Manchmal liegen Anfang und Ende nah beieinander. Die Ausstellung "Joan Miró bis Otto Dix" mit Werken aus der Sammlung des Stockacher Ehrenbürgers Heinrich Wagner ist so ein Fall. Denn einerseits bekommt die Öffentlichkeit nun zum ersten Mal Einblick in den Schatz von Kunstwerken, den der frühere Bauunternehmer in mehreren Jahrzehnten angesammelt hat, in einer Ausstellung, die pünktlich zum Schweizer Feiertag zu sehen ist. Der Termin sei gewählt worden, weil das Stockacher Stadtfest in seiner heutigen Gestalt stark auf Wagners Initiative zurückgehe, wie Stockachs Bürgermeister Rainer Stolz in seiner Begrüßung anmerkte. Andererseits fiel die Vernissage, zu der viele geladene Gäste ins Bürgerhaus Adler Post gekommen waren, auch mit dem letzten Arbeitstag von Yvonne Istas zusammen. Sie gibt nach 16 Jahren die Leitung von Stadtarchiv und -museum in Stockach ab und tritt demnächst eine neue Stelle in Kreuzlingen an.

Der herzliche Applaus für Istas galt ihrem ganzen Wirken in Stockach. Und es wirkte ehrlich bewegt, als Rainer Stolz der scheidenden Museumsleiterin seinen Dank für die zurückliegenden 16 Jahre aussprach. Als letztes Projekt für die Stadt Stockach hatte sie die Ausstellung konzipiert und zur Vernissage erklärte sie ihre Gliederung von Wagners vielfältiger Sammlung. Denn er hat seit den 1960er-Jahren 328 Werke von 70 Künstlern gesammelt – und zwar genau das, was ihm gefiel. Das folgte nicht unbedingt einer bestimmten Kunstrichtung. Wie die Kaufentscheidungen zustande kamen, schilderte Istas in ihrem Vortrag so: "Oft war es Intuition beim Betrachten in einer Galerie, aber auch persönliche Empfehlungen oder Kontakte zu Künstlern.

Die erste Führung durch die Ausstellung: Yvonne Istas (rechts) kennt zu jedem Bild eine Geschichte.
Die erste Führung durch die Ausstellung: Yvonne Istas (rechts) kennt zu jedem Bild eine Geschichte. | Bild: Siegfried Kempter

" Zu sehen sind aus diesem reichen Bilderschatz nun etwa 80 Werke von 30 Künstlern. Dabei sind große Namen der Moderne wie Pablo Picasso, Marc Chagall oder Joan Miró, aber auch Höri-Maler, bei denen Istas auch Otto Dix eingruppierte.

Festredner Stefan Lutz, Chefredakteur des SÜDKURIER, ging der Frage nach, wie es dazu kam, dass Heinrich Wagner seiner Stadt eine so umfangreiche Leihgabe macht. Lutz' Antwort: Wagner habe, bei aller Geradlinigkeit in seinen Zielen, nie die anderen im Gemeinwesen aus dem Blick verloren. Sein Leben stehe für Werte, die zusammenhalten, wie Fürsorge oder Ehrenamt. Und abgegeben habe Heinrich Wagner immer viel, nicht nur von seinem Vermögen, sondern auch an Zeit. Lutz: "Heinrich Wagner hat mit Leben gefüllt, was Heimat zusammenhält." Dem so Geehrten spendeten die Gäste der Vernissage lang anhaltenden Applaus im Stehen – einen Applaus, über den er sich sehr gefreut habe, erzählt Wagner.

Und wie kam die Ausstellung bei den Besuchern an, die am Abend an der ersten Führung mit Yvonne Istas teilgenommen haben? Das Echo des Premierenpublikums, darunter einige mit Wagner befreundete Kunstsammler, war positiv bis begeistert. So sagte Brigitte Drewing aus Daisendorf bei Überlingen über den langjährigen Freund ihrer Familie: "Wagner hat gekauft, was ihm gefällt, und nicht, was man unbedingt haben muss. Dazu muss man auch stehen können."

Die Ausstellung öffnet für das Publikum zum Stadtfest Schweizer Feiertag am Freitag, 23. Juni. Bis Montag, 26. Juni, ist sie täglich von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Danach ist sie bis Samstag, 30. September, montags bis freitags von 9 bis 12 Uhr, dienstags bis freitags von 14 bis 18 Uhr und samstags von 10 bis 13 Uhr zu sehen

Führungen und Katalog

Während der Ausstellungsdauer bis Samstag, 30. September, gibt es außerdem jeden Donnerstag um 18 Uhr Sonderführungen. Die erste davon findet am 29. Juni statt. Karten gibt es im Kulturzentrum Altes Forstamt oder im Internet unter www.stockach.de für 6 Euro pro Person, ein Begrüßungssekt ist inklusive. Die regulären Eintrittskarten zur Ausstellung gibt es für 5 Euro (ermäßigt 3 Euro) ebenfalls im Alten Forstamt oder über die städtische Internetseite. Der Katalog kostet 10 Euro. (eph)