Sie sind wie kleine Fenster in die Vergangenheit: 40 Bilder von Siegfried Mattes zeigen, wie Stockach im 18. Jahrhundert ausgesehen haben könnte. Der 67-Jährige hat Teile der historischen Stadt rekonstruiert. Unter dem Titel "Stockach im 18. Jahrhundert – Auf den Spuren einer Epoche" sind die Werke, an denen er in den vergangenen Jahren mit einem Architektur-Computerprogramm und Bildbearbeitung gearbeitet hat, ab Sonntag, 3. Dezember, im Alten Forstamt zu sehen.

Mattes, der in Stockach geboren wurde und heute in Ludwigshafen wohnt, hatte schon immer ein großen geschichtliches Interesse an der Stadt. "Ich habe Ansichten und Stiche gesammelt", erzählt er. Da er beruflich mit Immobilien zu tun hat, habe es sich ergeben, dass er eine Architektur-Software hat, mit der sich dreidimensionale Modell von Häusern erstellen lassen. Im Fernsehen habe er dann einmal einen Beitrag mit einem 3D-Modell einer Stadt gesehen und selbst versucht, Häuser mit seinem Computerprogramm zu erstellen. Mithilfe eines Grundrisses von Stockach aus dem Jahr 1721, einem Stadtplan von 1865 und Beschreibungen der früheren Häuser in der Literatur begann Mattes Häuser und Stadtansichten detailgetreu zu gestalten. Dazu habe er auch heutige Fassaden fotografiert und in das Programm importiert, erzählt er.

Es seien am Ende drehbare Modelle am Computer entstanden und der Vergleich der Rekonstruktionen mit dem heutigen Aussehen sei möglich. Aus diesen Modellen gestaltete er schließlich die Bilder, von denen ab Sonntag 40 Stück in der Ausstellung hängen – zum Beispiel das einstige Stadttor an der Kirchhalde, der Nellenburgische Diebesturm in der Kaufhausstraße oder das frühere Gasthaus Löwen neben der katholischen Kirche St. Oswald. Neu und alt sind nun so kombiniert, dass die verschwundenen Gebäude wieder hervortreten.

Das Untertor, also der Bereich der heutigen Kirchhalde beim Kriegerdenkmal, gehört für Mattes zu den wichtigsten Rekonstruktionen. "Dort gab es eine wesentliche Veränderung der Stadt", erklärt er. Heute existieren keine Spuren des einstigen Tors mehr. In der Hauptstraße zwischen Bäckerei und Papierwarengeschäft gab es außerdem früher das Obertor – heute deutet nur noch die Verengung der Straße darauf hin. "Es wird für die Stockacher sicher spannend sein, wie die Stadt ausgesehen haben könnte", sagte Stadtmuseumsleiter Johannes Waldschütz bereits im Oktober bei einem Gespräch über Ausstellungen in diesem und dem nächsten Jahr.

Im Ausstellungsraum können die Besucher ihre Zeitreise durch das Stockach des 18. Jahrhunderts beim Obertor starten und sehen zum Beispiel auch, wie das einstige Kapuzinerkloster (heute Goldener Ochsen) ausgesehen haben könnte. Der Weg führt dann bis zum anderen Ende der heutigen Oberstadt und zur Kirchhalde. Auch wie sich bestimmte Stellen mehrfach verändert haben und der Blick in die Umgebung aussah, hat Mattes rekonstruiert. "Man kann durch die Stadt gehen und aus ihr Herausschauen", fasst Johannes Waldschütz zusammen.

Für Besucher der Vernissage am Sonntag gibt es neben den Bildern selbst noch etwas Besonderes: Ein Film, der vorerst nur in diesem Rahmen gezeigt wird, ermöglicht einen virtuellen Rundgang sowie Überflug durch die Stadtrekonstruktion.

 

Hintergrund

  • Brand und Neubau der Stadt: Der bayerische Kurfürst Max II. Emanuel ließ Stockach im Mai 1704 anzünden und beschießen, weil die Stadt im Spanischen Erbfolgekrieg zu ihren österreichischen Herren gehalten hatte. Alle Häuser waren bis auf die Grundmauern niedergebrannt und die Stadt vollkommen neu entstehen. Auf den alten Kellern und Grundmauern wurde das damals neue Stockach erbaut, beschreibt eine Pressemitteilung des Stadtmuseums. Wie diese Stadt ausgesehen haben könnte, hat Siegfried Mattes intensiv untersucht. 40 der Bilder, die er in jahrelanger Arbeit erstellt hat, sind in der neuen Ausstellung im Stadtmuseum zu sehen.
  • Ausstellung und Buch: Die Ausstellung "Stockach im 18. Jahrhundert – Auf den Spuren einer Epoche" beginnt am Sonntag, 3. Dezember, 16 Uhr, mit einer Vernissage im Stockacher Stadtmuseum und endet am 3. März 2018. Der Eintritt zur Ausstellung ist frei. Führungen gibt es auf Anfrage. Es gibt ein von Siegfried Mattes verfasstes Buch zur Ausstellung und dem Thema, das für 15 Euro in der Tourist-Information Stockach erhältlich ist. Er hat alles selbst gestaltet. Das Buch enthält neben den Bildern auch eine Zusammenfassung der Geschichte und Entwicklung der abgebildeten Orte. Das Buch hat eine Auflage von 200 Exemplaren und ist ab Beginn der Ausstellung im Alten Forstamt zu kaufen.