 EURO liegt, wird zu 90 Prozent vom Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft und mit einem Eigenanteil von zehn Prozent vom BUND gefördert. Um für Tier- und Pflanzenwelt wichtige Lebensräume zu schaffen bzw. zu erhalten, sollen im Rahmen dieses Projekts dauerhafte Verbindungen zwischen artenreichen Biotop-Inseln im sogenannten Offenland geschaffen werden. Das Projekt läuft seit 1. Juli 2015 und soll spätestens im Dezember 2019 abgeschlossen sein.
  • Das Beispiel Schmetterling: Im Großen Ried in Espasingen erklärte Jochen Kübler vom Planungsbüro 365 den Exkursions-Teilnehmern die Wichtigkeit bestimmter Maßnahmen anhand eines dort seltenen Falters mit dem sperrigen Namen Dunkler Wiesenknopf-Ameisenbläuling. Die Nasswiesen werden häufig erst Ende Juni/Juli gemäht. In dieser Zeit ist die Larve in der Blüte,die Mahd vernichtet die Brut. Wenn an den Grabenrändern Randstreifen stehen bleiben, könne sich dort die Brut ungestört entwickeln. Die Falter kommen derzeit nur im Naturschutzgebiet "Schanderied" bei Wahlwies vor. Vorkommen im Naturschutzgebiet "Stockacher Aachmündung" fallen oft Bodensee-Hochwasser zum Opfer. Die Maßnahme soll die Populationen vernetzen.

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