Stockach Ausstellung im Alten Forstamt: Als eine Prinzessin Schulden hinterließ

Siegfried Mattes rekonstruiert das Stockach des 18. Jahrhunderts. Die Vernissage zur Ausstellung mit seinen Bildern ist gut besucht.

Siegfried Mattes habe den Gebäuden von Alt-Stockach ein Gesicht gegeben. Dies stellte der neue Museumsleiter von Stockach, Johannes Waldschütz, fest, als er am Nachmittag des ersten Adventsonntags vor voll besetztem Haus im Alten Forstamt in Stockach die Ausstellung "Stockach im 18. Jahrhundert" eröffnete.

Derzeit sind im zweiten Obergeschoss des Alten Forstamts 40 Ansichten von Stockach ausgestellt, so wie die Stadt im 18. Jahrhundert ausgesehen haben könnte. Dabei fußen die Ansichten auf bildlichen Rekonstruktionen von Siegfried Mattes, der diese bei der Vernissage dem Publikum vorstellte. In jahrelanger Kleinarbeit, so Johannes Waldschütz bei einer kurzen Einleitung der Vernissage, habe Mattes alte Pläne sowie historische Ansichtskarten und weitere Unterlagen dieser Art ausgewertet und daraus ein Modell vom damaligen Stockach geschaffen. Ausgangspunkt war dabei der Stadtbrand von 1704, dem praktisch die ganze Altstadt zum Opfer fiel. Nur die Grundmauern sowie die Keller blieben erhalten. Sie dienen heute für sommerliche Touristen-Rundgänge durch die Stockacher Unterwelt.

Prinzessin Marie Antoinette übernachtet im "Weißen Kreuz". Heute ist an dieser Stelle die Bar "Brazil", links im Bild das Fachwerkhaus der heutigen Volksbank.
Prinzessin Marie Antoinette übernachtet im "Weißen Kreuz". Heute ist an dieser Stelle die Bar "Brazil", links im Bild das Fachwerkhaus der heutigen Volksbank. | Bild: Georg Exner

Siegfried Mattes ist in Stockach aufgewachsen. Er lebt heute in Ludwigshafen. Mattes erklärte in seiner Rede zur Vernissage, er habe immer schon eine Vorliebe für das historische Stockach gehabt. Fußend auf einem alten Stadtplan des 18. Jahrhunderts habe er im 3D-Verfahren die damalige Altstadt von Stockach rekonstruiert. Ausgehend hiervon habe er dann Haus um Haus digital dargestellt. So entstanden 40 historische Ansichten der Stockacher Altstadt, die jetzt im Alten Forstamt bewundert werden können. Dass dabei Anregungen aus alten Ansichten und Postkarten eingeflossen sind, die nicht allein mit den bloßen historischen Gebäuden zu tun haben, macht die Bilder erst richtig bunt und lebendig.

Marie Antoinette besucht die Stadt

So ist beispielsweise auf einer der Ansichten das Gasthaus "Zum Weißen Kreuz" dargestellt und zwar just an dem Tag, als dort die österreichische Prinzessin Marie Antoinette auf ihrem Hochzeitszug nach Paris zwecks Übernachtung Station machte. Viel fein geputztes Volk umdrängt die vornehme Equipage, aus der gerade die schlanke Marie Antoinette aussteigt, Fahnen hängen aus den Fenstern und sogar ein Maibaum ist aufgerichtet, denn der große Tag war im Mai 1770. Dass die adlige Dame der Stadt Stockach dabei 2000 Gulden Schulden hinterlassen hatte, konnte sich Siegfried Mattes nicht verkneifen am Rande anzufügen, was vom Publikum mit Schmunzeln zur Kenntnis genommen wurde.

Siegfried Mattes zeigte zur Vernissagerede diverse historische Ansichten der damaligen Stadt. Vor allem auch ein viertelstündiger Film zum Thema fand viel Beifall bei den Zuhörern. Mattes vergaß auch nicht darauf hinzuweisen, dass es einen Bildband zu dem Thema gibt, den man käuflich erwerben kann, und dankte Waldschütz für seine Unterstützung beim Zustandekommen der Ausstellung. Bei einem Glas Sekt konnten die Vernissagebesucher sich dann selber ein Bild davon machen, wie ihr geliebtes Heimatstädtchen vor über 200 Jahren ausgesehen hat.

Die Kirchhalde heute: Heute geht es ohne Stadttor in die Oberstadt.
Die Kirchhalde heute: Heute geht es ohne Stadttor in die Oberstadt. | Bild: Stephan Freißmann

Die Ausstellung

"Stockach im 18. Jahrhundert" ist der Titel einer sehenswerten Bilderschau, die bis zum 3. März 2018 im Alten Forstamt in Stockach zu sehen ist. Die Ausstellung beruht auf 40 historischen Ansichten der Stadt aus jener Zeit, die von Siegfried Mattes aus Ludwigshafen geschaffen wurden. Die Ausstellung ist zu besichtigen vom Montag bis Freitag von 9 bis 12 Uhr sowie von Dienstag bis Freitag auch von 14 bis 18 Uhr und am Samstag von 10 bis 13 Uhr (Eintritt frei). Ein Buch zur Ausstellung ist für 15 Euro an der Tourist-Information im Alten Forstamt erhältlich. (ex)

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