Energiewende und Klimawandel – das sind abstrakte Schlagworte, die jedem geläufig sind. Doch was bedeuten sie konkret im Alltag? Dieser Frage geht der frühere ARD-Auslandskorrespondent und TV-Autor Carl-A. Fechner nach. Seine Überzeugung: Die nötige Energiewende fordere zwar globales Denken, das aber letztendlich zu lokalem Handeln führen müsse.

So lässt sich seine spannende Lesung in der Stockacher Buchhandlung Bücher am Markt auf den Punkt bringen, der er den Trailer zu seinem gleichnamigen Kinofilm voranstellte. Der Vortragsabend wurde von den Stadtwerken, dem Umweltzentrum und den Grünen unterstützt.

Fechner spricht von unerträglicher Ungerechtigkeit

Die Bedrohung der Umwelt sei bereits viel größer als das den meisten Menschen klar sei, sagte Fechner. "Bei uns ist von dieser Bedrohung noch nicht so viel zu spüren", erklärt Fechner, aber er reise viel durch die Welt und habe erlebt, unter welcher extremen Armut viele Menschen lebten und wie ungerecht die Lebensverhältnisse seien.

Das Interesse ist groß: Zur Lesung des Buchautors und Umweltaktivisten Carl-A. Fechner in der Buchhandlung Bücher am Markt finden sich viele Besucher ein. Bilder: Reinhold Buhl
Das Interesse ist groß: Zur Lesung des Buchautors und Umweltaktivisten Carl-A. Fechner in der Buchhandlung Bücher am Markt finden sich viele Besucher ein. Bilder: Reinhold Buhl

Das Thema Gerechtigkeit zog sich wie ein roter Faden durch seine Ausführungen. Sehr früh in seinem Leben seien die Themen Frieden, Gerechtigkeit sowie Bewahrung der Schöpfung relevant für ihn gewesen. Es sei unerträglich, wie die Ressourcen ungerecht verteilt seien.

Als Soldat in die Friedensbewegung

Mit diesem Buch "Power to Change" ("Macht zum Wandel") und dem dazugehörigen gleichnamigen Film will Fechner, der als einer der weltweit anerkanntesten Umweltaktivisten gilt, verbreiten, dass eine dezentrale Energie-Vollversorgung der Menschheit mithilfe erneuerbarer Energie nicht nur kurzfristig möglich ist, sondern auch für die Gesellschaft besser sei als eine nukleare oder fossile Energieversorgung.

Ab 2030 komplett saubere Energie?

Er zitiert eine UN-Studie, nach der es möglich sei, bis 2030 komplett auf saubere Energie umzusteigen. Das klinge zwar momentan noch utopisch, aber man müsse Visionen haben, wie "damals der amerikanische Präsident, der seinem Volk gesagt hat, dass man in zehn Jahren auf dem Mond lande". Tatsächlich habe das geklappt.

Der ehemalige Bundeswehrhauptmann Fechner, der in Immendingen Soldat und damals schon überzeugter Nachrüstungs- und Atomkraftgegner war, ist sich sicher, dass heute die ganze Welt auf erneuerbare Energie umschalten kann – wenn sie nur will.

Das Credo des anerkannten Energieexperten lautet: Der Energie-Wandel hin zur Nachhaltigkeit ist möglich – und zwar jetzt. "Wenn wir es jetzt nicht versuchen, kommt morgen die Frage: Warum habt ihr versagt", so ein Zitat Fechners.

Kritik an Totschlagargumenten

Viele Diskussionen über die Energiedebatte nannte Fechner "Scheindebatten". Er verwehre sich gegen die immer gleichen Totschlagargumente, die von Gegnern der Energiewende regelmäßig ins Spiel gebracht würden. So stimme es einfach nicht, dass jeder Bürger sehr viel über das EEG bezahle, dass der Staat erneuerbare Energie subventioniere, dass die Energiewende nicht zu 100 Prozent machbar wäre und dass die Industrie unter den Kosten der Energiewende leide.

Auch halte er die Behauptung, dass der Bau einer Windkraftanlage mehr Energie verbrauche als sie nach Fertigstellung jemals produziere, für ein Märchen. Bei der anschließenden Diskussion ging es unter anderem um mehr Flächen für Solarparks und Windkraftanlagen. Die Politik müsse hier selbst das Heft des Handelns in die Hand nehmen und dies nicht den Lobbyisten überlassen, forderte eine Diskussionsteilnehmerin.